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Der Bär (Ursus arctos) in den rumänischen Karpaten!

Hirngespinste der armen Seele eines Karpatenwanderers

Erlebtes und Spekulationen

Einige Fakten

Ressourcen, Trends und Lösungen - über die Zukunft des Karpatenbären nachgedacht!

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Hirngespinste der armen Seele eines Karpatenwanderers

Der Mythos "Dracula" und dieses ganze Vampirsgewirsch, macht dem rumänieninteressierten Wanderfreund den ersten Schritt zum Wagnis nicht gerade leicht. Wer es dann ganz unbelastet (im Sinne von Unwissenheit) tut, dem kommt der Schauer gewiss zumeist vor Ort, wobei der Grusel abgelöst von Bär und Wolf so gänzlich realistische Züge anzunehmen scheint. . . .

Allmählich zieht sich das zuvor so helle Lagerfeuer am Zelt in seine Glut zurück. Es geht gegen Mitternacht, der Mond schaut durch die Baumwipfel und wirft weite vom Wind getriebene Schatten. Uhu, uhu! Da knackt und knarrt es gelegentlich und das Hirn schaltet auf "Turbo"! Physikalische Gesetze werden gebrochen, denn trotz des versiegenden Feuers steigt die Körpertemperatur rapide. Darum nennen die Rumänen einen Schnellzug auch "Rapid"! Man sieht, die Schaurigkeiten der rumänischen Wildnis haben ihre Spuren selbst in der modernen rumänischen Sprache hinterlassen. . . .

Wo waren wir doch gleich? . . . Ach ja, beim Angstschweiss . . . und dann die Sinne scharf und Beachtung für jedes noch so kleine Detail - Geräusche, Bewegungen und schliesslich dieses blöde Hirn. Ja, Hirn blödes! Warum jetzt diese Spekulationen, erdachten Schauergeschichten, ausgelösten Ängste? Warum musste ich auch im letzten Bergdorf in der kleinen Dorfkneipe die Einheimischen nach Bären fragen. Die haltens hier nicht wie die Tibeter, dass es hier nur Jetis gäbe, die eh niemals jemand zu Gesicht bekommt. Neeee, hier reissen sie die Augenbrauen hoch, kippen sich den letzten Schnaps noch schneller hinter und kaum ist der Kehlkopf zurückgeschnallt, da erzählen sie so Geschichten von der letzten Woche, wo ein Bär wieder Schafe gerissen hat und ein anderer nachtens im Maisfeld war. Geschichten, ja Geschichten und nichts weiter, . . . HAHAHAHA............HA.........H........A...........AHA! . . .

. . .blödes Hirn, jetzt dreht es einen zur Ermahnung noch die Buchstaben im Kopfe rum. Aber ick bin ja een schlauer Kerl, habe det Maisfeld ja noch stehn seehn, nich abjeerntet, dat wees ooch der Bär, ha ha, also ist der heute sicher ooch nochmal ind Maisfeld jejangen, haha.

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April 2001 im Muntii Vrancea

"Wir haben den gleichen Weg!" Schuhgrösse 45 gegen Bärenpranke!

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Erlebtes und Spekulationen

. . . so setzt sich`s fest und bei dieser Mischung bleibt es auch nach vielen Jahren der Karpatenwanderei.

Schon auf meiner ersten Rumänientour wurden die Sinne für Meister Petz geschärft. Auf dem Anmarsch zusammen mit einem Freund in das Fágáras-Gebirge von Avrig aus zur Cabana Bárcaciu, sahen wir ein mit Chlor abgedecktes junges Pferd am Wegesrand kurz hinter Poiana Neamtului. In der Nähe ein Imker mit einem grossen bewirtschafteten Bienenwagen. Der Imker erzählte uns, dass ein Bär das Pferd gerissen habe und auch er selbst könne diesbezüglich auf genügend Erlebnisse zurückblicken.

