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Durch die Maramures im August 2002

Ein Reisebericht von Moritz Heintze


06.08.2002

Ankunft früh morgens in Viseu de Sus. An der Abfahrtstelle der Holzbahn herrscht Hochbetrieb, der Zug steht abfahrtbereit. Diesellock, Gepäckwagen, ein geschlossener und zwei offene Personenwagen (Bild). Wir kriegen noch Platz im geschlossenen Wagen, die offenen sind für Reisegruppen reserviert. Dann erst mal warten, allmählich erfahren wir was los ist. Es stellt sich heraus dass heute ein Feiertag ist, deshalb fährt nur dieser eine Zug und im Holz wird nicht gearbeitet. Es kommen noch mehr Reisegruppen, schließlich rangieren Lock und Packwagen in das Depot zurück um einen weiteren Personenwagen zu holen und endlich kann es losgehen. Der erste außerplanmäßige Halt: Nachts waren die Gleise überschwemmt und müssen erst mal ausgegraben werden (Bild). Jedenfalls scheint die Sonne und der Plan, sich auf der Fahrt durchs Wassertal von der anstrengenden Anreise über Nacht von Bukarest zu erholen geht auf. Mal im Packwagen (Raucherabteil), mal auf einer Lore die unterwegs angehängt wurde ist die Fahrt auch recht spannend und abwechslungsreich (Bild). Wegen des hohen Andrangs können wir allerdings nicht am Endbahnhof übernachten, müssen also zurück nach Faina, wo sich ein Zimmer findet. Am Abend, der Zug ist schon längst nach Viseu zurück, richten sich einige Anwohner schnell noch ein Taxi ins Tal (Bild): Kinder schieben eine Lore aufs Hauptgleis, Erwachsene bringen Decken für bequemeres Sitzen und es geht talwärts, nur mit einer Kurbel um die Fahrt zu bremsen.

07.08.2002

Am nächsten Morgen beschließen wir talab zu laufen. Der Fahrplan ist einfach: Vormittags geht es bergauf, nachmittags geht es bergab. Telefonleitungen und Signale gibt es nicht. Netz auch nicht. Auf dem Weg kommen uns auch 2 Züge (Bild), diesmal mit Dampf und Holzwagen sowie einige Motordraisinen (Bild) entgegen. Eine eilige Draisine, die einen Kranken nach Viseu bringt, wird mit Sprechfunkgeräten von Station zu Station gelotst. Gegen zwei Uhr, wir haben etwa die Hälfte geschafft, halten wir ausgiebig Rast auf eine lichten Aue, und wie gerufen kommt der erste Zug in Richtung Tal. Kurz vor Viseu dann noch mal Wasser aus einem Teich übernehmen (Bild). Dann noch einiges Rangieren um die Holzwagen abzuliefern und wir sind wieder am Bahnhof. Wie erhofft kriegen wir auch noch einen Bus nach Viseu de Jos und einen Zug ins Iza-Tal (Bild). Übernachtung in Sacel, Eine sehr einfache Unterkunft aber mit wunderbarem Mamaliga inbegriffen.

08.08.2002

Wir wandern zur Iza-Quelle, die als recht kräftiger Bach aus dem Fels kommt, vorbei an wunderbaren Holz-Gehöften (Bild). Es wird gerade im Heu gearbeitet. (Bild) Die Höhle die dort sein soll finden wir zwar nicht, obwohl die Leute die uns (mit eimerweise Steinpilzen) entgegenkommen sie offensichtlich kennen. Nach Auskunft von ein paar jungen Wanderern die eine richtige Wanderkarte haben (das Fehlen von Karten ist hier in der Tat ein Hindernis beim Wandern) wäre es auch recht weit gewesen und die Höhlen sei nur mit Ausrüstung zugänglich. Also zurück und mit dem Bus nach Botiza (Bild). Nun, man gewöhnt sich zwar auch an das Straßenbild in Maramures mit den Pferdewagen, aber Botiza, ohne Durchgangsverkehr, erscheint doch wie eine andere Welt. Fuhrwerke mit riesigen Baumstämmen (Bild), die Hufe rutschen durch beim anfahren und jede Menge junge Leute kommen mit Sense von der Arbeit zurück. Der Mann der scheinbar ein großes Bündel Laub vor uns herträgt ist, wie mir später gesagt wurde, ein Regenmacher (Bild). Abends bei unseren Gastgebern eine Grillpfanne „Pflugschar“ und den guten tuika.

09.08.2002

Mit ortskundiger Begleitung geht es zu den Sehenswürdigkeiten von Botiza, die Mineralquellen, in hohlen Baumstämmen gefaßt (Bild), dann das Mineralbad und eine neuen Holzkirche, die gerade innen ausgemalt wird. Klatsch am Rande: In der Nachbargemeinde war man irgendwie über Botiza sauer und prompt wurde Benzin in die Mineralquellen gekippt. Eine ist inzwischen wieder sauber, wo die zweite war, schimmert im Schlamm der Regenbogen. Dann mit dem Arbeiterbus nach Botiza zurück, für Stimmung unterwegs ist gesorgt (Bild). Von Botiza auf einem Holzlaster nach Bogdan Voda, mit dem Bus nach Vadu Izei und dann im Krankenwagen als Anhalter(!) nach Sighet. Dort gibt es keine Privatunterkünfte, es wird ein leider etwas heruntergekommenes Hotel.

