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Rumänien: im Land von Dracula, Bär, Wolf & Co.

1. bis 17. Oktober 2003

Ein Reisebericht von Urs und Edith Maienfisch:  

http://mypage.bluewin.ch/a-z/Maienfisch-Natur-Reisen/ ... naturreisen@bluewin.ch


Dies war bereits das dritte Mal, dass es uns nach Rumänien verschlagen hatte und wir kamen wiederum mit dem Eindruck nach Hause, dass sich die Lebenssituation der Menschen dort ein wenig verbessert hat gegenüber dem letzten Mal, obwohl uns natürlich bewusst ist, dass die Leute in diesem armen Land nach wie vor mit grossen Problemen zu kämpfen haben.

Das erste Mal kamen wir 1987 in dieses Land, das war noch unter Ceausescu. Wir waren damals mit einem Interrail-Ticket unterwegs, das war ein Bahnbillet für junge Leute bis 26, mit dem man in ganz West-Europa sowie Ex-Jugoslawien, Rumänien und Marokko einen Monat lang umherreisen konnte. Unseren ersten Halt in Rumänien machten wir in Bukarest, von wo wir eigentlich ans Schwarze Meer fahren wollten. Doch hätten wir zur Weiterfahrt einen Stempel benötigt, den wir aber niergends erhielten. Also entschlossen wir uns nach nur zwei Tagen, das Land wieder zu verlassen. Allein dieser kurze Aufenthalt war schon sehr eindrücklich. Die total überfüllten Busse, deren Türen nicht mehr zugingen und an denen sich auch draussen noch Fahrgäste anhängten und die bettelnden Kinder überall erinnerten uns damals irgendwie ein bisschen an Indien. Manche Strassen waren noch nicht oder nicht mehr asphaltiert. Wir beobachteten Kinder, die lediglich eine Pellkartoffel draussen auf der Strasse zu Mittag assen. Es war sehr heiss, aber wir konnten nirgends etwas zu trinken auftreiben ausser einer komischen Limonade, die Kopfschmerzen bereitete. Soldaten liefen in zerschlissenen Uniformen umher.

Einerseits erlebten wir überaus gastfreundliche Leute. Zwei Herren z. B., die sich in einem Restaurant an unseren Tisch gesellt hatten, bestanden darauf, dass wir ihr Dessert assen. Andererseits trafen wir auch unheimliche Gestalten. Als wir mit unseren schweren Tramperrucksäcken eben eine Strasse auf dem Fussgängerstreifen überquerten, fuhr mich (Edith) ein Autofahrer fast über den Haufen. Als darauf Urs wütend die Hände über dem Kopf zusammenschlug, öffnete der Autofahrer noch wütender die Tür und wir sahen ein grosses Messer, dass an der Fahrertür in einer Halterung befestigt war. Da entfernten wir uns aber schleunigst.

Vor fünf Jahren nahmen wir dann an einer Kulturreise teil, die ein Geschichtsverein organisiert hatte, in dem wir Mitglieder sind. Als dann auf dieser Reise ein Ehepaar einen Bären gesehen hatte, liess uns der Wunsch nicht mehr los, selbst einmal einen europäischen Petzen in Freiheit beobachten zu können.

Schliesslich konnten wir im Frühjahr 2003 über Umwege in Kontakt zu einem rumänischen Biologieprofessor und ehemaligen Bärenforscher treten und so brachen wir im darauf folgenden Herbst auf zu unserer dritten Rumänienreise.

Als wir in Bukarest angekommen waren, ging es gleich per Mietauto los nach Brasov (Kronstadt) in Siebenbürgen, wo im Stadtviertel Racadau regelmässig Bären die Müllcontainer nach Essbarem durchsuchen. Doch diesen Herbst war ein überaus reiches Bucheckerjahr und so blieben die Bären lieber im Wald.

  Streundende Hunde statt "Müllbären" in Brasov

Es ist hier übrigens noch nie zu einem ernsten Zwischenfall gekommen, obwohl die Rumänen unbekümmert ihre Abfälle in die Container schmeissen. In unmittelbarer Nähe der Mülltonnen ganz nah am Waldrand befindet sich sogar ein Kinderspielplatz. Eine Frau, die einmal spät abends nach Hause kam, wurde von einem Bären buchstäblich überrannt, der aus dem Hauseingang flüchtete. Die Frau blieb aber unverletzt und beide - sowohl sie als auch der Bär - kamen mit dem Schrecken davon.

