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Ein Siebenbürger Sachse

Von: Klaus Danielis klaus.danielis@gmx.de


Ehrenamtlich in Göppingen

Vorwort.

Dieser Beitrag möchte das, was für eine Kreisgliederung unserer Gemeinschaft wichtig war festhalten. Er soll keine "Dokumentation" sein, sondern die Niederschrift von Erinnerungen, wobei Objektivität geboten ist und angestrebt wird, die Subjektivität dessen was empfunden wurde aber nicht ausgeschlossen werden kann.

In chronologischer Folge wird Erfahrenes und Erlebtes geschildert, in der Hoffnung, daß dieser Beitrag vielen Jungen Menschen Mut zur ehrenamtlichen Tätigkeiten macht. Sie sollen sich der Tatsache bewußt werden, das Ehrenamt nicht nur Dienen und Geben bedeutet sondern auch Empfangen, Lernen, den Horizont erweitern und vieles andere mehr. Zwangsläufig kommen viele Begegnungen und Gespräche zustande und immer ist es für den Ehrenamtlichen eine Bereicherung.

 

Geographisches und historisches Umfeld

Der Wirkungskreis unserer Kreisgliederung ist deckungsgleich mit dem Landkreis Göppingen. Dieser erstreckt sich von den Höhen des Schurwaldes bis zur Albhochfläche und umfaßt eine Gesamtfläche von 641 qkm. In 38 Kommunen, davon 8 Städte, leben rund 240.000 Menschen, ungefähr 6000 davon sind Siebenbürger Sachsen (SbS). - das bedeutet immerhin 2,5 %.

Das Verwaltungsgebiet gehört naturräumlich zur Schwäbischen Alb. Diese herb-schöne und stille Landschaft ist geprägt von Buchenwäldern, weiten Wiesenfluren, Trockentälern, Wachholderheiden und romantischen Talschluchten mit bizarren Felsgebilden. Der Gegensatz zwischen der rauhen Alb und dem lieblichen Albvorland zeigt sich im unterschiedlichen Klima. Relief und Klima können ohne weiteres, mit dem aus Siebenbürgen verglichen werden - vor allem in Geislingen an der Steige wird der aufmerksame Beobachter an Kronstadt erinnert. Auch dort konnte das Klima von Baasen nicht mit dem aus Brendorf verglichen werden, ebenso hier, während in Uhingen die Osterglocken blühen herrscht in Wiesensteig oder Böhmenkirch noch tiefster Winter. Ein erster Vergleich zwischen Alb und Karpaten läßt Nostalgie aufkommen. Je mehr man sich aber mit der Alb vertraut macht und geologische Betrachtungen einbezieht, diese ist nämlich gut viermal so alt - 250.000.000 Jahre - als die Karpaten, um so mehr wird sie geschätzt und geliebt. Es werden berechtigte Vergleiche auch mit dem Allgäu gezogen.

Die Fils - ein Nebenfluß des Neckars - hat dieses Relief geformt, durchquert den gesamten Landkreis und ist seine Hauptlebensader. Zahlreiche Mineralwasser-quellen entspringen dieser Erde. Zu Heilzwecken werden sie in drei bekannten Bädern genutzt: Bad Boll, Bad Überkingen und Bad Ditzenbach. Mineralwasser bester Qualität kann an sehr vielen Brunnen getrunken oder kostenlos abgefüllt werden.

Rund 60 mittelalterliche Burgen befinden sich hier - auch da eine Parallele zu Siebenbürgen., überall trifft man Spuren der Staufer, jenes bedeutenden Herrschergeschlechtes, das im 12. und 13. Jahrhundert, nachhaltig die Geschichte Europas bestimmte. Es ist dieses gerade die Zeitspanne, in der unsere Vorfahren aus Westeuropa in den Karpatenbogen zogen.

Die Haupteisenbahnstrecke Paris-Stuttgart-Wien-Budapest-Bukarest-Sofia, auf welcher, der legendäre "Orientexpres" verkehrte und heute noch fährt, durchquert nicht nur das Filstal sondern auch Siebenbürgen. Die A 8 und die B 10 führen von West nach Ost und die B 297 und B 466 stellen die wichtigsten Nord-Südverbindungen.

In der Arbeitslosenstatistik konnte Göppingen im Musterländle (Baden-Württemberg) immer gemäßigte bis gute Quoten vorweisen, davon haben auch die Siebenbürger Sachsen profitiert.

 

Stauferland, neue Heimat für SbS.

Ob auch vor dem zweiten Weltkrieg schon SbS. hier gelebt haben, entzieht sich meines Wissens. Spätestens seither sind sie hier vertreten und waren für uns die dann später dazu gekommen sind - daher auch Spätaussiedler - eine wichtige Stütze, sie gaben uns Orientierung und Mut zum Neuanfang.

Im Zuge der Familienzusammenführung wuchs ihre Anzahl allmählich und umfaßte 1981 rund 1500 Menschen. Es war dieses das Jahr der Gründung einer organisierten Kreisgliederung. Es soll aber nicht zu der Annahme führen vorher sei nichts "siebenbürgisches" getan worden. Unsere Landsleute schlossen sich den Gruppen aus Stuttgart, Ulm und vor allem der aus Nürtingen an und beteiligten sich an deren Veranstaltungen. Aus der Zeit besteht in Ebersbach noch immer ein Siebenbürgischer eingetragener Verein. Aktiv war und ist bis heute noch unsere Frauengruppe. Über beide Einrichtungen (Verein und Frauengruppe), kann von den Eheleuten Wegner noch ausführlich berichtet werden.

Aus dieser Frauengruppe - sie bestand aus unsern Müttern - entstand im November 1981 die Kreisgruppe (KGr.) (von meiner leiblichen Mutter wurde ich gleich nach der Ankunft in Göppingen veranlaßt Mitglied dieser Gemeinschaft zu werden und mich auch zu engagieren). Die Frauengruppe ist damit sowohl im direkten als auch im übertragenen Sinne die "Mutter" dieser Kreisgliederung. Die, der Bedeutung ihres Handelns sehr bewußten Damen, waren und sind bis heute eine wichtige Stütze des Vorstandes. Besondere Verdienste für diese eigentliche Basisgliederung haben sich im laufe der Zeit erworben: Erna Keller; Friederike Capesius, Ada Kaunz und Ingeborg Wegner, die vielen andern treuen Seelen mögen mir nicht böse sein, denn alle zu nennen würde diesen Rahmen sprengen.

 

Gründung der KGr. und erste Amtszeit 1981 - 1984.

Nach einigen Besuchen in Nürtingen, der Teilnahme an dortigen Veranstaltungen und Vorgesprächen mit einigen Interessierten stand der Entschluß fest, eine den in anderen Landkreisen entsprechende organisatorische Struktur ins Leben zu rufen.

Konkreten Beistand im Vorfeld der Gründungsversammlung vom 21.11.1981 bekamen wir von Helmut Phleps aus Nürtingen. Er und nicht die Landesgruppe, die von Amtswegen dazu da ist, hatte die Nöte der hier lebenden SbS. verstanden und auch deren Bestrebungen für die Eigenständigkeit begriffen. Er besorgte von der Landesgeschätstelle die Mitgliederlisten und leistete in Gesprächen die eigentliche Vorarbeit. Bei der Eröffnungsfeier waren dann zugegen: Hans-Wolfram Theil, damaliger Landesvorsitzender, Richard Löw und Erna Zerelles. Meine wichtigsten Stützen aus der Gründerzeit waren Georg Weber - 1997 verstorben - der seit dem Krieg in Göppingen lebte und Hans Martini, damals noch junger Student aber engagierter Jugend- und Aussiedlerbetreuer, der mit sehr viel Begeisterung bei der Sache war.

Eine unserer ersten Erkenntnisse war die, daß uns ein Vereinsheim fehlte und noch im ablaufenden Jahr 1981 brachte Hans Martini, der die Sekretärin des Oberbürgermeisters Hans Haller von Göppingen kannte, ein Schreiben an die Verwaltung, in dem dieser Bedarf angemeldet wurde. Haller, wir werden später noch auf ihn zurückkommen, reagierte darauf so: "Warum kommen diese erst jetzt?" Für ihn war die Vertreibung eine längst abgeschlossene Sache.

Um im Bewußtsein der Göppinger Bürgerschaft präsent zu sein und zu bleiben, bewarben wir uns um ein Beteiligungsrecht am Umzug der "Göppinger Maientage", eine traditionelle Veranstaltung zum Gedenken an das Ende des "Dreißigjährigen Krieges". Dieses ist uns durch die Bemühungen von Hans Mai, damals stellvertretender Kreisvorsitzender gelungen und wir sind Jahr für Jahr mit einer Trachtengruppe dabei, die mit viel Applaus von den Spalier stehenden Menschen, am Straßenrand belohnt wird.

Natürlich gibt es auch Banater Schwaben in Göppingen. Sie sind zahlenmäßig weniger vertreten als wir, haben aber einen größeren Bekanntheitsgrad. Dies liegt zum einen daran, daß sie "Schwaben" sind und zum anderen, weil hier in der Stadthalle Göppingen jedes Jahr der Schwabenball stattfindet. Zu dieser Veranstaltung der Banater Landesgruppe kommen Landespolitiker bis hin zu Prominenz aus Bonn (Berlin) und Bukarest. Daher ist dieses Ereignis von großer Bedeutung für die Kommunalpolitiker und den Kreistag. Bei dieser Veranstaltung findet auch eine Landestrachtenschau statt. Einmal konnten wir dort auch mit einer Trachtengruppe auftreten. Personeller Wechsel im Kreisgruppenvorstand der Banater hat dieses dann aber nicht mehr möglich werden lassen. Alle weiteren Bemühungen, das Verhältnis zu verbessern, sind bis in die Gegenwart gescheitert. Wiederholte Versuche, mit dem BdV vor Ort zu kooperieren waren auch erfolglos.

In den ersten drei Jahren waren wir bemüht, alle hier lebenden SbS. zu erfassen und mit allen in Verbindung zu stehen. Es war dieses eine sehr mühselige Arbeit und mit stetigem Anstieg ihrer Bestände mußten wir davon Abstand nehmen - es war einfach nicht zu bewältigen. Daß die Tätigkeit aber wichtig war, ist daran zu sehen, daß immer wieder Landsleute auftauchen, die seit vielen Jahren hier leben und dann nur durch irgendeinen komischen Zufall zu uns stoßen. Warum das so ist, kann nur schwer ergründet werden - wohl könnte die negative Propaganda gegen diese Art von Gemeinschaften, wie sie in den Herkunftsländern betrieben und zum Teil - in Polen und Tschechien - noch heute betrieben wird, Schuld daran sein. Kann man diesen Tatbestand als Manko der Gemeinschaft und ihrer organisatorischen Strukturen definieren? Es gibt viele Landsleute, die wir nicht erreichen, aber auch solche die sich selber ausschließen - schade.

Die Jahresbeiträge wurden damals, zum Teil direkt von der Landesgruppe kassiert - vor allem von Mitgliedern die in Landkreisen lebten in denen es keine KGr. gab. Daneben gab es die "Selbstkassiernden" KGr. Für diese Mühe wurden sie belohnt indem sie von den abgelieferten Beiträgen 20 % zurück überwiesen bekamen, im Vergleich zu den nicht Selbstkassiernenden, denen nur 15 % zum Eigengebrauch überlassen wurden. Dieser materielle Anreiz und die Bedeutung des Prinzips der Selbstverwaltung, nach dem jeder nur das nach oben delegieren soll, was er an der Basis nicht bewältigen kann, veranlaßten den Kreisgruppenvorstand, selbstkassierender Kreis zu werden. Mitte 1982 wurde ich zusammen mit Ernst Hedrich beim damaligen Landeskassenwart Richard Löw vorstellig und konnte mir dessen ablehnende Haltung nicht recht erklären. Letztendlich hatte er die bittere Pille geschluckt. Im Laufe der Zeit ist es ihm dann doch geglückt, alle Selbstkassierer zu konvertieren. Geholfen hat ihm treu und tapfer dabei Kurt Wagner, welcher, nachdem Löw Landesvorsitzender geworden war, selbst das Landeskassenamt besetzte und getreu derselben Philosophie für Zucht und Ordnung sorgte.

In der SbZ werden immer wieder die Kontonummern der kassierenden Stellen veröffentlicht und in allen Bundesländern sind die Kreisgruppen aufgelistet, für Baden-Württemberg gibt es nur eine Kontonummer, die der Landesgruppe. Dieses ist ein brutaler Eingriff in die Kompetenzen der Kreisgruppen, zumal deren Aufgabenbereich immer mehr dem der Landesgruppe vor einem Jahrzehnt gleicht und es logisch gewesen wäre den umgekehrten Weg zu gehen, die Kompetenzen der Kreise zu stärken und sie schön langsam in die Rolle eines Kreisverbandes hineinwachsen zu lassen, der die aktiven Gruppen bündelt und deren Arbeit unterstützt. Der Computer hatte seinen Siegeszug noch nicht angetreten und aus München, wo ja unser Verein beim Vereinsregister eingetragen ist und wo die Mitgliederevidenz geführt wird, bekamen wir über die Landesgeschäftsstelle gelbe Kärtchen die uns die Neubeitritte, Ortswechsel oder den Ausschluß bekannt machten. Darauf gab es dann z.B. den lapidaren Vermerk "streichen laut München". Worauf ich mir immer die Fragen stellte: Sind wir nun eine Basisgliederung oder sind wir es nicht? Wer, wenn nicht die Basis hat zu entscheiden ob ein Mitglied aufgenommen wird oder nicht? Und wie kann München entscheiden, wer auszuschließen ist? Anomalien, die leider auch heute noch für richtig befunden werden, obwohl die gelben Kärtchen verschwunden sind und uns der Drucker ganze Listen aller Mitglieder des Kreises ausspuckt.

In die erste Amtszeit fiel auch der für mich erste Verbandstag von 1983 in Großsachsenheim. Wilhelm Bruckner kandidierte damals nicht mehr als Bundesvorsitzender und ihm folgte Wolfgang Bonfert.

Jahr für Jahr waren wir bemüht einen Terminkalender auszuarbeiten, ohne die Menschen zu überfordern; das Prinzip der "festen Termine", hat sich im Laufe der Zeit bestätigt, danach werden, so gut es geht, gleichbedeutende und gleichbenannte Veranstaltungen in den folgenden Jahren an gleiche Termin gesetzt und durchgeführt. Das führt dazu, daß die Leute sich die Termine besser merken können und es zur Selbstverständlichkeit wird, z.B. am letzten Sonntag im Juni einen Gottesdienst mit Sb. Liturgie zu feiern.

Die erste Amtszeit endete im November 84. Es war zu bedauern, daß sich einige treue Helfer nicht weiter zur Verfügung stellten. Es fanden sich neue, die diese Arbeit gerne und mit Begeisterung zu tun bereit waren. Zu nennen ist da das Ehepaar Brigitte und Michael Konnerth - er wurde stellvertretender Kreisvorsitzender und sie Schriftführerin, ein Amt das sie auch heute noch innehat. Ihr Einsatz war und ist segensreich für die KGr., sein Wirkungsgrad hat sich erweitert, aufs Land B-W. und in andere Sb.gische Gemeinschaften hinein.