Einige Jahre vergingen, bis ich im Retezat-Gebirge erneut mit den Spuren von Meister Petz in Berührung kam. Mitten in dichten Krippelkieferbeständen entdeckte ich einen kompletten gerissenen Pferdeschenkel. Und schliesslich die nächtlichen Turbulenzen, als ein Bär am Zánoaga-See eine Kuhherde attackierte. Und dann der folgende Urlaub im August´91 auf dem Weg von Cabana Baleia nach Stâna de Râu, ich fast aufgelaufen - 5 Meter entfernt von einer Bärin und ihrem Jungen. Alles ging gut und ich hatte meine "Bärentaufe" hinter mir. Dann zwei Jahre später nahe der Tecuri-Höhle im Sureanu-Gebirge, schlich in der Nacht ein Bär um unser Zelt. Wir (mein treuer rumänischer Wanderfreund Dorin und ich) taten nichts und lagen einfach still (aber nicht aus Gründen der Strategie, denn eher ganz hinterlistiger Spekulationen - auch diese Reisestory soll möglichst noch in diesem Jahr ins Netz kommen). Alles ging gut.

Es gibt ja viele angebliche Strategien, wie etwa das Lärmschlagen mit Kochtöpfen oder Knallern, oder Pfefferspray, auch ein leichter Benzingeruch soll den Bären abschrecken (???). In Amerika ist es ja in den Nationalparks üblich, die Lebensmittel auf Bäume zu hängen oder in speziell dafür vorhandene stabile Behälter zu verstauen. Hier in Rumänien würde niemand auf die Idee kommen, die Lebensmittel an einen Baum zu hängen. Wer da aber Spass und Freude unter den Wanderern verbreiten möchte, dem sei dazu geraten. Aber rein logisch betrachtet bringt es eh nicht viel. Denn bedingt durch die tägliche Speisezubereitung riechen Mensch und Kleidung, Kochgeschirr und anderes mitunter intensiver, als dass zumeist in dichten Plastiktüten verstaute "Fresszeug". Ausserdem gibt es in den rumänische Karpaten verhältnismässig nur sehr wenige touristische Ballungsgebiete. Nur wenige Bären entwickeln so entsprechende Verhaltensweisen.

Mit einem anderen Wanderfreund war ich einmal im Kleinen Retezat-Gebirge. Wir sind ins obere Jiu-Tal nach Casa Câmpusel II abgestiegen, um einen befreundeten Förster zu besuchen. Der war hier aber nicht mehr im Dienst. Ein neuer Förster Namens Felix (ein Siebenbürger Sachse) hatte diesen Posten übernommen. 2 Tage zuvor zelteten wir über der Scorota-Schlucht bei einer Schäferhütte. Die Hirten dort brachten zum Abend karbidgefüllte Flaschen zum Platzen. Der Geruch würde den Bären abstossen. Tage zuvor hatte ein Bär hier drei Schafe gerissen. Das erzählten wir nun Felix und der schenkte jedem von uns daraufhin einen echten Bäreneckzahn. Und schliesslich erklärte uns der Felix gänzlich ernst, dass wenn ein Bär in der Nähe sei, man nur die zwei Eckzähne aufeinanderklopfen müsste. Das würde den anderen Bären abschrecken. Eine ganz seltene Theorie und ich konnte nach vielen Gläsern Selbstgebrannten dieser Aussage keinen Schalk entlocken.

Meine eigene Theorie ist eine andere: Ich esse (bedingt aus Leidenschaft!) in den Bergen immer Unmengen von Knoblauch. Und dieser Geruch überlagert ja so ziemlich jeden noch so lieblichen Geruch anderer Leckerlis. WAHRscheinlich hat sich "Ursus" deshalb an meinem Zelt noch keinen lohnenswerten Bissen erhofft! Diese meine Theorie ist zwar nicht "Staatlich-", so doch "Langzeitgeprüft". Interessant ist zudem, dass man gelegentlich in den Wäldern grosse Bestände des artverwandten "Wilden Knoblauch" vorfindet. Da gibt es keine Schäden am "Gemüse" und selbst das allesfressende Wildschwein verschmäht es.

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Ein Bärenlagerplatz!

Beim Durchwandern der Schlucht "Tisita Aurie" im Vrancea-Gebirge, war das natürlich die grosse Entdeckung. Ein ziemlicher Gestank kündigte diesen Bärenplatz bereits einige Meter vorher an. Schöne Kratzbäume und unten rechts im Bild zu sehen, das verbliebene Fell von einem verwesten Bären. Der Schädel lag einige Meter weiter am Bach.