Nach zwei Nächten vergeblichen Wartens vor den Mülltonnen machten wir uns auf nach Medias, wo wir eine Nacht im Haus des oben erwähnten Professors verbrachten. Hier hatten wir unsere erste Begegnung mit einem rumänischen Bären oder wenigstens mit einem Bärenfell, das den Fussboden unseres Schlafzimmers "zierte".

Am nächsten Tag ging es dann weiter nach Varsag, einer Streusiedlung in den Karpaten, die erst seit zehn Jahren an das Stromnetz angeschlossen ist. Unterwegs konnten wir verschiedene Einblicke in den rumänischen Alltag und in die rumänische Kultur gewinnen.

  Heimfahrt mit dem neuerstandenen Schwein

  Die Pferdewagen sind auf dem Land noch weitverbreitet, weshalb man in den Zentren der grösseren Städten oft dieses Schild antrifft.

  Anlegen von Wintervorräten

  Eine der ältestesten Kirchen in Rumänien

  Strassenfest ungarischstämmiger Rumänen

Die erste Woche verbrachten wir in Varsag beim örtlichen Wildhüter, der uns gleich am ersten Abend voller Stolz Fotos von erlegten Bären zeigte. Sogar der spanische Premierminister und dessen Sohn waren schon mit ihm auf Bärenjagd gewesen. Uns konnten diese Bilder gar nicht erfreuen, aber wir liessen uns aus Höflichkeit nichts anmerken. Tibi, der Wildhüter nahm uns mehrmals auf verschiedene Hochsitze mit, wo Äpfel und Mais zum Füttern der Wildtiere ausgelegt waren. Doch ausser ein paar Wildschweinen bekamen wir niemanden zu Gesicht. Immerhin stiessen wir einmal auf ein Loch, das ein Bär ein paar Wochen zuvor gegraben hatte, um an die leckeren Honigwaben zu gelangen. Eines Abends fragte uns Tibis Frau – eine ausgezeichnete Köchin – wie wir denn das Bärenfleisch gern zubereitet hätten. Doch wir winkten dankend ab.

Nach einer Woche zogen wir dann in das Ferienhaus des Biologieprofessors um, das auf einem Hochplateau liegt. Nun war Schluss mit Lustig! Kein Strom, kein Wasser, ein Plumpsklo irgendwo draussen, Kochen auf dem Holzherd, der das Haus meist auf angenehme sieben Grad zu erwärmen vermochte. Doch mehr Wärme wäre Luxus gewesen, denn durch das Holzspalten und Wasser vom Tal heraufschleppen wurde es einem warm genug, jedenfalls tagsüber.

  Plumpsklo

  Auf diesem Holzofen wurden die Feinkost-Menus zubereitet.

  Keine Sorge, das war nicht das Ferienhaus, sondern der Holzschuppen nebenan. Reintrauen musste man sich aber schon, denn da drin lag das Holz, das zuerst gespaltet werden musste.

  Urs beim Holzspalten im Schuppen

  Ein Nachbar, der unter der Verandatreppe wohnt

  Da in Varsag noch alle eine eigene Kuh im Stall haben und die Rumänen ohnehin mehr dem Schnaps und Wein fröhnen, war es gar nicht leicht, irgendwo Milch aufzutreiben. Schliesslich überreichte uns eine alte Frau diese Zweiliter-Petflasche mit Milch firsch ab der Kuh.
Mmh, war die gut.

  Die Rumänen stehen allerdings mehr auf härtere Getränke. Jeder, der einen Keller besitzt, lagert darin seinen Hauswein und Schnapps.

Am Wochenende kam der Professor mit seiner Lebensgefährtin sowie zwei Gästen nach Varsag. Die vier hausten unten im Tal in einem zweiten Haus, das ebenfalls dem Professor gehört. Am Samstagabend fuhr der Biologieprofessor dann mit uns in ein anderes Jagdrevier, eines der wenigen Reviere, das der Staat an eine private Gesellschaft verpachtet hat. Der Jagdrevierverwalter hat inzwischen gemerkt, dass man auch mit Touristen Geld machen kann und so bekommt der in Rumänien – wenn man an die Probleme dieses Landes denkt – erstaunlich gut funktionierende Schutz der Bären (es dürfen nur so viele Bären gejagt werden, dass ihre Population stabil bleibt) allmählich nochmals eine andere Bedeutung. Doch bis jetzt machen ausländische Jäger immer noch weit mehr als 95 % der Leute aus, die sich für rumänische Bären interessieren. Der Revierverwalter erzählte uns bei unserer Ankunft, dass letzte Nacht ein Bär beim Hochsitz gewesen sei und dass er diese oder nächste Nacht bestimmt wieder kommen werde. Beim Hochsitz entdeckten wir frische Bärenhaufen.