Für die Mitgliederversammlung mit Wahlen, im November 1984 hatten wir, entsprechend der Verfahrensordnung der Verbandstage, detaillierte Tagungsunterlagen vorbereitet und jedem Mitglied zusammen mit der Einladung, termingerecht, spätestens 14 Tage vor der Mitgliederversammlung zukommen lassen. Diese Unterlagen umfaßten die Tagesordnung, den Rechenschaftsbericht des Vorsitzenden und der Referatsinhaber, den Kassenbericht und den Bericht der Kassenprüfer. Damit werden die Teilnehmer vom langweiligen ablesen verschont und es kann direkt mit den Diskussionen begonnen werden. Auf diese Art wurde bis einschließlich 1993 verfahren als ich dann nicht mehr für den Vorsitz kandidierte.

Ein außergewöhnliches Ereignis, aus dieser Zeit war die Großkundgebung, vom 4.12.1982 vor dem Kölner Dom. Nach einem von Ceausescu dekretierten Gesetz, mußte jeder, der aussiedeln wollte, seiner Ausbildung entsprechend zahlen und zwar in harten, westlichen Devisen, Währungen die kein rumänischer Staatsbürger besitzen durfte. Dies war, kurze Zeit nach der Vereinbarung mit Bundeskanzler Helmut Schmidt im Januar 1978 bezüglich der wohlwollenden Behandlung der Familienzusammenführungspraxis, ein herber Schlag. Für jene die schon hier waren, weil sie die Devisen aufbringen mußten und eine bittere Enttäuschung für alle, die aussiedeln wollten und nun ihre Chancen dahinschwinden sahen. Ob nun die Demo, oder das geschickte Taktieren von Hans - Dietrich Genscher, dem langjährigen deutschen Außenminister, dem wir eine ganze Menge zu verdanken haben - aber nicht nur wir, die dramatischen Ereignisse von Prag und Budapest vom Herbst 1989 waren sicher die Höhepunkte, kurz vor dem Fall des eisernen Vorhangs - zur Aussetzung dieses Dekretes geführt hat, war dann auch nicht weiter wichtig.

Aus der ganzen Bundesrepublik kamen die SbS. nach Köln, versammelten sich vor dem Dom - es waren angeblich 12 - 15.000 Menschen - und lauschten der sehr gut formulierten Rede von Hans Bergel.

Mit dieser Thematik, aber auch mit den Aussiedlerproblemen im Allgemeinen wollten wir auch die Landtagsabgeordneten und Bundestagsabgeordneten dieses Landkreises konfrontieren. Bei einem stießen wir auf offene Ohren und vor allem auf den Willen, auch etwas für uns zu tun; es war Heinz Rapp, vor seiner politischen Kariere leitender Bankfachmann in Stuttgart, er vertrat die SPD. Unsere Leute verwechseln immer wieder die frühere Sozialdemokratie, die ja nach dem Krieg im freien Westen weiter existieren konnte mit dem "real existierenden Sozialismus", sowjetischer und osteuropäischer Prägung und lehnen darum grundsätzlich alles was die Silben "Sozial" enthalten, entschieden ab. Jedenfalls Heinz Rapp kam einige male zu unsern monatlichen Beratungen, machte sich mit uns und unseren Problemen vertraut. Er lud einige von uns ein nach Bonn - die MdB machen jährlich dreitägige Ausflüge mit ihren Wahlhelfern und andern Mitstreitern aus dem jeweiligen Wahlkreis. Über das normale Programm hinaus ging er mit uns (Johannes Krebs und mir) ins Auswärtige Amt. Genscher war nicht dort, aber es empfing uns sein Staatssekretär von Staden. Es war März 83 und es ging um das Abkaufdekret. Von Staden schickte uns darauf den zuständigen Referatsleiter des AA. nach Göppingen wo wir in der Stadthalle eine Podiumsdiskussion in Sachen Aussiedler und Abkaufdekret organisiert hatten. Hieran beteiligten sich auch die andern Landtags- und Bundestagsabgeordneten, seitens des Bundesvorstandes kam Hans Hartel, stellvertretender Bundesvorsitzender. Unsere Gemeinschaft hatte nicht viele, die mit seiner Sachkenntnis und seinem Mut in der damals so schwierigen Zeit konkurrieren konnten, mir ist keiner begegnet. Von der zentralen Aufnahmestelle Nürnberg war Herr Sturm gekommen. Nachdem die "Herrschaften" unseres Landesvorstandes über unseren Vorstoß gar nicht erfreut waren, kam dann Richard Löwe doch auch dazu. Die Banater Schwaben haben sich auch daran beteiligt und es war eine gelungene Veranstaltung.

Wir sind bis in die Gegenwart der Überzeugung treu geblieben, daß Kontakte zu den Politikern sehr wichtig sind, wir laden sie regelmäßig zu unsern Veranstaltungen ein und konfrontieren sie mit unsern Anliegen. In der Bundesrepublik gibt es 109 Kreisgruppen und 8 Landesgruppen. Wenn in allen Untergliederungen jeweils zwei Bundestagsabgeordnete mit unserer Thematik vertraut gemacht würden, hätten wir schon die Hälfte des Bundestages "auf unserer Seite" bzw. aufgeklärt und viele herbe Schläge der letzten Jahre wären erst gar nicht zustande gekommen.

 

Zweite Amtszeit 1984 - 1987

Es war eine relativ ruhige Zeit in Sachen Familienzusammenführung, dem wichtigste Anliegen unserer Gemeinschaft. Nachdem sich die Wogen mit dem Abkaufdekret geglättet hatten, wurden Jahr für Jahr Aussiedlerzahlen weit über der Vereinbarung von 1978 erzielt, und zwar 15 000 - bis 17 000 pro Jahr.

In der KGr. spulten wir unseren Termenikalder ab, freuten uns an allen, die neu dazu kamen und vor allem an deren Gesichtern wenn sie zum ersten Male zu einem Ball in den geschmückten Saal oder zur Adventfeier kamen. Sorgen bereitete uns schon damals und dieses hat sich bis heute nicht geändert, für den Sb. Gottesdienst einen Sb. Pfarrer zu bekommen. Mit dem evangelischen Dekanat aus Göppingen und dem Kirchengemeinderat der Oberhofenkirche konnten wir vereinbaren, daß in jedem Jahr so ein Gottesdienst gefeiert werden kann. Anschließend wird gemeinsam zu Mittag gegessen und bei Gesang und Kurzweil, vor allem aber bei Gesprächen - Gesprächen - Gesprächen bis in die Abendstunden zusammengesessen. An diesem Programmpunkt wird festgehalten, auch wenn die Suche nach einem Geistlichen immer sehr schwierig ist.

In der Landesgruppe erfolgte der Wechsel von H-W. Theil zu R. Löw, mit einer einjährigen Interimszeit, die Otto Depner als Landesvorsitzender überbrückte. Zweimal im Jahr trafen sich die Kreisgruppenvorsitzenden mit dem geschäftsführenden Vorstand der Landesgruppe. Es waren immer zermürbende, aufreibende Mammutsitzungen von 9 oder 10 Uhr bis 16/17 Uhr. Todmüde und enttäuscht über den Ablauf und geringen Erfolg zogen wir wieder heim. Ich hatte immer den Eindruck, daß es für R. Löw wichtig war, uns zusammenzustauchen, Ordnung und Disziplin und vor allem das leidige Geld standen im Vordergrund. Sehr lästig und über Jahre hinaus debattierten wir über Gruppenversicherungen. Ein oder zwei Geschäftemacher hatten Konjunktur und die Gemeinschaft das Nachsehen. Dazu folgendes Zitat aus einem einschlägigen Bericht: "Wie der Bundesverband der Unfallkassen mitteilte, genießen alle ehrenamtlich Tätigen beitragsfrei denselben gesetzlichen Schutz wie Arbeitnehmer. Notfalls zahlen die Kassen sogar lebenslang Renten". Außer den persönlichen Kontakten, die wir in den Minnipausen knüpfen konnten, war die Effizienz dieser "Landesvorstandssitzungen" sehr gering und das hat sich bis in die Gegenwart nicht geändert.

Der Verbandstag 1986 in Geretsried hat eine entscheidende Wende in unserer Jugendpolitik, sprich Zukunftssicherung herbeigeführt. Es ging um die Jugendarbeit, die stellenweise zum Erliegen gekommen war. Baden-Württemberg konnte zeitweise außer meckern, über die Jugend keine Jugendarbeit nachweisen. An diesem Verbandstag nun, fand ich an dem für Baden-Württemberg reservierten Tischen keinen Platz und begab mich an den Tisch der Jugend. Da saßen neben Harald Roth und Christoph Bonfert (der Sohn des damaligen Bundesvorsitzenden) einige Junge Menschen, die mich sehr beeindruckt hatten; ihre Ernsthaftigkeit und das engagierte Mitmachen waren bewundernswert. Befruchtend war sicher der Umstand, daß der Bundesvorsitzende und sein Sohn an einem Strang zogen. Als Resultat dieser, ausnahmsweise einmal jugendfreundlichen Bemühungen können genannt werden:

Die Jugendarbeit der SJD, der Siebenbürgisch-Sächsischen Jugend Deutschlands, die auf diesem Verbandstag - 1986 - satzungsgemäß als Gliederung unserer Gemeinschaft bestätigt wurde, hat sich wesentlich verbessert und kann heute nach 12 Jahren als Zukunftsgarant angesehen werden;

Die im Oktober 1986 erlassene und vom Bundesvorstand bestätigte Jugendordnung war ebenfalls ein wichtiger und richtiger Schritt;

Als Folge der oben genannten Maßnahmen entstanden weitere wichtige Organe - der Arbeitskreis siebenbürgischer Studenten und Jungakademiker (ASJ, 31.10.1987); - die Siebenbürgische Ferienakademie (dem AKSL nahestehend) und die Siebenbürgischen Jugendseminare (Gemeinschaftliche Einrichtungen der oben genannten, unter Beteiligung des Südostdeutschen Kulturwerkes). Es entstanden somit Kontakte zu bundesweit bekannten und öffentlich geförderten Organisationen. Die Jugendlichen kamen damit aus der Isolation, einer für Einheimische nicht nachvollziehbaren Struktur heraus, wurden von Kollegen und Kommilitonen besser verstanden - letztendlich ein wesentliche Motivationsschub.

Bei den Heimattagen haben die Jugendlichen kontinuierlich wichtige Aufgaben wahrgenommen und prägen Jahr für Jahr das Bild dieser Veranstaltung.

Für diese mutigen Entscheidungen des Bundesvorsitzenden Bonfert, wurde diesem der Jugendpreis 1998 beim diesjährigen Heimattag in der Paulskirche zu Dinkelsbühl verliehen. Leider mißt der aktuelle Bundesvorstand dieser wichtigen Arbeit nicht genügend Bedeutung zu. Dies ist aber nicht nur ein Manko des genannten Gremiums sondern leider eine in breiten Schichten der Gemeinschaft festgesetzte Mentalität, über die Jugend nur zu schimpfen, große Erwartungen an sie zu stellen, ihnen aber kein Vertrauen zu schenken. Die Vorgängergenerationen vergessen immer wieder, daß sie auch einmal jung waren und dass ohne Jugend, Zukunft gar nicht möglich ist. Deutlich hat sich diese Einstellung beim letzten Verbandstag in Drabenderhöhe und auch in unserer LGr., da sehr kraß am 28.2.98, bei der wahlvorbereitenden Vorstandssitzung, gezeigt.

 

Grundsatzprogramm - Leitgedanken

Gerungen wurde in dieser Zeitspanne um die Formulierung neuer Grundsätze unseres siebenbürgisch-sächsischen Lebensverständnisses. Prof. Dr. Hans Mieskes hatte mit einer Arbeitsgruppe den veränderten Lebensbedingungen entsprechende Formulierungen erarbeitet. Diesem Thema widmete sich auch ein sogenannter "kleiner Verbandstag im November 1987" in Königsstein/Taunus. Nach meinem Verständnis waren diese Formulierungen nicht gerade mutig und direkt; vor allem die damals so dringende Frage der Aussiedlung hätte deutlicher im Vordergrund stehen müssen. Ebenfalls unerkennbar waren die Forderungen um Bemühungen für die Sicherung von menschlichen Aufnahmebedingungen und Zukunftssicherungen auch für den letzten Aussiedler. Gerade die Entwicklungen in den letzten Jahren beweisen, wie wichtig solche Thesen gewesen wären, sie hätten vielleicht einige Enttäuschungen und einiges Leid verhindern können.

Ich hatte damals darauf hingewiesen, sowohl beim Bundesvorstand, Prof. Mieskes als auch bei der SbZ, leider ohne Erfolg.

Beim Verbandstag in Ingolstadt, er fand gerade in den Tagen des Mauerfalles statt, wurden dann diese Grundsätze als "Leitgedanken für die Siebenbürger Sachsen" verabschiedet und nachher kaum noch beachtet; es war eben, schon wieder eine neue Zeit, mit neuen Lebensbedingungen eingetreten.

 

Ein Haus der Begegnungen

In Geretsried wurde auch die Schaffung eines Hauses der Begegnungen beschlossen. Zwischen Göppingen und Uhingen, oberhalb der Fils, gab es zu der Zeit als Ruine, ein ehemaliges Renaissanceschloß, unter dem Namen "Filseck" bekannt. Dieser mittelalterliche Komplex gammelte nach einem Brand von 1971 vor sich hin. Die "adligen" Besitzer taten nichts für den Erhalt und der Landkreis hatte Übernahmeabsichten geäußert. Mit zuständigen Vertretern des Landratsamtes, trat ich damals in Verbindung und es wurde uns in Aussicht gestellt, den total zerfallenen Westflügel in eigener Regie und für unsere Bedürfnisse zu renovieren. Ein bekannter Architekt hatte mir dafür Pläne erstellt. Diese hatte ich dem Bundesvorstand und unserm Landesvater Richard Löw zugeschickt. Der zuständige stellvertretende Bundesvorsitzende Dr. von Hochmeister sandte sie mir postwendend zurück und Richard Löw beschied mich ebenfalls negativ. Der Landkreis hat die ganze Anlage gekauft, renoviert und zur Zeit glänzt dieses zentral gelegene Schloß, auf einem Ausläufer der Schwäbischen Alb, mit Aussicht bis weit ins Neckartal hinein, in exemplarischer Pracht, aber ohne uns.