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Einige Fakten

Informationen aus dem (früher jährlich erschienenen) Rumänienreiseführer KOMM MIT´88 in dem Beitrag "Meister Petz ist nicht wählerisch" von Peter Weber, geben folgende interessante Aufschlüsse:

  • über die Hälfe der rumänischen Waldflächen sind von Bären bewohnt
  • der Bären-Bestand im Jahre 1988 beläuft sich auf ca. 7000 Tiere
  • Durchschnittsgewicht eines Braunbären beträgt 150-200 kg (max. bis 450 kg)
  • bisher gemessene kurzzeitige Höchstgeschwindigkeit eines Bären betrug ca. 50 kmh
  • grösste Bärenkonzentration in den Ostkarpaten

Und zur Beruhigung aller nun durch "Karpatenwilli" verunsicherten Wanderfreunde noch ein weiterer Ausschnitt aus jenem Beitrag von Peter Weber:

"Da wir aber schon bei den Zahlen sind - Rumänien hat die z. Z. besten Bärenbestände Europas. Konkret: Im Lande leben 94 Einwohner pro Quadratkilometer. Sofern wir die bewaldete Fläche des Landes in Betracht ziehen, sind das nur 0,03 Bären auf derselben Flächeneinheit, also maximal 1 Bär pro 500 Hektar. Dies bedeutet, zumindest theoretisch, dass man erst nach 3143 begegneten Touristen mit einem Bären rechnen könnte. Könnte, denn so einfach ist es nun auch wieder nicht, Meister Petz zu treffen! Bärenbeobachtungen können nicht -erlaufen-, sie müssen -ersessen- werden!

Nach derzeitigen Zählungen und Angaben leben in Rumänien 6600 Braunbären. Aber fachkundliche Angaben unter der Hand belaufen sich auf eine Gesamtzahl von 5000 Bären (Stand September 2000).

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Das Vrancea ist übrigens jenes Gebirge, in dem sich im Jahre 2000 eine lustige Episode ereignet hat:

Bär schlägt Briten beim Überlebenstraining in die Flucht

Bukarest, 8. September (AFP) - Ein ganz besonders realistisches
Überlebenstraining haben britische Soldaten in den Wäldern von Ostrumänien
mitgemacht. Ein Braunbär von angeblich imposanter Größe habe dem Lager der
Übungsgruppe einen Besuch abgestattet, berichtete die Zeitung "Curentul" am
Freitag. Ein Teil der Soldaten habe daraufhin die Flucht ergriffen. "Das
Lernziel der Übungseinheit war, unter extremen Bedingungen zu überleben,"
sagte ein britischer Offizier der Zeitung. Ein Bär sei allerdings nicht
vorgesehen gewesen. Nach der Flucht der Soldaten vergriff sich das Raubtier
an den Keksvorräten des Lagers. In der britischen Armee scheint es überhaupt
abenteuerlich zuzugehen: Bei derselben Übungseinheit brach sich ein Gefreiter
den Arm, als er aus seinem Bett fiel.

© AFP

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Bärenkot ...

... auf einer Wiese im oberen Bereich der "Tisita Mare"-Schlucht (Vrancea-Gebirge).

Noch unverweckselbarer ist der Bärenkot oft in den Spätsommermonaten. Pelzmützengrosse schwarze Kothaufen mit einem mitunter leichten lila-bläulichen Schimmer zeugen dann von den reichlich verzehrten Blaubeeren. Das Laub ist dabei noch grösstenteils unverdaut im Kot enthalten!

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Ressourcen, Trends und Lösungen - über die Zukunft des Karpatenbären nachgedacht!

Ressourcen

Die Ressourcen bestehen natürlich in erster Linie in dem noch herausragenden Bärenbestand innerhalb der rumänischen Karpaten selbst. Der zweite Faktor - und nicht weniger wichtig - ist das Gewohntsein der rumänischen Bevölkerung an das Zusammenleben mit Bär und Wolf. Ganz typisch ist beinahe die Szene aus einer Filmreportage, wo es um die Bärenpopulation bei Brasov (Kronstadt) geht, welche zum Abend gern die Müllkontainer der Wohngebiete aufsucht. Der Kameramann, nicht weit von den Bären entfernt, filmt das Geschehen, während eine ältere Dame zwischen Bär und Kamera ganz unbesorgt vorbeiläuft. Der Kameramann ruft der Dame zu, sie solle doch vorsichtig sein und diese setzt ihm entgegen: "Wieso, ich tue doch den Bären nichts".