 

Bärenlosung ..........

Doch abgesehen von der Siebenschläferfamilie, die sich unter dem Dach des Hochsitzes häuslich niedergelassen hat und deren Schmatzen und "Schwätzen" uns köstlich amüsierte, tat sich an diesem Abend nichts.

Auf der Heimfahrt erzählte uns der Professor verschiedene interessante Bärengeschichten, die einmal mehr die Gutmütigkeit und grosse Menschenscheu dieser Tiere zeigt. Ein alter Bauer in Varsag z. B. hörte eines Nachts seine Hunde bellen, nachdem er bereits zu Bett gegangen war. Als er aufstand, um nachzuschauen, sah er, dass die Stalltür noch offen stand. In dem Augenblick, als er die Türe zusperren wollte, kam rückwärts ein Bär aus dem Stall, der sich auf seinen Hinterbeinen stehend im Türrahmen umdrehte, um vorwärts flüchten zu können. Dabei stand er unglücklicherweise dem rund 70jährigen Mann auf den Fuss, wobei sich dieser mehrere Knöchlein brach, die nicht mehr richtig zusammenwachsen wollten und so der alte Bauer für den Rest seines Lebens humpelte.

 

Auf diesem Gehöft spielte sich obige Geschichte ab.

Hierzu ist noch zu bemerken, dass wir jede Nacht eine gute Viertelstunde einen schmalen Fusspfad durch den Wald hinauf zu unserem Ferienhaus hochkraxeln und dabei auch an einem im Wald stehenden, von Bären gern aufgesuchten Apfelbaum vorbei gehen mussten. Doch wir hatten überhaupt kein ungutes Gefühl dabei, seit uns klar war, wie enorm menschenscheu die europäischen Bären sind.

Am nächsten Tag waren wir beim Professor zum Mittagessen eingeladen. Als wir die Hälfte des Fleisches aufgegessen hatten, erfuhren wir, dass die Hamburger aus einer Mischung aus Rind- und Bärenfleisch bestanden. Uns schnürte sich der Magen zusammen, doch assen wir unsere Teller brav aus. Die Gastgeber wollten uns damit wohl eine Freude machen, weil wir immer noch keinen Bären gesehen hatten. Wir erfuhren, dass Bärenfleisch sehr teuer sei und man es nur über Beziehungen erstehen könne. Das meiste Bärenfleisch werde in Feinkostrestaurants nach Frankreich und in andere westeuropäische Länder exportiert.

Nachdem wir uns am Abend vom Professor und seinen Begleitern verabschiedet hatten, fuhren wir wieder zum Jagdverwalter des privaten Jagdreviers. Auf dem Weg zum Hochsitz machten wir noch einen kleinen Abstecher zu einem Köhler.

 

Der Berufsjäger und Jagdverwalter István Fancsali macht einen Hofknicks auf einem Kohlenmeiler.

Wir erfuhren vom Jagdverwalter, dass er am Morgen um acht Uhr eine Bärenmutter mit Jungen in der Nähe des Hochsitzes gesehen habe und er zeigte uns auch deren Spuren.

 

 

Bärenspuren ...............

Leise schlichen wir zum Hochsitz und warteten geduldig. Und dann trat tatsächlich ein dunkler Braunbär auf die Lichtung, ein acht- bis neunjähriges, etwa 180 Kilogramm schweres Männchen, wie uns nachher der Jäger erklärte. Natürlich hätten wir am liebsten gleich zur Kamera gegriffen, zumal es auch noch genügend hell war. Doch wir getrauten uns nicht, da uns der Professor am Vorabend gesagt hatte, die Bären könnten selbst beim Klicken einer Kamera die Flucht ergreifen. Also warteten wir erst einmal ab.