Während meiner Bemühungen um eine Begegnungstätte für unsere Gemeinschaft im ehemalig herrschaftlichen Filseck, nahm ich erneut Gespräche, die ich schon vor Jahren mit dem Landrat zur Unterstützung unserer Kreisgruppe geführt hatte auf, diesmal mit den weniger politisch motivierten, unteren Chargen, den Beamten. Während der Landrat uns wohlwollend und vollmundig die Unterstützung seines Hauses und grenzenloses Verständnis zugesichert hatte (woraus natürlich nichts geworden ist), beschieden mich seine Beamten mit einer pragmatischeren Sichtweise. Von diesen konnte ich erfahren und dieses ist etwas Grundsätzliches: "Die Vereine sind Sache der Kommunen und jedes Landratsamt wird sich hüten da etwas zu ändern und damit Präzedenzfälle schaffen". Damit war meine Überzeugung: "Eine auf dem geographischen Gebiet des Landkreises angesiedelte Organisation, könne sich an die Verwaltung dieses Gebietes anlehnen" - zerstoben. Spätestens seither ist mir klar geworden, daß unsere Kreisgruppen im leeren Raum schweben. Das Landratsamt kann und will sich um eine solche Organisation nicht kümmern, weil es nicht üblich ist und ihm nur unnötige Sorgen und Kopfzerbrechen bereiten würde und die Kommune fragt uns, wenn wir sie um Hilfe bitte: "Wie viele eurer Mitglieder kreisweit leben eigentlich auf dem Territorium unserer Gemeinde?" Die Frage ist auch berechtigt und verständlich, weil jeder Bürgermeister mit seinen Schäfchen genug zu tun hat und sich nicht mit Bürgern anderer Kommunen belasten wird. Daraus folgernd ist festzustellen, daß die Kreisgruppen, so wie wir sie haben, nicht funktionieren können; sie haben im bundesdeutschen Vereinsverständnis "so" keinen Platz. Dass unsere Oberen dieses nicht wahr haben wollen - in einem Bundesstaat, in dem das Vereinsleben schlechthin, wichtiger Bestandteil seiner Kultur ist - bleibt für mich ein Rätsel und schadet unserer Gemeinschaft sehr.

Zwei Übergangswohnheime, in Uhingen und in Jebenhausen boten für die Neuankömmlinge Unterkunft und Startmöglichkeiten für das Leben in der neuen Heimat. Mit zwei Aussiedlerbetreuerinnen, Traute Flechtenmacher und Waltraut Sofican beteiligte sich unsere Gliederung aktiv und bis zum Erliegen dieses Bedarfes, nach dem großen Exodus von 1990 und 1991, an dieser damals für die Menschen so wichtigen Aufgabe.

Bei unsern Mitgliederversammlungen mit Wahlen von 1994 und 1987, betreute uns seitens der Landesgruppe Otto Depner. Dieser bemühte sich und fand passende Worte dazu, siebenbürgisches Selbstverständnis zu definieren, uns Mut zur ehrenamtlichen Tätigkeit zu machen und Verständnis für das neue Umfeld anzuregen.

 

Dritte Amtszeit 1987 - 1990

Der kalte Krieg dauerte weiter an, Nato-Doppelbeschluß und der von Ronald Reagan erfundene "Krieg der Sterne" zeigten Wirkung; die Rüstungsspirale spitzte sich zu und das Leid der Menschen jenseits des eisernen Vorhangs wurde immer unerträglicher. Zum Ende des Jahres 89 ist es dann diesen gepeinigten Menschen gelungen, sich durch weitgehendst unblutige Umstürze von der sozialistisch/kommunistischen Diktatur zu befreien.

Für uns in Göppingen war dieses, nach stetig zunehmendem, siebenbürgischem Bevölkerungsanteil, der letzte Endspurt, der sich 1991 noch abrunden sollte. Die KGr. war organisatorisch gefestigt und konnte den Ansprüchen gerecht werden. Es konnte vielen Menschen geholfen werden - in verschiedenster Weise. Außer den Betreuerinnen halfen sicher alle Verwandten, Freunde und Bekannten bei der Umstellung und Eingewöhnung in völlig neue Lebensverhältnisse. Zu mir kamen sehr viele Landsleute und ich war froh ihnen die Urkunden übersetzen zu können, ihnen Antragsformulare auszufüllen oder auch leidige Widersprüche zu formulieren. Im Laufe der Jahre sind sicher einige Tausend solcher Papiere entstanden - selbstverständlich alles unentgeltlich.

Auch das Landratsamt, als zuständige Behörde bei der Bewältigung des Aussiedleransturms beanspruchte unsere Hilfe - die Zusammenarbeit verlief gut.

Der Bedarf für ein Vereinsheim wuchs und die Bemühungen dafür gingen weiter, auch wenn in dieser Sache Skepsis, bis hin zu Anfeindungen, aus den eigenen Reihen manifest wurden. Sogar meine alte Mutter wurde von anonymen und recht brutalen Anrufern belästigt.

Durch das Eingreifen des Landtagsabgeordneten der CDU, Dieter Rempel, stellte uns die Fraktion dieser Partei im Stadtrat Göppingen, vertreten durch ihren Vorsitzenden Wolfgang Aupperle ihren Fraktionsraum zur Verfügung und wir konnten uns zu verschiedenen Anlässen dort treffen.

In Göppingen entstand eine Außenstelle der Fachhochschule für Technik von Esslingen, ich bekam dort eine Anstellung und dem Verständnis von Rektor Birkle sei Dank, bekamen wir dort unentgeltlich einen Raum, den wir Hermann-Oberth-Saal nannten; dieser heißt, übrigens auch heute noch so, obwohl wir ihn schon seit 1995 nicht mehr nutzen und die Fachhochschule ihn andersartig belegt. Auch in der Aula und auf den Fluren dieser Landesinstitution konnte Siebenbürgisches bekannt gemacht werden. Vorträge über Oberth, über den Transrapid, über die traumhaften Schönheiten der siebenbürgischen Karpaten, oder: "Anders rauschen die Brunnen" (Beschreibungen über unsere alte Heimat); die Ausstellung "Hundert Jahre seit der Geburt von Hermann Oberth", Auslegung von Kartenmaterial und anderen Dokumentationen; unsere Beteiligungen an den Tagen der offenen Türen dieser Institution waren nicht nur für unsere Bedürfnisse gedacht, sondern auch wesentlich für die Bekanntmachung unserer Belange in weiten Schichten der einheimischen Bevölkerung.

Bei den Maientagen defilierten wir weiter in unserer Tracht und freuten uns an dem Beifall der Ehrentribüne und der spalierstehenden Menschen. Übrigens konnte an der Intensität dieses Beifalles die sich von Jahr zu Jahr ändernde politische Großwetterlage abgelesen, empfunden werden.

Neben der schon immer aktiven Frauengruppe formierten sich weitere selbständige Gruppen, die ihr Eigenleben führten und dieses in verstärktem Maße bis heute noch tun. Dass dieses sehr zum Verdruß einiger Amtsträger unserer Landesgruppe geschieht, kann ich nicht verstehen! Obwohl es diese Gruppen, die eigentliche Basis in allen KGr. gibt, wird viel zu wenig für deren Anerkennung und Eigenständigkeit getan, auch bundesweit. Da besteht dringend Handlungsbedarf. Sobald dieser angegangen wird, werden Motivation und ehrenamtliche Tätigkeiten enorme Entfaltung erleben.

Wichtiges Ereignis dieser Zeit war der Verbandstag 1989 in Ingolstadt. Er fand statt während in Berlin die Mauer fiel und stand unter dem Einfluß dieses historischen Ereignisses. Er brachte den Wechsel von Wolfgang Bonfert zu Dankwart Reißenberger, mit der Auflage, an letzteren nur eine Amtsperiode aktiv zu sein und dem Anspruch jüngerer, potentieller Amtsträger Rechnung zu tragen. Leider folgten verhängnisvolle Fehleinschätzungen.

Es wurde ins Horn der Spitzenpolitiker geblasen. Die Festigung oder der eventuelle Neubeginn siebenbürgisch - sächsischen Lebens in Siebenbürgen (den Herkunftsgebieten), hatten Vorrang. Die damals dringlichste Frage "eines zügigen Abschlusses der Aussiedlung", welche nach der Liberalisierung und dem freien Grenzverkehr im Osten möglich war und die Konzentration auf rasche Eingliederung und Festigung unserer Existenz hier in der neuen Heimat wurden vernachlässigt.

Mit den Folgen dieser Fehleinschätzung müssen wir heute fertig werden. Der plumpe, grobe und brutale eiserne Vorhang des Ostens, der kommunistischen Diktatur, ist weg und der Westen hat diesmal viel feinere, perfidere und technisch perfektionierte Barrieren aufgebaut. Vertreibungsgründe gibt es keine mehr, Vertriebenenausweise auch für Eingereiste mit gültiger R-Nummer auch nicht mehr, die Eingliederungshilfen sind zusammengestrichen worden, die Renten für im Herkunftsland zurückgelegte Zeiten auf rund 50 % gekürzt und weitere soziale Grausamkeiten kommen auf uns zu.

Der kurz vorher eingereiste und in der deutschsprachigen, kommunistischen Presse Rumäniens bekannte und erfahrene Journalist Hannes Schuster wurde Chefredakteur der einige Zeit verwaisten Siebenbürgischen Zeitung (SbZ), (Hans Bergel war schon viel vorher abgetreten, Dankwart Reißenberger und andere hatten interimsweise die Arbeit gemacht). Er hat die freie Meinungsäußerung weder gemocht, noch gefördert und betrieben. Selbst Politik zu machen war ihm wichtiger als Politik zu transportieren. Dieses hat er durch harte und fleißige Arbeit eindrucksvoll dargestellt und seine fachliche Kompetenz unter Beweis gestellt. Verantwortung dafür trägt aber nicht nur er sondern vor allem die Bundesvorsitzenden, welche die eigentliche Verantwortung für diese so wichtige Publikation haben. Eine umfassende Korrespondenz mit Redakteur und Vorsitzenden kann die Auseinandersetzung in diesem Bereich belegen.

Die Landesgruppe beging mit einem schönen Festakt, in den Messehallen, auf dem Killesberg den 40. Jahrestag unserer Gemeinschaft hier in Deutschland, die Beteiligung war sehr gut, das kulturelle Rahmenprogramm auf entsprechendem Niveau und die Resonanz in der Öffentlichkeit, wie immer bei solchen Anlässen, eher mäßig. Für mich war es beeindruckend und ist mir in guter Erinnerung geblieben, hoffentlich für viele weitere Landsleute auch.

Unserer Mitgliederversammlung mit Wahlen von 1990 - in einem Hörsaal der Fachhochschule - gaben die Ehre Richard Löw und der MdB Jäger CDU, beide mit Gattinnen. Ersterer nahm unsere Ankündigung, die Gruppenexistenz zu fördern und zu festigen mit zwiespältigen Gefühlen auf und Jäger versprach seine Hilfe. Er hatte im darauf folgenden Frühjahr einige Landsleute mit nach Bonn genommen um ihnen im Kreise einer größeren Gruppe die Arbeit der Parlamentarier zu zeigen und verständlich zu machen.

 

Meine letzte Amtszeit in der KGr. 1990 bis 1993

Zwei Ziele hatte ich mir für diese Amtszeit gesteckt. Erstens, nach dreizehn Jahren an der Spitze der KGr. den Generationswechsel herbei zu führen und zweitens, eine auf anderer Ebene gelegene, anspruchsvolle Tätigkeit in der Landesgruppe anzustreben, um die gesammelten Erfahrungen dort einfließen zu lassen. Durch die engagierte Tätigkeit der Eheleute Konnerth war ersteres nicht schwierig. Nach kleinem, taktischem Hickhack hatte mich die Delegiertenversammlung von 1992 in Schorndorf in den Landesvorstand gewählt und ich durfte zusammen mit Alfred Mrass und Ernst Prediger aus Freiburg Pressereferent sein.

In der Mittagspause der Frühjahrs-Landesvorstandssitzung 1991 saß ich neben Konrad Stamm, stellvertretender Landesvorsitzender. Meiner Überzeugung getreu, wonach nicht alles nur dem Landesvorsitzenden überlassen werden darf und einzelne Aufgaben, vor Beschlußfassung von Fachausschüssen oder Arbeitsgruppen vorbereitet werden sollte einerseits, und im Bewußtsein dringender struktureller Anpassungen an die neuen historischen Gegebenheiten, war es mir gelungen K. Stamm zu überzeugen, einen Arbeitskreis (AK)= "Die SbS in den 90er Jahren" ins Leben zu rufen. Nach dem Essen hat K. Stamm dieses Thema aufgegriffen und der Arbeitskreis wurde nominiert und bekam den Auftrag, Vorschläge für eine zukunftssichernde Arbeit zu erstellen. Die Leitung dieser Arbeitsgruppe wurde K. Stamm anvertraut, ihr gehörten weiter an: A. Mrass; Rechtsanwalt Waldemar Weber und ich. Dazu gehörten noch Georg Groß seitens der HOGs und Michael Trein - beide hatten sich an den Arbeiten nicht beteiligt.

Für mich begann somit eine sehr spannende Zeit, deren Auswirkungen bis in die Gegenwart anhalten.

Zur ersten Begegnung des AK hatte ich nach Göppingen eingeladen und die zweite fand in der Wohnung von K. Stamm in Stegen bei Freiburg statt. Den Gepflogenheiten eines pragmatischen Technikers mit langjähriger Berufserfahrung beim Südwest-TÜV entsprechend, wurde sehr konzentriert und effizient diskutiert und wir konnten der Herbsttagung desselben Jahres ein detailliertes Konzept vorlegen. Die Leitung dieser Landesvorstandssitzung hatte wiederum K. Stamm, da R. Löw einer HOG-Versammlung beiwohnte. Aus dieser Sitzung kam R. Löw dann noch am späteren Nachmittag zu uns. Er schien mir geläutert, indem er Sinn und Zweck der HOGs und eine Zusammenarbeit mit unserer Gemeinschaft endlich akzeptierte. Bis dahin sah er in der Entwicklung der HOGs eine Gefahr für unsere Gemeinschaft. Die HOGs wurden auch von anderen Kreisen, vor allem den kirchlichen mit wenig Vertrauen bedacht.

Der Bericht des AK wurde der Herbsttagung vorgelegt, er zeigte die Probleme unserer Gemeinschaft und deren Lösungen vor. Die einzelnen Punkte wurden im erweiterten Landesvorstand besprochen und nach Korrekturen und Ergänzungen per Handzeichen mehrheitlich angenommen.

Es waren dieses:

a) Satzungsgemäße Gliederungen und darüber hinaus entstandene Organisationen.

Neue und zusätzliche Aufgaben haben zur Gründung entsprechender Organisationen geführt. Da diese alle im Dienste unserer Gemeinschaft stehen ist jegliche diskreditierende Polemik schädlich. Die in Zukunft zu bewältigenden Aufgaben sind daher gemeinsam zu lösen. (wir haben da insbesondere an die oben erwähnte HOG-Problematik gedacht)

b) Die zeitgemäße Benennung unserer Gemeinschaft.

.........dem AK erscheint eine Namensänderung dringend geboten.

c) Das Selbstverständnis der SbS. - ihre Identitätswahrung

Der wichtigste Grund unserer Aussiedlung ist der berechtigte Wunsch nach Wahrung unserer Identität.