Ein völlig anderes Verhalten ist den westeuropäischen Zivilisationen anzuheften, die in beinahe mimosenhafter Art Ängste gegenüber Bär und Wolf entwickelten, obwohl sie mit diesen Tieren nie zusammengelebt haben. Ihr "virtuelles" Zusammenleben mit Bär und Wolf beschränkt sich einzigst auf Märchenbücher und neuzeitliche Horrorfilme. Dies ist zudem ein grosses und ganz entscheidendes Übel, was die freie Wiederansiedlung von Wolf und Bär in westeuropäischen Regionen in einem "normalen" Ausmass unmöglich macht. Das zweite Übel ist dabei der Lobbyismus hiesiger Jägerschaft, die Bär und Wolf natürlich als Konkurrenten versteht, diese "Konkurrenz" aber freilich dennoch gern erschiessen möchte - sofern das in anderen Ländern möglich ist! Der Zeit angemessen, sollten hiesige Jäger ein anderes Ehrgefühl gegenüber aussterbenden eropäischen Tierarten entwickeln und das eigene Ego welches dabei höchst ausgeprägt scheint, zu unterdrücken im Stande sein. Es geht mir nicht um eine Absage an die Jägerschaft (obwohl dies mein Ding nicht ist), wohl aber darum diese zu erinnern, dass es hier etwas zu bewahren gilt.

Trends

Die Bestände von Bär und Wolf in den rumänischen Karpaten verringern sich sehr schnell. So wurde der Bärenbestand in den letzten 12 Jahren halbiert. In einem Gespräch mit einem rumänischen Forstmann in gehobener Position stellte ich diesem die einfache Frage, ob denn die Entwicklung in den nächsten 12 Jahren so weitergehen wird, oder man dem etwas entgegenzusetzen hätte. Zunächst verfiel er in leichte Ratlosigkeit und konnte mir insofern eine Bestätigung dahingehend aussprechen, dass es wenigstens derzeit noch keine Lösung gäbe. Die Dezimierung von Bär und Wolf schreitet also voran! Zunächst und um nicht missverstanden zu werden, möchte ich etwas ganz entscheidendes hinzufügen:

Es ist freilich das Recht der rumänischen Regierenden, die Bestände an Bär und Wolf sozusagen restlos auszubeuten, wie dies ja auch viele andere Staaten Westeuropas schon vor langer Zeit "vollbracht" haben. Wer sich dort ernsthaft für den Erhalt von Bär und Wolf einsetzt, sollte dies im eigenen Lande tun - soweit möglich. Ein "Recht" anderen etwas zu verbieten, was bei einem selbst geschehen ist, scheint mir in diesem Falle äusserst skurril. Vielen internationalen Tierschützern fehlt in diesem Falle ein hohes Maß an Feingefühl und auch - dass es nicht nur eine Aufgabe sein sollte, Protest von fern zu üben, sondern auch Würdigungen auszusprechen! Eine Gabe, die vielen dieser Verbände bisher nicht eingekommen ist! Aber wie es so ist mit grossen Verbänden - auch sie beschäftigen sich irgendwann nur noch mit dem Erhalt ihrer selbst, statt mit dem Grundproblem! So gesehen ist es mit einigen Verbänden ähnlich dem Dasein eines Baumes: Er wächst langsam heran, aber stirbt ein vielfaches länger :-)) !