Der Bär inspizierte sorgfältig die Lichtung und verschwand nach einigen Minuten plötzlich wieder, ohne etwas gefressen zu haben. Kurz darauf wurde uns klar, wo der Grund lag, nachdem lautes menschliches Gejohle von der Waldstrasse weiter unten zu uns hoch drang. Als es so dunkel war, dass wir auch mit den Ferngläsern kaum mehr etwas erkennen konnten, machten wir uns auf den Heimweg. Im Auto fragten wir den Jäger, ob es wohl auch möglich wäre, die Bären zu filmen oder ob die Kamerageräusche die scheuen Tiere vertreiben würden. Er sagte, das sei kein Problem. Er habe sich gewundert, dass wir nicht gefilmt hätten. Schade, das wir diese Gelegenheit ungenutzt liessen. Nach kurzer Fahrt stoppte der Jäger plötzlich den Wagen und deutete auf das Gebüsch am Strassenrand. Es war kaum zu Glauben. Da sass im Scheinwerferlicht eine …. Wildkatze!!! Uns hüpfte das Herz vor Freude, erst ein Bär und jetzt auch noch eine Wildkatze. Selbst unser Berufsjäger bekommt im Jahr nur vier oder fünf Mal ein solches Geschöpf zu Gesicht.

Bis zu unserer Abreise verbrachten wir nun jeden Abend mit dem Jagdverwalter auf dem Hochsitz und konnten mit Ausnahme des letzten Abends auch immer Bären beobachten. Einmal tauchte sogar eine Bärenmutter mit ihrem etwa neun Monate alten Kind auf. Während die Mutter sich den Bauch voll schlug, tollte das Bärenkind umher. Leider suchten die Bären fortan die Lichtung immer erst nach Einbruch der Dämmerung auf, so dass wir schlussendlich keine Aufnahmen von ihnen machen konnten und hier lediglich ein Bild eines Petzen auf dieser Lichtung zeigen können, das vom Jäger István Fancsali gemacht wurde.

 

Braunbär im Harghita-Gebirge, Rumänien.
© Mit freundlicher Erlaubnis von István Fancsali.

Einmal sind sogar vier Wölfe zur Lichtung gekommen, allerdings erst, nachdem wir gegangen waren, wie uns die Spuren am nächsten Tag verrieten. Der Berufsjäger sagte, die Wölfe wären etwa um zehn Uhr nachts dort gewesen. Wir staunten nicht schlecht, sowohl er als auch der Biologieprofessor können solche Dinge aus den Spuren lesen. Sie erkennen auch Spuren in niedrigem Gras usw. Wir dachten bis dahin immer, das gäbe es nur in Wildwestfilmen!!!

 

Wolfspuren
Spurenlesen:
Der Westeuropäer sieht: Suzuki Ignis 1.3 Allrad 5türig
Der Rumäne sieht: Zwei Wölfe, einer kleiner als der andere, vor 20 Stunden hier durchgegangen

Während wir jeweils auf dem Hochsitz waren, konnten wir immer auch das Familienleben der Siebenschläferfamilie akustisch mitverfolgen und einmal guckte sogar ein ganz vorwitziger Kerl durch ein selbstgenagtes Loch zu uns herein, um zu schauen, was wir hier so treiben.

Schliesslich war der Tag der Abreise gekommen und wir mussten schauen, dass wir wieder halbwegs "zivilisationstauglich" ausschauten.

 

Haarwäsche mit Tonerdeshampoo, gut für Haare und Umwelt (insbesondere, wenn das Spülwasser anschliessend einfach in den Boden versickert).

Auf der Rückreise hatten wir uns in Brasov nochmals vergebens nach Müllbären umgesehen und fanden so natürlich morgens um drei kein vernünftiges Zimmer mehr, weshalb wir eine Suit bezogen, was uns fast in einen Kulturschock versetzte.

 

Goldrändchen überall .................

Obwohl es uns nicht gelungen ist, mit eigenen Bärenaufnahmen heimzukehren, sind wir dennoch mehr als zufrieden mit unserer "Ausbeute", denn wir hatten eigentlich nicht wirklich daran geglaubt, Meister Petz zu Gesicht zu bekommen, zumal wir wussten, dass der Frühling mit Abstand die beste Jahreszeit für Bärenbeobachtungen in Rumänien ist. Dann verlassen die Bären auch die Wälder, um auf den saftigen Wiesen zu grasen und die Chancen stehen nicht schlecht, sogar eine Mutter beim Säugen ihres Nachwuchses zu beobachten.


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