10.08.2002

Es geht weiter im Bus nach Sapânta. Überhaupt sind die Busfahrten vor allem wegen der Leute interessant. Es gibt hier viele mit einer besonderen blonden Haarfarbe (irgendwie ein kräftiger dunkelgelber Schimmer) und die Kleidung ist oft mit Trachten gemischt. Mit der Maramures-typischen Volksmusik wird man auch unweigerlich bekannt gemacht. Diese ist völlig anders als der sonst in Rumänien allgegenwärtige „Zigeuner-Rap“. Dort angekommen folgen wir erst einem Wegweiser „manastire“. Der Weg führt an einem Bach entlang zwischen Gehöften in Richtung ukrainische Grenze.

Bald kommen wir zu einem Park, und, etwas überraschend einer Baustelle. Hier wird gerade eine Holzkirche gebaut (Bild). Wie wir erfahren sind es 5 Leute die seit 4 Jahren dabei sind. Sie hatten vorher ein neues Kloster in Barsana gebaut und nun entsteht hier die höchste Holzkirche Europas mit 75 m. Das Schiff ist fertig, die Balken werden einzeln mit Flaschenzügen auf den Turm geschafft und mit Eisenklammern befestigt (Bild). Die werden in einer Schmiede vor Ort hergestellt (Bild). Schwindelfreie dürfen auf die Turmbaustelle (Wo gibt es so was hier?). Vom Turm ein weiter Rundblick in das Tisa-Tal und die Ukraine.

Wieder heil unten angekommen gehen wir natürlich zu der bekannten Sehenswürdigkeit von Sapânta, dem Friedhof (Bild). Dort treffen wir zum ersten mal seit der Wassertalbahn wieder auf Reisend aus allen möglichen Ländern. Der eigentliche Reiz ist aber das Entziffern der Inschriften. Die meisten berichten von einem arbeitsreichen Leben auf dem Lande, aber auch dies (Bild): ...als ich in der Welt lebte / habe ich mich viel geplagt / die Sache ist mir nicht geglückt / als ich Schulkind war / haben sie mich rausgeworfen / dass ich ein Kind Reicher war / war für die Kommunisten nicht gut / ich wurde verfolgt / von den Kommunisten im Dorf / Prozesse haben sie mir gemacht / bis sie mich verurteilten / ohne Schuld.

Am Nachmittag geht es dann zurück nach Sighet. Dort ist bis zum Bus nach Borsa etwas Zeit und wir können die Gedenkstätte des Staatsgefängnis besichtigen (Bild). Es gibt einem schon zu denken auf, wie die bürgerliche Führung Rumäniens nach ´45 dort eingelocht und mangels tatsächlicher Schuld so behandelt wurde dass sich in vielen Fällen nach einigen Jahren eine rechtskräftige Verurteilung erübrigte. Am Abende dann im Bus weiter nach Borsa Complex. Dort befindet sich neben einigen Hotelbauten in unterschiedlichem Zustand und Art der Nutzung ein nettes Bergdorf, und eine ordentliche Privatunterkunft ist schnell gefunden (Bild).

11.08.2002

Ein Grund für die Rückkehr in östliche Richtung war gewesen, dass auf dem Prislop-Pass ein Volksmusikfest stattfinden soll. Am nächsten Morgen herrscht tatsächlich auf der Passstrasse an enormer Verkehr, ein Minibus bringt uns schließlich nach Prislop. Oben hunderte von Menschen, Stände die alles mögliche anbieten: Spielzeug, Andenken, Kleider, Musik, Imbiss..., alles in allem eine sehr quirlige Stimmung. Trachten und Musik sind vielfältig, auch für einen Fremden wird schnell klar, was aus Maramures und was aus anderen Regionen stammt. Nach dem Applaus zu urteilen treten auch bekannte Künstler auf und noch nie habe ich eine so eigenwillige Art Gitarre zu spielen gesehen wie dort, irgendwie unter den Arm geklemmt (Bild).

12.08.2002

Wir wollen wir mit dem Sessellift in die Berge. Das gibt zunächst eine Zitterpartie, denn der Lift startet erst wenn 10 Interessenten da sind, und einige Wanderer kommen und ziehen enttäuscht wider ab. Schließlich klappt es doch, das Wetter spielt auch mit und es geht in die Berge. Obern erwarten uns nicht nur gut bezeichnete Wanderwege (schade das mit den Karten!) ein weiter Rundblick auf die Karpaten bei guter Fernsicht sondern wir gelangen auch zu zwei richtigen stana vor denen der Käse zum Trocknen hängt (Bild). Mit etwas Glück und Fragen findet sich dann auch der Weg zum Wasserfall und ins Tal zurück. Ein kurzer aber lohnender Einblick in die Bergwelt.

13.08.2002

Der nächste Tag lässt sich nicht so gut an, eigentlich wollten wir in Richtung Pasul Gutai und zu dem blauen See bei Baia Sprie. Wegen Dauerregens fällt die Aussicht auf die Bergwelt ins Wasser, und wir beschließen nach Baia Mare weiterzufahren (Bild). Dort wollten wir eigentlich nach Süden und dann weiter nach Osten in Richtung Cheile Bicazului und Piatra Neamt, aber man bekommt doch nicht immer die richtige Auskunft, auch nicht bei Bus und Bahn, und so verlassen wir Maramures in Richtung Cluj. Das ist aber eine andere Geschichte und Cluj ist für sich eine Reise wert.

 

Moritz Heintze moritz5uh@yahoo.de


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