Solche Organisationen von denen es kleinere und grössere gibt, als auch ausländische Instanzen bis hin jener der Europäischen Union, tummeln sich derzeit als "Retter und Arterhalter" von Bär und Wolf in Ost- und Südosteuropa (in Finnland und Schweden tut man das z.B. weit weniger!) mit sehr mässigen Erfolg. So gehen beispielsweise die Bärenbestände in Slowenien einem beängstigenden Ende entgegen und niemand fragt sich, was er (oder die beratende Instanz) dabei wohl falsch gemacht hat. Die Ideen sind dabei recht vielfältig, angefangen von Tierschutzabkommen, bis hin zu Entschädigungszahlungen für von Bär und Wolf gerissenes Nutzvieh. Dabei wird mit solchen Regularien mitunter in uralte Traditionen eingegriffen, und mit dem Verändern traditioneller Werte ändert sich schliesslich auch der Wert des zu schützenden Wildtieres ebenfalls. Hier nämlich steigert man ganz ungewollt und assoziativ die "Gefährlichkeit" eines Raubtieres, welches dem Bergbauern Verluste zufügt. Bisher war es für die Bergbauern und Hirten eine "historische Selbstverständlichkeit", dass beim Hüten der Tiere in den Sommermonaten auch immer ein gewisser Verlust dazugehört. Mit der Halbierung der Bärenpopulation der letzen 12 Jahre hat sich natürlich auch rein theoretisch der Verlust an Nutzvieh halbiert. Da kommt den EU-Behörden nichts anderes ein, als jetzt Entschädigungszahlungen anzuregen :-))) !

 

Opfer der Saison!

Ohren von Schaf und Ziege gehören gut aufbewahrt, wenn ein Tier von Wolf oder Bär gerissen wurde, oder auf andere Weise zu Tode gekommen ist. Der Hirte braucht es als Nachweis für den Verlust des Tieres gegenüber dem Eigentümer. Nicht immer muss es ein Ohr sein, so nicht anders möglich reichte auch ein Fellfetzen. In jedem Falle entsprach all das immer einer vollkommenen NORMalität!

Kleinere Organisationen und Tierschützer bringen zusehends die Idee der Wildbeobachtung ein. Sie greifen zunächst eine Idee auf, die Bär und Wolf für die in Rumänien eingezogene "Marktwirtschaft" auf andere Weise nutzbar machen. Eine gute Idee - weil dieser bisher nichts anderes entgegenzusetzen ist! Natürlich lässt sich dieses "Marktsegment" nicht beliebig ausbeuten, da wiederum der Ruhe- und Rückzugsraum der Tiere gestört wird. Statt die alten Lockfutterstände für Bärenbeobachtungen zu nutzen, führen die Verantwortlichen den interessierten Touristen immer weiter an den Rückzugsraum der Wildtiere heran und das gilt es schon im Ansatz als kritisch zu betrachten.

Aber sehen wir, welche internationalen Phänomene touristischer Nutzung es gibt. Ein Beispiel dafür sind die Wolfbestände in einem Gebiet der Kanadischen Rocky Mountains, wo ganze Ströme von Touristen sich allabendlich mit ihren Autos auf einer winterlichen Strasse bewegen, zu einem einzigen Ziel: In der beginnenden Nacht die Wölfe heulen zu hören! Es ähnelt dem Erleben eines Mythos der Ursprünglichkeit, das hier die Touristen in grosser Zahl lockt und dabei weit weniger die Rückzugsräume der Wölfe gestört werden! In Europa wäre so etwas beinahe nur noch in Rumänien möglich, was derzeit aber bedeuten würde, die Wolfspopulationen wieder etwas anwachsen zu lassen.