Wir gehören wie die Bayern, Schwaben und andere dem Deutschen Volk an und sind Teil von ihm. Um zwischen alter und neuer Heimat nicht aufgerieben zu werden, müssen wir lernen zu verzichten und zu vergessen, die Geschichte ist nicht umkehrbar.

Zur Identitätswahrung gehört das Bekenntnis der Zugehörigkeit zur Gemeinschaft unter gleichzeitiger Anerkennung des Andern.

Hier bedarf es vieler und stetiger Impulse.

d) Die SbZ - Identifikationsfaktor

Die Bedeutung unserer Zeitung ist bekannt und unumstritten. Demzufolge ist es geboten ihr inhaltliches Profil ständig den neuen Erfordernissen anzupassen.

Es muß jedem die Möglichkeit zur Stellungnahme geboten werden. Nur die, öffentlich geführte Auseinandersetzung kann zur Lösung der immer größer werdenden Aufgaben beitragen. Demokratie muß auch da praktiziert werden.

Die aktuelle Art des Versands sichert die pünktliche Zustellung, hat aber auch beträchtliche Nachteile. Ein verbesserter und billigerer, den anzustrebenden organisatorischen Strukturen angepaßter Versand ist dringend notwendig.

e) Organisatorische Strukturen

Die heutige Organisation entspricht den aktuellen Gegebenheiten nicht mehr.

Anzustreben ist:

Daß an der Basis rechtsfähige und selbständige Vereine gegründet werden, die der Vielfalt von Aufgaben und Interessen gerecht werden. Diese können sich ihren Zielvorstellungen entsprechende Namen geben. Ein freiwilliger Zusammenschluß in Kreis- und Landesverbände so wie einem Bundesverband Siebenbürgischer Vereine kann die Synthese sichern. Verbesserter Informationsaustausch; Schulung und Weiterbildung aller Amtsträger; Vertretung gegenüber dritter Stellen - wären die Aufgaben der Verbände.

f) Zusammenfassung

200 000 SbS. auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland auch in Zukunft ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu vermitteln und für deren Nachkommen die wichtigsten Eigenheiten unserer Gemeinschaft zu bewahren, soll Haupt - und Leitgedanke sein

Bei aller Orientierung in die Zukunft darf nicht vergessen werden, daß es alleiniger Verdienst unserer Gemeinschaft und deren selbstlosen Vertretern war, dass wir heute hier als freie Bürger leben dürfen.

Inzwischen sind gut 7 Jahre vergangen und wir müssen uns vorhalten lassen, dass alles "für die Katz" war. Über die Vollständigkeit dieser Thesen kann gestritten werden, für unumstritten halte ich auch weiterhin ihre Richtigkeit und Gültigkeit. Dass nichts daraus geworden ist, muß als Schwäche des gesamten Landesvorstandes gewertet werden und als "Meisterwerk" seines langjährigen Vorsitzenden. R. Löw. Der hat es verstanden, gemäß seinen konservativen Prinzipien, alles was ihm nicht paßte unter den Teppich zu kehren. Der aktuelle Landesvorsitzende, A. Mrass, steckt diesbezüglich in einem großen Dilemma. Er war direkt und aktiv am Zustandekommen der oben angeführten Thesen beteiligt. Sie sind demnach auch sein Produkt und man kann nur hoffen, dass er sich deren Bedeutung bewußt wird, sie aus der Versenkung holt und mit neuem Leben erfüllt, auch in die Praxis umsetzt.

Für mich war und bleibt der Punkt 3.5 - organisatorische Strukturen, das Kernstück aller Überlegungen und ich werde nichts unversucht lassen, diese dringend notwendige Reform voranzutreiben. Habe mich, ständig und intensiv mit dem Thema beschäftigt: einschlägige Bücher, aus verschiedenen Bibliotheken, bis hin zur Landesbibliothek Baden-Württembergs durchforstet; meine Überlegungen mit spezifischen wissenschaftlichen Studien verglichen und aufgearbeitet. Mit den Synthesen dieser Arbeit habe ich immer wieder R. Löw konfrontiert. Er hat gewöhnlich nicht darauf reagiert, ständig geblockt und es bis auf den heutigen Tag zu keinem Gespräch in dieser Sache kommen lassen - sehr zum Schaden unserer Gemeinschaft.

Hoffnung und kleiner Lichtblick für diese Reform stellte der Verbandstag 95 in Drabenderhöhe dar. Schon im Vorfeld - welch großes Wunder - hatte V. Dürr es möglich gemacht, in der SbZ Meinungen publik zu machen und eine Art vorbereitende, demokratische Debatte zu führen. Einige Meinungen wurden veröffentlicht. Von meinen rund 8 DIN A 4 Seiten, welche ich in vier verschiedenen Ansätzen eingeschickt hatte kamen zwei kleine Spalten mit kurzen Andeutungen zur Veröffentlichung. Dem Bundesvorstand hatte ich schon im Mai 1995 - der Verbandstag fand erst Ende Oktober statt - einen Entschließungsantrag in dieser Sache zugeschickt. Als ich die Unterlagen zu diesem Verbandstag bekam, mußte ich feststellen, daß mein Antrag nicht dabei war. Erst nach massivem Drängen beim Bundesgeschäftsleiter wurde der Antrag den Delegierten beim Eintreffen in Drabenderhöhe übergeben. In der Tagesordnung war keine Vorstellung und Aussprache dieses Antrags vorgesehen - auch hier sah ich die Hand des stellvertretenden Bundesvorsitzenden R. Löw im Spiel. Dafür hat man aber zwei äußerst zweifelhaften Sachen sehr viel Zeit eingeräumt. Die laienhaft und juristisch total unfundierte Satzungsänderung hat großen Unmut bei den Delegierten hervorgerufen und mehrere Stunden in Anspruch genommen. Die Namensänderung war die zweite Tagesordnung beherrschende Angelegenheit. Horst Göbbel, der in Nürnberg sicher großes geleistet hat und noch leistet, der auch bei den HOGs Erfolge verzeichnet hat, als stellvertretender Bundesvorsitzender aber kaum in Erscheinung getreten ist, kam 1995 in Drabenderhöhe zum zweiten mal auf einem Verbandstag (nach Heilbronn 92) mit diesem Thema zu Wort, argumentierte langatmig und ohne Erfolg. Persönlich bin ich für die Namensänderung, diese ist und bleibt aber leere Hülse, wenn nicht auch die Inhalte geändert werden, sprich die organisatorischen Strukturen. Um nicht noch einmal diese Thema aufzugreifen sei an dieser Stelle erwähnt, dass ich 1998 die Vorsitzenden der Landesgruppe Bayern und Nordrhein-Westfalen in diese Sache hinein gezogen habe, doch bis zur Niederschrift dieser Zeilen noch keine Reaktion von ihnen bekam.

Das Jahr 1991 und die Arbeit mit Konrad Stamm war somit für mich eines der spannendsten und ich bin fest davon überzeugt, dass es irgendwann die erhofften Früchte bringen wird und ich es dann als das erfolgreichste im ehrenamtlichen Bereiche bezeichnen darf.

Für die letzte von mir geleitete Mitgliederversammlung mit Wahlen, November 1993 hatte ich alles wie gewohnt in die Wege geleitet, mehrere Wochen im voraus die detaillierten Unterlagen an alle Mitglieder, Ehrengäste und an den Landesvorstand geschickt, in der SbZ wurde die Vorankündigung veröffentlicht. Am Vormittag des Austragungstages bekam ich einen Anruf von der Landesgeschäftsstelle: "Ob denn jemand kommen solle oder nicht?" Daß diese Mitgliederversammlung Stabs- und Generationswechsel in Göppingen sein sollte, war auch den Vorsitzenden bekannt und ich dachte, dieses könnte Anlass einer Würdigung unserer 13 Jahre Arbeit an der Basis sein. Die Versammlung verlief ruhig, vielleicht zu planmäßig und die Annerkennungen die mir meine treuen Gefährten zukommen ließen genügten mir vollkommen. Nicht einverstanden mit dieser Behandlung war unsere rührige Frauengruppe und mein Nachfolger. Somit konnte mich eine Einladung zu einer Veranstaltung der Frauengruppe im März 1994, der dann auch R. Löw die Ehre gab, nicht mehr so richtig erfreuen. Er verlieh mir die Silberne Ehrennadel und die Frauengruppe überreichte mir ein Präsent mit Widmung, dazu eine schöne Karte der Frauengruppe, auf der Schloß Horneck abgebildet ist und worauf folgendes geschrieben steht:

"In Anerkennung Ihrer Leistung und Ihres persönlichen Einsatzes für die Belange der Landsmannschaft! Sie haben es geschafft mit zähem Ausdauern und Beharrlichkeit ein selbstgestecktes Ziel verfolgend, oftmals gegen Widerlichkeit ankämpfend, die leider auch manchmal aus dem eigenen Reihen kamen. Dafür dankt Ihnen in Siebenbürgischer Verbundenheit ... Die Frauengruppe ... Göppingen 2. März 1994"

Diese Worte kamen aus freien Stücken, sind ehrlich und haben für mich Vorrang.

Der Überreicher der Ehrennadel, hat in einem ganz andern Zusammenhang, einmal geschrieben: "Der Danielis hat sich schon immer 'subestimiert' gefühlt". Dazu kann ich mit Überzeugung sagen: es stimmt.

 

Im Vorstand der Landesgruppe bis 4.4.1998

Rein rechtlich sind Landes - und Kreisgruppen nicht viel wert, ihre Vertreter bewegen sich auf sehr dünnem Eis und müssen für jegliche Vertragsverstösse mit ihrem persönlichen Vermögen haften. Da für unsere SbS Gemeinschaft nur der Bundesvorstand in München beim Registergericht eingetragen wurde, ist nur dieser "juristische Person", wonach alle Verträge und Abmachungen der 109 Kreisgruppen und 8 Landesgruppen, ausschließlich vom Bundesvorsitzenden unterschrieben werden dürften.

Damit ist die Existenz des Bundesvorstandes "de jure" rechtfertigt. Die der Kreisgruppen findet ihre Berechtigung in der Tatsache, dass sie Basisarbeit leisten, wenn auch mit großem materiellem Risiko für die Amtsträger und wie im Kapitel 3.2 schon beschrieben, im luftleeren Raum schwebend. Bleibt noch die Landesgruppe, die dazwischen hängt und deren Existenz nur solange gefragt ist, so lange es funktionierende Untergliederungen gibt. Die Zuständigen in unserer Landesgruppe haben dieses Prinzip nicht immer sehr ernst genommen. Nabelschau, jammern wegen Überbelastung der Geschäftsstelle und strenger Drill der Vasallen waren wichtiger. So kam es denn auch, daß Stuttgart und andere Landkreise jahrelang keine KGr. hatten, mit der lapidaren Erklärung "es hat sich niemand in den Vorstand wählen lassen". Ehrlicher währe die Feststellung gewesen: "wir haben uns zu wenig darum gekümmert". Wichtiger war die"Nabelschau", Selbstzweck zu demonstrieren! Die Stärkung des Selbstvertrauens in die eigenen Kräfte der Untergliederungen bedeutete Risiko für "die Landesherrschaft" und das musste vermieden werden.

Sträflich vernachlässigt wurde die Jugendarbeit - sie war über mehrere Jahre "inexistent".

In zwei Fällen ist es mir gelungen, Kreisgruppen vor dem Kollaps zu bewahren. Ohne von jemandem darum gebeten zu werden und auch ohne Einladung suchte ich die Mitgliederversammlung mit Wahlen in Schwäbisch Gmünd auf. Symptomatische Generationsquerelen gepaart mit Spannungen zwischen einem konservativen KGr.-Vorstand und jungen, aktiven "Gruppen/Abteilungen" (Fußball; Volkstanz; Blaskapelle), hatten dazu geführt, daß der amtierende Vorsitzende keine Zukunft für diese Gliederung mehr sah. Indem ich den sowohl jungen, als auch in den Basisformationen rührigen und erfolgreichen Menschen Mut machte, wurde Schlimmes verhindert und seither ist Helmut Mieskes Vorsitzender einer sehr erfolgreichen Gliederung.

Im zweiten Fall wurde ich von Michael Trein gebeten einen Termin in Nürtingen wahrzunehmen, da keiner der Vorsitzenden dazu Zeit hatte. Dort hatte es der sonst sehr geschäftstüchtige Vorsitzende versäumt einen Nachfolger heranzuziehen, aber dann im Vorfeld erklärt, daß er nicht mehr kandidieren werde und so, mangels Alternative die Mitgliederversammlung in eine sehr schwierige Lage versetzt. Nach zermürbenden Debatten und der meinerseits ausgesprochenen Drohung, Nürtingen mit der funktionierenden Kreisgruppe aus dem Landkreisvorort Esslingen zu verschmelzen, waren es dann die Damen, die diese traditionsreiche Gliederung vor dem Aus gerettet haben. Edda Binder, Ilse Abraham, Liesel Phönix und andere Damen leiten nun und nicht ohne Erfolg diese Kreisgruppe. Es konnte damit erneut der Beweis erbracht werden, daß der Geschlechterkampf "ad absurdum" geführt wird, daß die Frauen, den Männer in keiner Weise unterlegen sind und daß unsere Gesellschaft nur dann gut funktionieren kann wenn die Rollen zwischen Frau und Mann ausgleichend verteilt werden.

Der Wechsel, in meiner ehrenamtlichen Tätigkeit von der Kreisgruppe zum Landesvorstand war mit bestimmten Vorstellungen, Hoffnungen verbunden. Diese haben sich größtenteils nicht erfüllt. Gerne hätte ich diesen Landesvorstand, als eine Art "Freundeskreis" erlebt; als Gesprächsplatform, wo in emotionalen Debatten um neue, bessere Wege und Methoden für unsere Gemeinschaft gerungen wird; wo man sich gegenseitig gut kennt und respektiert, wenn man sich schon nicht sympathisieren oder lieben kann. Es kam ganz anders - auch nach mehreren Jahren kannten wir uns kaum. Es gab Fälle, wo der eine den andern nicht einmal dem Namen nach kannte. Einige Versuche, auch Einladungen meinerseits hatten keine Erfolge.

Es sollte nicht als Schuldzuweisung verstanden werden, wenn ich immer wieder, meine Analysen an R. Löw fest mache. Er war lange Jahre Amtsträger und ist es auch heute noch. Mit Sicherheit hat er sehr viel, für die Gemeinschaft gearbeitet. Alle Erfolge werden als Selbstverständlichkeiten betrachtet und abgehakt, die weniger positiven Sachen müssen kritisch unter die Lupe genommen werden, damit Voraussetzungen geschaffen werden, sie nicht zu wiederholen. Der Vorschlag R. Löw zum Landesvorsitzenden zu wählen kam von mir; zu seiner Kandidatur als stellvertretender Bundesvorsitzender habe ich ihn ermuntert und bin voll hinter seiner Wahl und Nominierung gestanden. Für sein aufopferndes Engagement im Dienste unserer Gemeinschaft haben wir zu danken. Wer so lange Zeit im Rampenlicht steht und viel tut, macht zwangsläufig auch viele Fehler. Diese aufzudecken, darum geht es mir; wobei ich den aufmerksamen Leser bitte dieses nicht als persönliche Anfeindung zu betrachten sondern nur als Erklärung für die, von mir ganz subjektiv empfunden Abläufe.