Noch ein tendenzielles Beispiel zu den Verlustentwicklungen beim Nutzvieh: Im Frühjahr 2001 machte ich mit einem Freund eine Wanderung durch die Reservationen Tisita Aurie - Tisita Mare im Vrancea-Gebirge. Bärenspuren beinahe alle Meter und auch einen Bären haben wir gesehen - ein grossartiges Erlebnis! Ein Jahr darauf war ich erneut mit einem rumänischen Freund in diesem Gebiet unterwegs und musste feststellen, dass nicht eine einzige Bärenspur mehr auffindbar war - ausser drei Wilderern, die während unseres Zeltaufbaus bei der verlassenen Stâna am Ende der Tisita Mare Schlucht rein "zufällig" das Quartier aufgaben. Diese hatten es sicher nicht auf Bären abgesehen, aber es erklärte uns immerhin die Nervosität des Forstbeamten am Eingang zur Tisita-Reservation bei Lepsa, der uns nicht in die Reservation lassen wollte mit der Begründung, es wäre erst ab einer Gruppe von neun Personen möglich. Der Forstmann vom Vorjahr hingegen war von ganz anderer Freundlichkeit und auch sonst hatte ich noch nie in den rumänischen Karpaten so einen verstörten Beamten erlebt. Das aber nur am Rande dieser Erzählung. Wir gelangten am folgenden Tag an den Rand der Reservation und campierten bei den Hirten. Auf die Frage, wie viele Verluste sie in diesem Jahr durch Bär und Wolf schon hatten, verneinten die Hirten dies. Es gäbe bisher kein einziges Problem, nicht einmal eine nächtliche Bärenattacke. Erst später erfuhr ich von anderen Freunden, dass zuvor im Vrancea eine grosse Treibjagd stattgefunden hatte, in der an die 17 Bären geschossen wurden. Freilich ein Ereignis unter der Hand, für hohe jagdbegeisterte Beamte. Aber wie ich schon erwähnte, es ist nicht zu kritisieren für einen der im eigenen Land eine viel grössere Misere vorfindet!!!

Lösungen

Internationale Organisationen und Schutz-Verbände sollten es grundsätzlich unterlassen, als diejenigen aufzutreten, die das Gute über die Welt bringen, zumal sie etwas Gutes über eine Welt bringen wollen, wo sich dies einzigst NOCH befindet :-))) ! Die Tatsachen des noch vorhandenen herausragenden Bären- und Wolfbestandes in den rumänischen Karpaten; deren flächenmässigen Potentiale und Rückzugsgebiete; die an Wolf und Bär gewohnte Landbevölkerung; - all das gilt es zunächst zu achten und international zu würdigen. Das findet bis heute nicht statt und macht ein ganz entscheidendes Dilemma aus, welches verhindert, dass rumänische Verantwortliche über den Faktor des Stolzes über die internationale Würdigung entsprechend motiviert werden. Statt dessen suggeriert man ihnen derzeit eher das Gegenteil.

Meinen rumänischen Freunden, insbesondere jenen, die über die Jagd zu verfügen haben, möchte ich eine Empfehlung aussprechen. Ich selbst, kein Freund der Jagd, verstehe aber dennoch den "Marktwert" dieser und auch die vorhandenen so ganz alltäglichen Realitäten denen man sich nicht entziehen kann. Ein Erhalt des derzeitigen Bärenbestandes wäre eine gute Sache und den Realitäten entsprechend sicher auch, wenn die Jagd auf immer erhalten bliebe. Wie ginge dies zusammen? Im Grunde ganz einfach. Nehmen wir das uns immer so propagierte Beispiel unserer Marktwirtschaft: Das Angebot wird bestimmt durch die Nachfrage! In den Niederlanden finden wir z.B. ein ausserordentlich gut funktionierendes Vermarktungssystem für produzierte Zierpflanzen vor - nämlich eine Pflanzenbörse, auf welcher sozusagen der tägliche Absatz und Verkauf geregelt wird.

Angebot und Nachfrage? Warum also nicht auch für Bär und Wolf? Es wäre sicher eine gute Alternative, die derzeit hohe Abschussrate der Bären soweit zu begrenzen, dass sich Abschuss und Nachwuchs die Waage halten. Der scheinbare Verlust durch fehlende Abschussgebühren würde durch die Form einer Abschussbörse sicher weit mehr Gewinne einbringen und die Gewinne liefen nie Gefahr, zu versiegen. Es kommt der Vorteil der Vermarktungsmöglichkeiten über die modernen Medien des Internet u.a. hinzu, so dass eine internationale Versteigerung auch immer gute Kunden haben wird. Auch müssten Versteigerungsinstanzen dieser neuen Art nicht neu erfunden werden - denn internationale Versteigerungsbörsen wie eBay sind schon lange erfolgreich! In diesem Sinne wünsche ich allen rumänischen Bären ein möglichst langes Leben und hoffe auf neu überdachte Kooperationen zwischen dem internationalen Tierschutz und den rumänischen Verantwortlichen!

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Fotos: Wilhelm Scherz

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