Sein größter Fehler war wohl der, daß er zu viel gemacht hat und vor allem alles alleine machen wollte oder mußte. Es ist gewöhnlich einfacher, etwas im He-Ruck-Verfahren selber zum Ende zu bringen; weil ja demokratische Beschlüsse, gewöhnlich nur sehr mühevoll und mit weitaus größerem Zeitaufwand herbeigeführt werden können. Schuld daran ist sicher auch die mangelnde "Streitkultur", sie fehlt gegenwärtig auf allen Ebenen, in der Familie, Sippe bis hin zu großen Gemeinschaften. Jeder Andersdenkende wird als Feind betrachtet und Gegenrede nicht geduldet. Die Naturvölker gehen damit besser um. Unsere Zivilisation hat da sicher vieles kaputt gemacht. Die braune und die rote Diktatur unseres Jahrhunderts, haben da auch ihre Spuren hinterlassen.

Meine gesamte Aktivität in unserer Gemeinschaft stand und steht in direktem oder indirektem Zusammenhang mit der Person von R. Löw. Mit Bedauern muß ich feststellen, daß er mich kaum jemals ernst genommen hat, daß er nichts von dem was ich getan habe oder wo ich mit beteiligt war, positiv betrachtet oder begleitet hätte. Es kann davon ausgegangen werden, daß es auch andern, vielleicht vielen so ergangen ist oder ergeht und daß dadurch viele Potentiale ungenutzt geblieben sind, denn die Demotivation der Mitarbeiter war noch nie produktiv.

Als Landespressereferent stand meine Arbeit in direktem Bezug zur SbZ, auch ein schwieriges Unterfangen, wie ich schon im Kapitel 4 angedeutet habe. Auch da wird alles an einer Person fest gemacht, an der von Hannes Schuster.

Kritisch bin ich schon in Kapitel 4 über ihn hergefallen und ähnlich wie bei R. Löw, spreche ich ihm meinen Dank für all seine Arbeit, Mühe und Ärger aus. Das auszusprechen was mich gestört hat und wo ich fest davon überzeugt bin, dass es unserer Gemeinschaft schadet, ist auch einmal nötig.

Bis zum Jahre 98, wurden in Zusammenarbeit mit dem Bundeskulturreferat vier Wochenend-Bundespresseseminare, organisiert und durchgeführt. Die Kooperation dieser beiden Referate hatte einen Hintergrund, der da heißt "Fördermittel" nach § 96 BVFG. Dass solche Kombinationen den Ländern und den Kreisen nicht eindeutiger und einleuchtender nahe gebracht wurden, zur Nachahmung empfohlen wurden, ist wiederum ein Manko. Diese vier Seminare fanden jeweils im Herbst statt: 1993 in Hellabrun/Ottobrun (München); 94 in Königsstein/Taunus; 95 Karlsruhe und 96 in Leitershofen bei Augsburg. Für mich waren es gute und nützliche Veranstaltungen. Man konnte interessante Leute kennenlernen, lehrreiche Vorträge erleben und somit seinen Horizont erweitern. Das schönste waren die Einzelgespräche der Beteiligten. Leider waren aber die Programme immer so voll gestopft, dass diese so wichtigen Dialoge viel zu kurz gekommen sind. Ich erlebe es bei verschiedensten Gelegenheiten, daß für uns SbS. diese Art der Kommunikation (Gespräche in kleinem Kreise) die beliebteste überhaupt ist, es uns schwer fällt, zuzuhören und sein Gegenüber ausreden zu lassen.

Die Auswahl der für diese Seminare bestimmten Teilnehmer war für mich nicht nachvollziehbar. Unbedingt dazu gehört hätten die acht Landespressereferenten und eine Auswahl von Kreisgruppen-Pressereferenten der wichtigsten dieser Gliederungen, wobei die Anzahl der jeweils auf dem Gebiet lebenden SbS. beachtet hätte werden müssen und vor allem die Leistungen der jeweiligen KGr. zu beachten gewesen wären, zum Beispiel bezüglich Öffentlichkeitsarbeit, kulturellem und sportlichem in Erscheinung treten. Dem war aber nicht so, sondern Hannes Schuster war bemüht, seinen ehemaligen Kollegen von Neuer Weg; Karpatenrundschau; Banater Zeitung und Hermannstädter Zeitung einige schöne Stunden zu bescheren, sich wieder zu sehen und miteinander zu sprechen. Ganz auffällig trat dieser Aspekt in den Vordergrund bei dem ersten Seminar in Hellabrunn, da wurden wir von unserem Gastgeber ständig als "Liebe Freunde" angesprochen. Für mich konnte dieses Prädikat nun überhaupt nicht stimmen, obwohl ich schon gerne sein Freund gewesen wäre. Von mal zu mal schwächte sich dieser Aspekt ab und es kamen auch andere Leute zum Zuge; bayernlastig waren diese Veranstaltungen allemal, weit über die dem Verhältnis der dort lebenden SbS. entsprechende Anzahl von Beteiligten kamen aus dem Freistaat. Es kann daraus gefolgert werden, daß sowohl der jeweils amtierende Referent für Presse und Öffentlichkeit des Bundesvorstandes, als auch der Bundesvorsitzende, als Herausgeber der SbZ, sich vermutlich keine Gedanken über den Sinn und Zweck dieser Seminare gemacht hatten. Oder kein Interesse daran hatte, dass in den Landes - und Kreisgruppen bessere Darstellungsmöglichkeiten geschaffen werden. Wenn sie dieses, so wie es selbstverständlich und dringend notwendig gewesen währe, beabsichtigt hätten, dann hätten zu den Seminaren in erster Reihe die demokratisch gewählten Referenten der Gliederungen geladen werden müssen.

Die Erfahrungen aus diesen Seminaren an die Kreisgruppen weiter zu geben war für mich nicht nur primärer Auftrag, sonder auch gerne ergriffene Gelegenheit, mit den in den Kreisgruppen tätigen Presseleuten zusammen zu kommen. Dabei versuchte ich die aus Baden-Württemberg bei den Seminaren beteiligten in die Gestaltung der analogen Landespressetagungen einzubeziehen, Repräsentanten des Landes - und Bundesvorstandes als auch der lokalen Presseorgane wurden dazu geladen und natürlich auch die SbZ. Ein wichtiges Anliegen für mich und meine Mitstreiter war die Verbesserung der Zusammenarbeit mit der SbZ und ihrem Chefredakteur. Es gab folgende Landespressetagungen: 1994 in Göppingen - mit dem Chefredakteur der SZ; 1996 in Waiblingen, wo eine Erklärung formuliert wurde. Der Chefredakteur weigerte sich, diese zu veröffentlichen, obwohl die Verfasser nichts Eherenwiedriges hinein geschrieben hatten. Aus folgender Kurzfassung der Waiblinger Erklärung können Sie dieses entnehmen:

Bessere Unterstützung der Arbeit vor Ort durch die SbZ ist dringend notwendig.

Für unsere Gemeinschaft sind der Verbandsteil, das Jugendforum und die HOG-Nachrichten am wichtigsten.

Die Redaktion soll die freiwilligen Beiträge ohne Abwandlungen publizieren - ausgenommen die Tipfehler.

Eine Regionalisierung der SbZ vorzunehmen, wie sie Volker Dürr schon 1992 vorgeschlagen hatte.

Eine moderne Informationsstruktur schaffen, die, die neuen Kommunikations und Informationsstrukturen nutzbringend anwendet.

Leider wurde die Nichtveröffentlichung dieser Erklärung auch vom amtierenden Landesvorsitzenden begrüßt. Alfred Mrass schrieb mir am 16.4.96: "Wir Baden-Württemberger hätten alt ausgesehen, wenn das in der Zeitung gestanden wäre."

Sie sehen daher, wie schwer es ist, wenn ein Fachreferent guten Willens ist und sich nach bestem Wissen und Gewissen bemüht etwas für seine Gemeinschaft zu tun. "Nichtstun" scheint den meisten Würdenträgern genehmer zu sein!

Im darauf folgenden Jahr sollte die Tagung wieder in Göppingen stattfinden. In der kurz vorher abgehaltenen Landes-Frühjahrs-Vorstandstitzung hatte ich noch einmal für die Teilnahme an der Landespressetagung geworben. Dabei wurde ich vom Landeskassenwart Kurt Wagner zur Schnecke gemacht, von wegen Kosten, und so, keiner der Landesvorsitzenden stand mir bei. Einen der nichts tut zu kritisieren, ist eben viel einfacher als denjenigen der etwas tut, zu unterstützen. Für diese Pressetagung war wieder ein Erklärungskonzept vorbereitet, die Teilnehmer waren der Meinung, man solle davon Abstand nehmen. Zu den Teilnehmern gehörte auch Hannes Schuster. In seiner dominanten und selbstherrlichen Art erlaubte er sich ganz dreiste Beleidigungen. Von mir nur andeutungsweise, auf seinen Widerstand bei der Veröffentlichung von Leserbriefen angesprochen, bezichtigte er mich gleich dreimal hintereinander der "Infamie", was zu Deutsch nichts anders als: 1. Ehrlosigkeit; 2. Niedertracht; 3. Unverschämtheit usw. bedeutet (Duden 5 = Fremdwörterbuch). Bei solchen Tiraden war selbst der sonst wortgewandte Landesvorsitzende M. Trein sprachlos, reagiert hat er jedenfalls nicht.

 

Die Landespressetagung, vom 14.03.98,

... fand erneut in Göppingen statt und brachte meine Bemühungen im Dienste unserer Gemeinschaft zum Stillstand. Den Aufgaben eines Pressereferenten entsprechend sandte ich der SbZ einen Bericht über diese Tagung, natürlich konnte das darin Geschriebene den Chefredakteur nicht erfreuen. Vor allem folgende Ankündigungen brachten ihn auf die Palme:

Erfolglos blieben alle Bemühungen für ein besseres Klima zwischen den Berichterstattern der Kreisgruppen und der SbZ.

Dieses wohl wichtigste Kommunikationsmittel aller SbS. unterbindet jegliche, dringend notwendig kontroverse Meinungsbildung.

Der Forderung des Bundesvorstandes zur Regionalisierung der Öffentlichkeitsarbeit folgend, ergingen Vorschläge zur Erstellung einer Doppelseite, in Eigenverantwortung der Landesgruppe Baden-Württemberg, die so wie es das Hilfskomitee mit "Kirche und Heimat" macht, direkt an die Druckerei der SbZ geschickt wird. Es dürften dadurch keine zusätzlichen Kosten entstehen, da aus statistischen Erhebungen hervorgeht, daß in den vergangenen Jahren, in den Spalten "Aus dem Verbandsleben" schon bisher, durchschnittlich zwei Seiten mit Berichten aus der LGr. - B-W veröffentlicht worden sind. Dieser Vorschlag wird auf unserer Agenda bleiben und wir hoffen, daß die Landesgruppen Bayern und Nordrhein-Westfalen sich dieser Forderung auch anschließen werden.

Das Thema Regionalisierung wurde seit Volker Dürr es 1992 angeregt hat, tabuisiert. Wen wundert dieses? Sobald Teile der Zeitung nicht mehr vom Chefredakteur beherrscht werden können, schwindet auch sein Machtmonopol und gerade dieses hat unsere Gemeinschaft "dringend" nötig. Erst durch konstruktives Streiten können Fortschritte erreicht werden.

Natürlich wurde oben genannter Bericht nicht veröffentlicht. Dafür suchte mich der Chefredakteur am Telefon. Das Gespräch steigerte sich, die Gemüter erhitzten sich und HS drohte abzubrechen. Um dem vorzubeugen bedankte ich mich für den Anruf, grüßte und legte den Hörer auf. Darauf fühlte ich mich sichtlich besser. Es war das erste mal überhaupt, wo ich der gut sieben Jahre dauernden Allmächtigkeit Paroli gebeten hatte und nicht mehr wie die Maus vor der Schlange erstarrte.

Schon am nächsten Tag erreichte mich die schriftliche Reaktion: Es wurde mir einseitig die Zusammenarbeit mit der SbZ aufgekündigt. Es war dieses der Gipfel einer unmöglichen Situation. Der Bedienstete einer Gemeinschaft, der seinen Lohn aus unseren Beiträgen erhält, kündigt einem demokratisch gewählten Vertreter dieser Gemeinschaft die Zusammenarbeit, die wohl niemals als solche bezeichnet werden konnte, da stets der Bedienstete den ehrenamtlichen Repräsentanten gegängelt und gedemütigt hatte.

Volker Dürr informierte ich über diesen Vorgang. Er sprach mit mir am Telefon. In einem unendlichen Monolog erzählte er mir von den "großen Erfolgen der Interessengemeinschaft" und das nun fertiggestellte Gutachten, worauf er sehr stolz sei und daß nun berechtigte Hoffnungen auf die Rücknahme der Rentenkürzung bestünden. Über das Debakel mit HS kein Wort. Wie sollte er auch darüber sprechen, da die Zeitung in seiner Verantwortung erscheint und er mir gegenüber kein Schuldbekenntnis machen kann?

Ganz abgesehen von dieser Sache mit der SbZ erlebt unsere Gemeinschaft unter Volker Dürr die erfolgloseste, ja die schlimmste Zeit überhaupt. In keiner anderen Zeitspanne mußten wir so viele und herbe Schicksalsschläge hinnehmen. Das Gegenteil war der Fall, alle anderen Bundesvorsitzenden konnten Erfolge verzeichnen. Unterlassung, auch wenn sie gut gemeint ist, birgt eine große Schuld in sich. Prof. Azzola hat es uns bei den Heimattagen 97 und auch 98 klar und deutlich gesagt, daß wir selber Schuld an all den Kröten die wir schlucken mußten, sind. Er bescheinigte uns mangelndes, ja die Inexistenz politischen Handelns. 1999 sind Verbandstage fällig und wenn die aktuellen Amtsträger nicht den Mumm aufbringen und aus ihrer Ineffizenz die Konsequenzen ziehen, so sollten die Delegierten sie dazu zwingen.

Wie kam es nun zum oben erwähnten Stillstand? Am 4.4.98 fand in Stuttgart die Delegiertenversammlung mit Wahlen statt. Alfred Mrass wurde Vorsitzender; Melitta Reich lehnte frustriert ihre Kandidatur zur Landeskulturreferentin ab; mich wollte Mrass nicht mehr als Pressereferenten haben. Begründung: Die Aufkündigung meiner Zusammenarbeit mit der SbZ - welch Hohn! Ein Landesvorsitzender ist von Amtswegen Mitglied im Bundesvorstand und dort hätte A. Mrass gegen diese Unverfrorenheit angehen können - sollen - müssen. Mit einer solchen Handlung hätte er Standfestigkeit und Größe demonstriert und sich nicht für das gerade angetretene Amt disqualifiziert. Das Kulturreferat hätte er mir dann gerne anvertraut, doch darüber werde ich noch detailliert berichten.

Die Erfahrungen aus, von mir organisierten und durchgeführten Tagungen, als auch jener bei denen ich dabei gewesen bin, zeigen, daß von einer zentralen Stelle in Baden-Württemberg nicht alle Gebiete dieses Bundeslandes erreicht werden können. Es spielen dabei sicher verschiedene Gründe eine größere oder geringere Rolle, wobei die der Entfernung sicher im Vordergrund steht. Es kommen zu solchen Veranstaltungen jeweils die Vertreter der im Umkreis gelegenen Gebiete. Die Möbilitätsbereitschaft schwindet, die Leute kommen einfach nicht, je entlegener das entsprechende Gebiet liegt.

Abhilfe könnte dadurch geschaffen werden, daß diese Veranstaltungen in verschiedenen Gebieten abgehalten werden. Darüber wurde schon nachgedacht, auch gute Absichten geäußert; die Veranstaltungen fanden dann doch in und um Stuttgart statt.

Ein Lösungsansatz könnte darin bestehen, daß das Land auf Gebiete dreigeteilt wird und dann bei der Zusammensetzung des Landesvorstandes der Proporz dieser Gebiete berücksichtigt werden müßte und der Vorort des jeweiligen Gebietes dann immer dort sein könnte wo der prominenteste Vertreter dieses Gebietes beheimatet ist.

Eine solche Gebietseinteilung könnte so aussehen:

Siebenbürger Sachsen in den Gebieten Baden-Württembergs

Region (nach Postleitzahlen) Wichtigste Orte Anzahl der Mitglieder / Zwisum.
  Nord 2712
74 Heilbronn / Schwäbisch Hall / Crailsheim 1922
68/69 Mannheim / Heidelberg 399
76 Karlsruhe 399
  Mitte 4105
75 Pforzheim 195
71 Böblingen / Leonberg / Ludwigsburg / Baknang / Waiblingen 1192
70 Stuttgart 699
73 Esslingen / Göppingen / Schwäbisch Gmünd / Aalen / Ellwangen 968
72 Freudenstadt / Tübingen / Sigmaringen 666
89 Heidenheim / Ulm 385
  Süd 1192
77 Offenburg 176
79 Freiburg 461
78 Villingen-Schwenningen / Tuttlingen / Singen 255
88 Biberach / Überlingen / Friedrichshafen 300
  gesamt 8009

Die Veranstaltungen sollten dann für jedes Gebiet separat von den entsprechenden, lokalen Vertretern organisiert werden. Die Kosten würden sich dabei verringern, da der Aufwand für Fahrten kleiner ist. Die Effizienz würde steigen, da mit Sicherheit eine größere Anzahl von Landsleuten daran beteiligt wäre und diese durch lange Anreisen weniger gestreßt, also aufnahmefähiger sind.

 

Neue Situation in Stuttgart

Dass R. Löw bei den Wahlen 95 nicht mehr kandidieren würde, war für alle klar. Es zeichnete sich ab, daß F. Stolz, der in mehreren Jahren als Leiter der Geschäftsstelle Erfahrungen sammeln konnte, den Landesvater beerben würde. Gustav Hamlescher sorgte für eine gelungene Überraschung, indem er Melitta Reich, eine junge Frau vorschlug und zur Kandidatur aufforderte.

Melitta Reich (MR) wurde schon drei Jahre vorher das Landesjugenreferat anvertraut. Es war ihr gelungen - nachdem ihre Eltern schon die KGr. Stuttgart aus der Versenkung geholt hatten und erfolgreich mit Leben erfüllten - die schon Jahre hindurch erlegene Jugendarbeit zu aktivieren. Sie leistete sehr erfolgreiche Arbeit, deren Früchte auch heute noch sichtbar sind. Sehr zum Wohle unserer Gemeinschaft, denn es durfte wieder positiv in die Zukunft gesehen werden. Auch in die tristen Landesvorstandssitzungen brachte sie Bewegung und Esprit.

Meine positive Einschätzung, dieser jungen Frau teilten aber leider nicht genügend Delegierte. Melitta Reich fiel sowohl bei der Wahl zur Vorsitzenden als auch bei der der Stellvertreter durch, und wurde Kulturreferentin, erhielt das Amt, welches sie selber angestrebt hatte.

Dazu einige grundsätzliche / gesellschaftspolitische Anmerkungen: Die Dominanz der Männer und die Angst vor der Jugend sind zwei schlimme Übel unserer Zivilisation. Vor einigen tausend Jahren kannte die Gesellschaft weder die Dominanz der Männer (Androkratie) noch diejenige der Frauen (Matriarchat). Es war dieses eine gleichberechtigte Rollenverteilung, die ihr Ende fand, als die Menschen das Metall und dessen Verwendbarkeit entdeckten, als die Männer damit begannen, Werkzeuge herzustellen und Waffen. Damals mit der sogenannten ersten technischen Revolution entstand die durch das Prinzip der Herrschaft charakterisierte Gesellschaft. Mann ist seither unablässig dabei, etwas erobern zu müssen, egal ob Natur, Frau oder Geschlechtsgenossen. Sollte diese maskuline Dominanz die Gesellschaft und die moderne Technik auch künftig prägen, dann müssen wir ernsthaft um das Überleben der Menschheit fürchten.

Gerade nach dem Fall des eisernen Vorhangs und der Berliner Mauer und dem Sieg der freien Marktwirtschaft erkennen viele, daß weder Kapitalismus noch Kommunismus in ihren gegenwärtigen Erscheinungsformen einen Ausweg, aus den wachsenden ökonomischen und politischen Problemen unserer Zeit bieten. Beide Systeme funktionieren nach den Regeln männlicher Dominanz, und ebendeshalb funktionieren sie im Grunde gar nicht. Erst wenn die Androkratie endgültig abgedankt hat, wird ein politisch und wirtschaftlich gerechtes System in den Bereich des Möglichen rücken.

Gemeint ist damit mehr als ein größeres Maß an Toleranz im Zusammenleben, nach der so viele Stimmen immer wieder rufen. Toleranz läßt den andern mit seiner abweichenden Meinung gelten (in den letzten 8 Jahren gibt es bei uns nur noch die Meinung von HS). Rosa Luxemburg hat dafür ein überzeugendes Zitat geprägt: Freiheit sei immer die Freiheit des Andersdenkenden. Doch so verstandene Toleranz reicht nicht aus, wir müssen einen weiteren Schritt nach vorne tun und den anderen als Partner gewinnen für unterschiedliche, Interessen überwindende, gemeinsame Ziele. Ein solches Ziel kann so allgemein und scheinbar fern sein wie etwa das Zusammenleben aller in Frieden und Freiheit oder die Beseitigung von Not und Elend auf unserem Planeten, oder es kann so besonders und nah sein wie etwa das gemeinsame Handeln mit dem Menschen neben mir, meinem Nächsten. Partnerschaft heißt ethische Verantwortung und ständige Suche nach Gemeinsamkeiten sowie die Anerkennung und Einhaltung von Regeln. Partnerschaft ist aber auch die beste Voraussetzung für erfolgreiche Konfliktbewältigung.

Die Tatsache, daß wir in einer von Männern und männlichen Idealen und Zielen geprägten Gesellschaft leben, verzerrt die Wahrnehmung der Probleme und die Perspektive auf ihre wirksame Lösung. Ein neues Verhältnis der Geschlechter ist unerläßliche Voraussetzung für die Verwirklichung einer friedvollen und partnerschaftlichen Zukunft.

Leider hatten sich die 66 Delegierten bei den oben erwähnten Wahlen nicht mit diesen Prinzipien beschäftigt - unsere Gemeinschaft muß es ausbaden.

Zurück zu der Landesvorstandssitzung 1995: Auch für das Kulturreferat kam es zu einer Kampfabstimmung, die MR dann für sich und zum Wohle der ganzen Landesgruppe entscheiden konnte.

Misch Trein wurde Landesvorsitzender. Ich war enttäuscht, obwohl im Nachhinein festzustellen ist, daß er einer von wenigen aus diesem Gremium ist mit dem ich gut zusammengearbeitet habe. Er schenkte mir Vertrauen und ich konnte mehr als je zuvor mitarbeiten und mitgestalten und zwar erfolgreich und zum Nutzen aller Kreisgruppen.

Mit M. Trein verbindet mich sowohl die gleiche Altersstufe als auch die gemeinsame politische Prägung. Mit einem wesentlichen Unterschied, daß ich mich meiner roten Vergangenheit nicht schäme sondern kein Hehl daraus mache und dazu stehe. M. Trein ist zwar auf der kommunistischen Karriereleiter weit höher gestiegen als ich, er war immerhin Bürgermeister von Tartlau und ein solches Amt wurde nur überzeugten Kommunisten zugestanden. In ein solches Amt wurde man nicht gewählt sondern durch die Kreis-Partei-Führung eingesetzt. Nun versicherte er mir, heute ein überzeugter Christdemokrat zu sein. Daß M. Trein nach einer solchen Vergangenheit eine verantwortungsvolle Stellung im Dienste des Landes Baden-Württemberg bekleiden konnte und noch vieles mehr, zeugt von seiner außergewöhnlichen Geschäftstüchtigkeit.

Nun war also MR Kulturreferentin und ich weiterhin Pressereferent - zusammen mit Otto Depner, der nach dreijähriger Abwesenheit erneut in den Landesvorstand zurückgekehrt war. MR und M. Trein schienen sich gut zu verstehen, zumal es letzterem wichtig war, in den Genuß von Fördermitteln für die kulturelle Breitenarbeit nach § 96 zu kommen und MR, unterstützt durch ihren Mann, der sowohl beruflich als auch ehrenamtlich einschlägige Erfahrungen hatte und an den Schaltstellen des Genehmigungsverfahrens saß, die Voraussetzungen dafür brachte.

Nicht so wohlwollend waren andere Herrschaften die mit diesem § 96 BVFG in der Vergangenheit nicht umgehen konnten und auch gar nicht davon Gebrauch machen wollten. R. Löw sagte, die Kreisgruppen haben genügend Geld. Bei jedem Jahreswechsel wies er zwar auf die Existenz dieses Förderparagraphen hin, hatte es aber in rund 2 Jahrzehnten nicht verstanden, die Tücken eines komplizierten Antrags- und Nachweisverfahrens zu beherrschen und weiter zu vermitteln. Es war einfacher, die Sparschraube anzuziehen als Gelder zu beschaffen, obwohl der Gesetzgeber diese zur Wahrung unseres Kulturgutes bereitstellte. Als nun MR diese Fördermittel zugänglich machte; es verstanden hatte bei den meisten Kreisgruppen Interesse dafür zu wecken und sie mit Antrags- und Abrechnungsverfahren vertraut gemacht hatte, sahen sich diese "Herrschaften" eines besseren belehrt und konnten sich nicht an den Erfolgen freuen, sonder mußten gegen MR argumentieren. So war A. Mrass schon 1995 der Meinung, daß die in den Kreisgruppen erbrachten kulturellen Leistungen bei weitem nicht den bereitgestellten Fördermitteln entsprechen würden. Er lobte zwar am 23.9.95 in Ludwigsburg die Arbeit der jungen Kulturreferentin, stellte aber fest, daß erst bei einem Gesamtvolumen von 236.000 DM (Kosten für kulturelle Breitenarbeit) die 78.000 DM Zuwendungen (Gelder, die das Innenministerium 95 zur Verfügung gestellt hatte) auch nachgewiesen und behalten werden können. Auch andere konservative Stimmen (ehemalige Landeskulturreferenten) meinten, daß wir Probleme mit der Belegung dieser Summe bekämen und lieber zurückstecken sollten.

MR führte 95 in Esslingen und 96 in Nordheim sehr erfolgreiche Landeskulturtagungen, übers Wochenende, von Freitagnachmittag bis Sonntagabend, durch. 1996 hatte ich daran teilgenommen. Der Bundeskulturreferent, Hans-Werner Schuster war auch dabei und lobte diese Arbeit als beispielhaft für das gesamte Bundesgebiet und würdigte die sehr vielschichtige und engagierte Arbeit dieser Kulturreferentin. Für mich war die Tagung in Nordheim das schönste und beste Erlebnis innerhalb der Landesgruppe überhaupt.

Mangelnde Unterstützung seitens derer, die das Sagen im Landesvorstand hatten, überzogene Forderungen bei der Nachweisführung und Antragstellung durch Bürokraten des Innenministeriums, gepaart mit verschiedenen anderen Problemen - vor allem das unentschlossene handeln von M. Trein - führten dazu, daß MR im Januar 97 das Handtuch warf.

Für die Arbeit im Landesvorstand ganz allgemein und im speziellen für diese zentrale Kulturarbeit bedarf es des kollektiven Engagements. Gerade dieses hat es im Landesvorstand nie gegeben! Eigentlich hätte sich MR in erster Linie um kulturelle Aktivitäten in den Kreisgruppen kümmern müssen und nicht um Fördermittel. Die Besorgung der Mittel wäre doch vor allem Sache des Kassenwarts, dessen Referat sich "Finanz- und Verwaltungsreferat" nennt, dem in einer so wichtigen Sache beigestanden werden muss und ganz speziell Aufgabe des stellvertretende Landesvorsitzenden ist, der - laut Aufgabenverteilung - für die Kulturarbeit zuständig ist. Kurt Wagner und Alfred Mrass sorgten aber eher für atmosphärische Störungen und die Entmutigung der Kulturreferentin.

Das Kulturreferat war nicht mehr besetzt, der Verwendungsnachweis für das Jahr 96 und der Antrag für das Jahr 97 mußten dringend, (man befand sich schon im Verzug), beim Innenministerium abgegeben werden. Die beiden oben genannten, wollten oder konnten diese Arbeit nicht durchführen und M. Trein bat mich sie zu machen. A. Mrass übergab mir eine große Reisetasche voller Leitzordner - Termin Mitte des Monats Februar 97 - am 28.2.97 hatte ich den Nachweis 96 abgegeben und am 5.3. war auch der Antrag 97 beim Innenministerium. Für diese Arbeit, die damit noch lange nicht abgeschlossen war - es folgte noch viel Korrespondenz, Telefonate, Faxe, Besprechungen beim Innenministerium - nach Begegnungen zwischen Staatssekretär Wabro und M. Trein, mit tatkräftiger Unterstützung von Albert Reich; alles sicher mit viel Aufregung und Emotionen verbunden, erhielt ich öffentliche Danksagungen. Ich wurde aber dem Gefühl nicht los, daß der eine oder der andere die Sache am liebsten gescheitert gesehen hätte.

Es kam am 5.April 1997 zu einer spannenden, wenn auch nicht erfreulichen Landesvorstandssitzung. M. Trein war nicht anwesend und A. Mrass mußte die turbulente Tagung leiten. Diese wurde beherrscht vom Rücktritt der Kulturreferentin. Viel Lob für MR, und Kritik für die Verantwortlichen. In einer Vorlage hatte ich den Rücktritt von M. Trein und A. Mrass gefordert Diese Vorlage wurde aber nicht vorgelegt, erneut ein Beweis unterdrückter Meinungsäußerung. A. Mrass erwähnte zwar daß diese Forderung angekommen sei, sie aber nicht als gerechtfertigt betrachtet werden könnte. In meiner Stellungnahme bekannte ich mich zu diesem Rücktritt - Forderung und bekräftigte sie und bin auch heute noch der Meinung, daß dieses ein Akt politischer Verantwortungsübernahme gewesen wäre.

Die Teilnehmer an dieser Sitzung beauftragten A. Mrass, die abgetretene Kulturreferentin zur Wiederaufnahme ihrer Tätigkeit zu überreden. Dieses ist ihm auch gelungen und ich war froh, am 28.11.97 zusammen mit MR den Nachweis 97 und Antrag 98 vorbereiten zu können. Ich hatte ihr nämlich schon im Vorhinein versprochen, sie auch in Zukunft bei dieser Arbeit zu unterstützen.

Bei der Herbsttagung des Landesvorstandes hatte sich die Stimmung, nachdem alles so schien, als ob ein geregelter Ablauf wieder möglich sei und MR erneut an Bord war, gegen diese gewandt. Ihren Antigönnern war es gelungen, Thesen in Umlauf zu bringen, daß dieses hohe Gremium von den jungen Leuten nicht mehr an der Nase herumgeführt werden dürfte und MR in ihre Schranken gewiesen werden müßte.

Bei der Vorstandssitzung vom 28.2.98 spitzte sich diese Atmosphäre bis zu den unmöglichsten Attacken gegen unsere Nachfolgegeneration zu. Es sollten so die anstehenden Wahlen, im April, eingeläutet werden. Bei dieser Gelegenheit wurden die Amtsträger befragt, ob sie erneut kandidieren wollten. Zugesagt hatte auch ich. Bei der Einsicht der darauf verteilten Unterlagen für die Delegiertenversammlung stellte ich fest, daß mich die "Herrschaften" eine Spalte nach links als zweite Wahl gerückt hatten, ohne vorherige Absprache!

Getreu meiner Überzeugung, wonach:

das Schicksal jeder Gemeinschaft davon abhängt, wie sie es versteht mit ihrer Nachfolgegeneration umzugehen;

dass wir vor drei Jahren eine große Chance vertan haben, indem wir MR das Vertrauen nicht gegeben hatten und es uns die Bayern bewiesen haben, daß eine junge Frau sehr wohl einer Landesgruppe vorstehen kann;

dass wir uns die Frage stellen müssen: "Braucht unsere Nachfolgegeneration, also jene ab 1960-65 Geborenen uns, die wir mit halber Rente unser Leben fristen müssen oder brauchen wir, die Erlebnis- und Vorgängergeneration die Jungen?"

dass unser politisches Versagen daran schuld ist, daß Sparmaßnahmen auf dem Rücken der Spätaussiedler getätigt werden, und

dass nur die jungen Menschen, die hier in der freiheitlichen Demokratie aufgewachsen und ausgebildet wurden, in der Lage sind, mit politischen und gesetzgebenden Vertretern dieses Staates zu kommunizieren und die Interessen der SbS erfolgreich vertreten können;

hatte ich mich im Vorfeld dieser Delegiertenversammlung, dafür eingesetzt dass MR Landesvorsitzende werden solle. In diesem Sinne hatte ich auch alles in meiner Macht stehende unternommen.

Dass es, wie weiter oben beschrieben anders gekommen ist, kann ich nur bedauern. Dass gerade A. Mrass Vorsitzender wurde, der auf der Seite derer stand, die vor und während MRs Amtsperiode nicht gerade zum Wohle unserer Gemeinschaft agiert haben, läßt ahnen, daß sich so bald auch nichts ändern wird.

Wenn viele von mir angeprangerte Mißstände nicht materiell erfaßbar sind, so ist dieses im Falle der Fördermittel nach § 96 sehr wohl möglich. Ein dafür einzusetzender Ausschuß könnte, mit höchster Genauigkeit feststellen um wieviel Hunderttausend DM unsere Gemeinschaft durch solches Handeln geschädigt worden ist. Auch Vergleiche mit andern heimatvertriebenen Verbänden sind heranzuziehen.

Zu verurteilen sind auch diesesmal nicht die Gewählten, sondern die, die gewählt haben. Es ist nur sehr verwunderlich, wie sich unsere Delegierten immer wieder auf die falsche Seite stellen können - schade!

Von MR und ihrem Mann wurde mir und anderen Freunden vorgeworfen, bei der Delegiertenversammlung nicht, "Das Maul aufgetan gehabt zu haben". Dazu ist folgendes zu sagen: Die erwähnte, wahlvorbereitende Vorstandsitzung vom 28.2.98, bei der MR nicht anwesend war, hatte für schlechte Stimmung gesorgt. Der nun scheidende Kassenwart hatte dem noch einen drauf gesetzt indem er in einer Vorlage bei den Unterlagen für die Delegiertenversammlung sehr massiv gegen MR polemisiert hatte. MR fühlte sich zu recht angegriffen und präsentierte eine Gegenvorlage. Vor Beginn der Versammlung bat ich MR von weiteren Auseinandersetzung Abstand zu nehmen, da man die Delegierten nicht vor den Kopf stoßen darf und an einem solchen Tag nur das Wahlergebnis wichtig sei.

MR hatte dieses nicht beherzigt und sich im Laufe der Debatten sehr engagiert und für meinen Begriff unangemessen - der Situation nicht Rechnung tragend - weiter provozieren lassen; die Taktiker sahen ihre Rechnung aufgehen und ich die Chancen eines richtigen Durchbruchs immer mehr schwinden. Natürlich hätte ich, hätten wir einspringen können, da uns aber die Wahl von MR als Kulturreferentin nach wie vor nicht gefährdet schien, unterließen wir dieses - es hatte keinen Sinn. Dass MR dann das Handtuch erneut hingeworfen hatte, war zwar erklärbar - sie war entnervt und sah sich aller Unterstützung bar - kam aber doch überraschend. Sie hätte Kulturreferentin sein können und ich hätte sie, wie versprochen gerne unterstützt, sei es auch von der Position eines Beisitzers aus. MRs Stolz war größer als ihre Bereitschaft weiter zu kämpfen. Ich solidarisierte mich mit ihr, ließ also auch meinen Stolz siegen und glaube, daß beides falsch und zum Schaden unserer Gemeinschaft war. Ein kleiner Trost bleibt mir und hoffentlich uns allen, mit der Tatsache daß doch einige Hoffnungsträger in wichtige Ämter gekommen sind.

Allen voran Johann Lauer, der auch den Landesvorsitz angepeilt hatte, durch seinen mangelnden Bekanntheitsgrad aber nur sehr geringe Chancen hatte. Zum Zweiten ist es Michael Konnerth. Er kennt die Arbeit an der Basis, er weiß was Rechtsfähigkeit bedeutet, er ist ein ausgewiesener und hochqualifizierter Fachmann der neuen Medien und wird sicher zum Wohle der anderen Kreisgliederungen agieren. Wenn es diesen beiden gelingt, Rainer Lehni, Gerhard Botsch, Ines Grempels, Gustav Hamlescher und die anderen jungen Vorstandsmitglieder auf ihre Seite zu bekommen, so wird es vielleicht möglich sein, den konservativen Kräften Paroli zu bieten - wenn es auch sehr schwierig sein wird. Unsere Gemeinschaft braucht neue Impulse um den Anforderungen der Zukunft gerecht zu werden.

 

Unser Vereinsheim

Einiges habe ich dazu schon erwähnt, aber richtig ernst sollte es erst viel später werden. Die erbrachten Vorleistungen mussten erst reifen.

Die in Göppingen stationierten amerikanischen Streitkräfte zogen in den Golfkrieg. Von dort kamen sie nicht mehr nach Göppingen. Der Göppinger Standort verwaiste immer mehr, die Übergabe vom Bund auf die Kommune verzögerte sich, es vergingen 4-5 Jahre.

Schon bei dem erwähnten Übernahmeverfahren kamen vier Offiziersvillen in die Schlagzeilen. Diese, während des zweiten Weltkrieges für die Wehrmacht gebauten Häuser, wurden danach von amerikanischen Offizieren bewohnt und sind, außerhalb des geschlossenen Militärstandortes in Richtung Stadt gelegen und vollkommen von Sportanlagen umgeben. Der Stadtverwaltung war aus Präzedenzfällen bekannt, daß eventuelle Mieter dieser Häuser vor den Gerichten Recht bekommen würden, wenn sie sich wegen Lärmbelästigung beschweren. Daher kam ein Vermieten oder der Verkauf Zwecks Bewohnung nicht in Frage, obwohl die Lage ansonsten sehr malerisch ist. In der Lokalpresse wurde ein Beschluß des Gemeinderates bekannt, wonach diese vier Gebäude abgerissen werden sollten - vielleicht auch ein taktischer Schachzug um an Waigel weniger bezahlen zu müssen.

Im Sommer 1995 hieß es dann, die Abrißbirne kommt doch nicht und die Villen werden der Nutzung durch Vereine frei gegeben.

Diese Meldung gab den Anstoß, unsern Bedarf erneut dem Oberbürgermeister zu unterbreiten. Es folgte wieder eine spannungsgeladene Zeit; viel Korrespondenz, mehrere Gespräche mit dem OB, unter vier Augen und in größeren und kleineren Runden. Bei einer dieser Runden war der OB fest davon überzeugt, daß wir vom Gemeinderat berücksichtigt und das Haus Nr. 36 in der John-F.-Kennedy-Str. bekommen würden. Der OB gab mir detaillierte Anweisungen zur Erstellung der Antragsunterlagen, so daß sie den Gemeinderat überzeugen könnten. Das Konzept stimmte und doch war der Gemeinderat der Meinung, die Villen immer jeweils an zwei Bewerber zu geben. Uns wurde nahe gelegt uns mit dem Hohenstaufengau, der zum Deutschen Sängerbund gehört und dem gut 65 Chöre unseres Kreisgebietes angehören in Verbindung zu setzen und eine gemeinsame Nutzung auszuloten.

Zwei Probleme machten unsere Sache noch spannender. Zum einen die Tatsache, daß wir nicht rechtsfähig waren und es daher für die Stadt ein zu großes Risiko bedeutete, quasi Privatpersonen ein Haus anzuvertrauen und zum zweiten die Anbindung an die Stadt - das leidige, unverständliche Gebilde Kreisgruppe. Bei Nichtlösung dieser Probleme hätte es kein Haus gegeben.

Nach außen waren unsere über Jahre währenden Insistenzen um ein Vereinsheim bekannt und nach innen meine Bemühungen um neue Strukturen unserer Organisation auch. Mit meinen Landsleuten vor Ort hatte ich mehr als genug darüber gesprochen, in der Landesgruppe gab es die Formulierungen des Arbeitskreises von 1991 und der Verbandstag war durch meinen Antrag von Drabenderhöhe auch eingeweiht - V. Dürr und andere Amtsträger sowieso.

Es konnte also und mußte sogar gehandelt werden, auch ohne den Segen von oben, den ich mir sehnlichst erwünscht hätte und um den ich mich auch redlich bemüht hatte.

In Göppingen entstand somit parallel und in Personalunion zur Kreisgruppe ein Verein. Daß die Landsleute in Göppingen da mehr Verständnis an den Tag gelegt hatten als jene von Stuttgart oder aus dem Bundesvorstand, dafür bin ich allen sehr dankbar. Sie sind nun schon im dritten Jahr Nutznießer einer Einrichtung die auch wirklich genutzt wird und beispielhaft auf Bundesebene ist.

Nach einigen Begegnungen konnte eine Satzung dem Registergericht vorgelegt werden, dieses hatte sie dann nach allen rechtlichen Vorschriften überarbeitet. Mit einem neuen Beschluß der Mitgliederversammlung (die Mindestanzahl der Beteiligten ist 7 Menschen) für die überarbeitete Satzung, dem Sitzungsprotokoll und der Liste des gewählten Vorstandes - wo wir bemüht waren Leute mit Wohnsitz in Göppingen vorzuweisen, um die Zugehörigkeit zur Stadt nicht zu gefährden - ging es erneut zum Registergericht (die Unterschriften der Vorsitzenden mußten von einem Notar beglaubigt werden) und zum Finanzamt wegen des Erlangens der Gemeinnützigkeit - als besonders förderungswürdig.

Sowohl beim Amtsgericht als auch beim Finanzamt gibt es Fachleute, die den Vereinen zur Seite stehen. Aus unserer Erfahrung ist es ratsam, zu erst diese Leute aufzusuchen um wiederholte Mitgliederversammlungen zu vermeiden.

Somit waren wir nun e.V.. In Stuttgart und München waren die "Herrschaften" etwas schockiert. Nur mit Gegenargumenten konnten sie nicht aufkreuzen und akzeptierten die geschaffenen Tatsachen - wahrscheinlich in der Hoffnung, daß die aus Göppingen Exoten bleiben und es kaum Nachahmer geben wird - eine komische Sicht der Dinge. Wenn diese Leute der Gemeinschaft tatsächlich förderlich sein wollten, so hätten sie spätestens zu dem Termin intensive Gespräche über dieses Thema ins Rollen gebracht. Aber bis heute ist nichts geschehen. Schlußfolgerungen überlasse ich gerne dem jeweiligen Leser, er sollte dabei auch die Thematik der Steuern in seine Analyse einbeziehen.

Am 22. März 1996 kam es zur feierlichen Unterzeichnung des Mietvertrages, mit Zusatzvereinbarung zwischen den beiden Mietern. Danach überläßt uns die Stadt für vorerst 10 Jahre besagtes Objekt gegen eine symbolische Miete von 1 DM pro Jahr. Renovierung und alle weiter anfallenden Kosten gingen und gehen zu Lasten der Mieter. Nun kam uns ein zahlungsfähiger Partner sehr genehm.

Der Hohenstaufengau hatte erfahrene Fachleute und erstellte einen detaillierten Renovierungsplan, die Arbeiten wurden auch von diesen Fachleuten überwacht, aber zum größten Teil von uns SbS durchgeführt, auch zur weiteren Wartung des Hauses hatten wir uns verpflichtet. In den nächsten drei Monaten wurde fleißig gearbeitet, unsere Landsleute hatten großes Verständnis an den Tag gelegt, es fehlte niemals an Arbeitskräften und für mich, als Frührentner war es eine wunderschöne Zeit. Mit Landsleuten Tag für Tag zusammen arbeiten zu können und miteinander zu sprechen war etwas Schönes, sehne mich richtig nach einer ähnlichen Aufgabe.

Am 6.7.96 fand die feierliche Einweihung in einem großen Zelt statt, das im Garten der Villa aufgestellt worden war. Prominenz aus Verwaltung, Politik und den verschiedensten Vereinen der Stadt waren zugegen. Auch der CDU Bundestagsabgeordnete Klaus Riegert war dabei und ich sprach ihn öffentlich auf die sich anbahnende Rentenkatastrophe an.

Auch R. Löw war dabei, er lobte uns und versprach mir bei seiner Abreise seine tatkräftige Unterstützung, bei Bedarf. Kurz darauf erinnerte ich ihn an die dringend notwendigen Strukturreformen. Er wimmelte erneut ab mit der Begründung, ich hätte keine konkreten Maßnahmen erarbeitet und sei immer nur mit Andeutungen auffällig geworden. Wie es wirklich war, habe ich in diesem Bericht zur Genüge geschildert, urteilen Sie selbst. Wenn mir jemand sagen kann, wie und was ich in dieser Sache noch tun kann, würde ich mich darüber sehr freuen - im Interesse unserer Gemeinschaft.

Noch eine Bemerkung, in dieser Sache, sei mir erlaubt: Wenn die uns eigentlich fremden Menschen, der Stadtverwaltung, vor allem der Oberbürgermeister, die Leute vom Registergericht und vom Finanzamt, mir so wenig Vertrauen entgegen gebracht hätten wie es mir mit meinen Landsleute ergeht, dann hätten wir auch heute noch kein Vereinsheim. Diese bittere Einsicht muß ich immer wieder erleben.

Seither findet wöchentlich wenigstens eine Veranstaltung in der Villa statt. Nicht nur unsere Kreisgruppe/e.V. sondern auch die Landesgruppe profitiert davon und auch Gäste des Bundesvorstandes waren schon dabei. Es werden sicher noch einige folgen.

Oberbürgermeister Hans Haller, der uns so wohl gesinnt war und inzwischen den wohlverdienten Ruhestand genießt, wurde von uns geehrt. In der Mitgliederversammlung vom Frühjahr 97 konnte ich ihm unsere Silberne Ehrennadel anheften, er hatte sich darüber gefreut, wenngleich er mit viel wichtigeren Ehrungen aufwarten kann.

Mit der Stadt Göppingen muß auch in Zukunft das gute Verhältnis gepflegt werden. Ein Drittel der anberaumten Miet-Zeit ist schon vergangen, bald auch die Zehnjahresmarge und der Vertrag soll noch einigemal aufgelegt werden. Nur wenn in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule, die Leute kennen uns und sind uns wohlgesinnt, Vorträge und andere kulturelle Leistungen erbracht werden, die öffentliche Anerkennung finden, wird dieses möglich sein.

Das Vereinsheim sollte Begegnungsort für möglichst viele Landsleute sein &ndash eine Einrichtung wo Leute mit gleichem Schicksal sich treffen können, wo sie ungestört miteinander reden können um all dem was sich in ihrem Unterbewusstsein angesammelt hat abzubauen. Das setzt voraus, dass vielen Leuten der Zugang gewährt wird und dass die Einrichtung rund um die Uhr genutzt wird - Idealzustand 100 % Nutzung.

Nach einigen Jahren müssen wir feststellen, dass dieses nur zum Teil erreicht wurde. Einige Gruppen haben sich etabliert, treffen sich regelmäßig und gerne in der Villa (Vereinsheim), es bleiben aber immer nur diese, recht wenigen Gruppen mit einer begrenzten - auch durch die Größe der Räume (Platzmöglichkeiten) gegebenen Möglichkeiten - Anzahl von sozusagen privilegierten Leuten. Alle Aufforderungen, noch mehr und neue Gruppen zu bilden haben nichts gebracht, schwer zu erklären aus welchen Gründen aber leider wahr und schade. Um da Abhilfe zu schaffen habe ich mehrfach, in erweiterten Vorstandssitzungen und auch in kleinem Kreis vorgeschlagen die bestehenden Gruppen zu teilen, aus einer zwei, drei oder auch mehr Gruppen zu machen und dementsprechend einer größeren Anzahl von Landsleuten die Teilnahme zu ermöglichen. Der Vorschlag wurde nicht angenommen und wir haben weiterhin eine Situation in der das Haus nicht wirklich richtig genutzt wird und gleichzeitig ein großer Teil unserer Leute keinen Zugang zur Villa finden. Alle etablierten deutschen Vereine sind bemüht und tun etwas um zukunstsfähig zu bleiben, das geschieht indem die Kinder und Enkelkinder der Mitglieder in die Vereinstätigkeiten einbezogen werden. Bei uns gab es dafür die Nikolausfeier, für Kinder in der Vorweihnachtszeit. Dieser Programmpunkt hatte in den ersten Jahren Erfolg, der aber immer mehr nachließ und schließlich wegen mangelndem Interesse nicht mehr weiter geführt wurde. In diesem Sinne hatte ich vorgeschlagen, die aktiven Gruppen sollten in der Adventzeit, für und mit ihren eigenen Kinder bzw. Enkelkinder solche Begegnungen der Nachfolgegenerationen organisieren und durchführen. Leider hatte auch dieser Vorstoß keinen Zuspruch gefunden und wir wursteln weiterhin der Vergreisung und schließlich dem Ende unserer Gemeinschaft entgegen.

 

Querdenker und der Begriff Heimat.

Quasi als Epilog habe ich zu diesen beiden Begriffen einiges zusammengestellt - natürlich nach Aussagen von Fachleuten.

In den Augen einiger meiner Wegbegleiter mag ich ein Querulant sein, der ihre Kreise stört. Die Bezeichnung Querdenker, lasse ich mir eher gefallen. Es ist dieses ein Begriff, der in vielen gesellschaftlichen Bereichen positiv verstanden wird.

Was aber ist ein Querulant?

Daniel Goeudevert (er saß im Vorstand von Ford, VW und andern Konzernen) hat das Buch "Wie ein Vogel im Aquarium" geschrieben und daraus stammen meine Erläuterungen. Er übersetzt diesen Begriff ins Französische und eine Rückübersetzung ins Deutsche lautet: derjenige der verhindert, daß man sich im Kreis dreht. Und in der Tat wird ein Querdenker sehr schnell ungeduldig bei Routinetätigkeiten, Wiederholungen und in Detailfragen.

Ein Querdenker ist nicht gegen das System, er sucht nur nach andern Wegen, um Probleme zu lösen, die auf Grund ihrer Komplexität schwer definierbar geworden sind. Mit andern Worten, er sucht manchmal nach einem ihm selbst nur unpräzise vorschwebendes Ziel. Deswegen ist er auch bereit, unbekannte Wege zu betreten.

Sein Kopf funktioniert wie ein Trichter oder besser: sein ganzes Wesen. Denn er steht mit all seinen fünf Sinnen im Einsatz, ja ich würde sogar sagen sechs, und als den sechsten Sinn die Intuition benennen. Anders ausgedrückt arbeitet ein Querdenker wie ein Fotoapparat mit Weitwinkelobjektiv, das heißt er erfaßt das Bild etwas unscharf, packt aber viele Elemente hinein.

Ganz anders handelt der sogenannte Macher (auf Englisch: der doer), der mit der Pipette arbeitet. Mann weiß genau wieviel der oben hinein gießt, und ebenso berechenbar ist, was unten herauskommt und mit welcher Geschwindigkeit.

In solchen Kategorien läßt sich ein Querdenker schwerlich messen. Sein Maß sind Inspiration und Phantasie. Und die sind bekanntlich nicht quantifizierbar und folglich nicht so einfach einer Erfolgskontrolle zu unterziehen.

Und doch haben sie, folgt man Albert Einstein, selbst in den nüchternen Naturwissenschaften ihre Berechtigung: "Ich glaube an Intuition und Inspiration, und das ist wichtiger als Wissen. Denn Wissen ist begrenzt, während Phantasie die ganze Welt umfaßt, den Fortschritt anregt und Bewertung auslöst. Streng betrachtet ist es ein realer Faktor in der wissenschaftlichen Forschung.

Daß die Kraft der Phantasie durch keine noch so ausgeklügelte technische Rationalität zu übertreffen ist, hat der russische Schachweltmeister Kasparow bewiesen, als er gegen den modernsten Computer spielte und - gewann. Nehmen wir an, der Computer hätte bei diesem Spiel die Schachzüge registriert und Kasparow spiele von neuem gegen den Computer. In dieser Runde würde er dann gleichsam gegen sich selbst spielen. Gewänne er immer noch?

Ich würde Wetten auf Kasparov abschließen und will mir den Glauben auch nicht nehmen lassen, daß - was immer die Computerfirmen an noch modernerer, noch ausgeklügelterer Technologie auf den Markt bringen werden - der phantasievolle Mensch die modernste Maschine immer wird schlagen können.

Wenn Phantasie also ein entscheidender Faktor in der Wissenschaft ist, dann ist sie es auch im Management.

Querdenker arbeiten nicht unbedingt regelmäßig, sondern viel mehr emotional und in Energieschüben. Einer meiner Assistenten nannte das Flatterhaftigkeit, eine weniger schmeichelhafte Bezeichnung, die aber zumindest das äußere Bild, das ein Querdenker bietet, trifft.

Er produziert dauernd Gedanken, die noch nicht sortiert sind. Er braucht daher jemanden, der sich des Sortierens seiner Gedanken annimmt, diese gegebenenfalls in eine andere Ordnung bringt und sie im Hinblick auf ihre Umsetzbarkeit durchleuchtet.

Das ist auch der Grund, weshalb der Querdenker in weit größerem Ausmaß als der Macher auf ein Team angewiesen ist. Ja, er ist grundsätzlich ein Manager des Teams und ein ausgezeichneter Förderer des Teamgeistes, weil das in seinem ureigensten Interesse ist.

Andererseits ist er zuweilen unbequem: Sein ausladender Trichter bringt es mit sich, dass für das Team nicht immer sofort ersichtlich ist, wohin die Reise gehen soll, was zu Verunsicherung führen kann, nicht aber Orintierungslosigkeit bedeutet: Der Trichter faßt zwar ungeheuer viel, nimmt aber nicht wahllos auf, sondern selektiert und verarbeitet dabei auch.

Mit andern Worten: Eine gewisse Orientierung ist da, auch wenn das Ziel noch nicht genau definiert ist. Das fordert vom Team ein gewisses Maß an Verständnisbereitschaft, Interprätationsfähigkeit und Kreativität.

Das Team des Machers dürfte mit andern Problemen zu kämpfen haben. Wo kurzfristig spektakuläres bewiesen werden muß, wird die Fähigkeit zu denken und mitzudenken wenig gefördert, vielleicht sogar im Keim erstickt. Alle Hoffnungen richten sich auf den Mann an der Spitze.

Es liegt aber fern, behaupten zu wollen, der Querdenker sei besser als der Macher oder irgendeine andere Ausprägung der Gattung Manager. Ich bin auch überzeugt, daß zwei Macher zusammen nicht doppelt Spektakuläres leisten, genau sowenig wie zwei Querdenker doppelt Phantasievolles. In der heute so komplex gewordenen Welt mit ihren riesigen Herausforderungen braucht es eine wohlbedachte Mischung unterschiedlicher Managertypen, die sich komplementär ergänzen sowie tolerant genug und motiviert sind, um mit Ausdauer am gemeinsamen Ziel zu arbeiten.

Das impliziert eine Philosophie des "Sowohl-Als-Auch", die in unserer rationalisierten Welt, wo man sich alleweil des scheinbar bequemeren "Entweder-Oder" bedient, einen schweren Stand hat: Es ist heute kein einfaches Unterfangen, dem Publikum nahezubringen, dass "das Prinzip des Regenbogens", die Gleichberechtigung aller Farben des Spektrums, große Vorteile birgt gegenüber dem Prinzip der Scheuklappen, das letztlich gleichsam blind für die Farben macht, weil es immer wertend für nur schwarz, nur weiß, nur grün, nur blau etc. plädiert.

Ich bekenne mich zu einer offenen Kommunikationskultur. Sie ist der Boden auf dem Inspiration, Vision und Motivation gedeihen.

Ich plädiere für die Intuition und vielleicht kann ich den Querdenker auch so definieren: Ein Querdenker ist, wer seine Intuition nicht zu zügeln sucht, sondern sich davon führen läßt, indem er immer auch dem ganzen weiten Umfeld und dessen Reaktionen Rechnung trägt.

Bedenken wir, daß das Zeitalter des Rationalismus nicht mehr als nur 300 Jahre alt ist. In diesem Zeitraum hat die Wissenschaft ungeheure Fortschritte gemacht und uns ebenso ungeheure Exzesse beschert: in der Technologie, beim Konsum, in unserem Verhältnis zum Geld, bei der Konzentration der Macht in den Händen weniger etc..

Wollen wir zu einem Gleichgewicht zurückfinden, dann muß der Intuition auch bei Führungskräften zu ihrem Recht verholfen werden - auch wenn dieses vielen bestenfalls ein verächtliches Lächeln entlocken wird.

Soweit Goeudevert. Ich finde seine Beschreibungen ohne weiteres vergleichbar mit dem was ich in den letzten zwei Jahrzehnten hier in unserer Gemeinschaft erleben mußte. Glaube dass, wenn wir uns einiges davon aneignen könnten, es unserer Gemeinschaft nicht schaden würde.

In der Juliausgabe 1998 des Magazins P.M. erschien der Artikel "Heimat". In diesem Artikel kommen Soziologen, Psychologen und andere bekannte Persönlichkeiten zu Wort Daraus nun ein kurzer Auszug:

"Das Heimatidyll ist oft ein Wunschtraum, ein rosaroter Anstrich für die graue Realität.

Je bedrohlicher wir die Wirklichkeit empfinden, desto stärker wird die Sehnsucht nach dem heimatlichen Paradies. Je "Entwurzelter man sich fühlt, desto stärker wird das Heimatbedürfnis"

Tatsächlich war Heimat auch in der guten alten Zeit wenig heimelig. Das deutsche Wort kommt vom urgermanischen "haima" und das bedeutet "bekannte Welt", aber auch Universum - ein recht abstrakter Begriff also.

Zum Begriff des Idylls wurde die Heimat erst vor zweihundert Jahren. Anlaß war auch hier eine tiefe Verunsicherung: Ende des 18. Jh. brachte die beginnende Industrialisierung die alte Ordnung ins Wanken, und nun begann man, die Vergangenheit zu idealisieren - Heimat war gleichbedeutend mit dem verlorenen Paradies. Der Bauer, der im Märzen die Rösslein einspannt, wurde zum Sinnbild bäuerlicher Romantik - über die Not der Bauern durch Krieg und Unwetter sah man großzügig hinweg.

Dafür wurden Sündenböcke herangezogen. Indem man gegen Hexen, Juden, Sinti und Roma vorging, konnte man das zerstörte Selbstwertgefühl siegreich wieder aufrichten.

Noch vor 100 Jahren verbrachten die meisten ihr Leben an dem Ort, in dem sie geboren wurden, heute zieht man im Laufe des Lebens mehrmals um. Millionen leben überhaupt nicht mehr in ihrer Heimat, sondern in der Fremde.

Ist Heimatlosigkeit der Preis der Freiheit? Es kommt darauf an, wie man die Sache sieht: Die Heimat früherer Jahrhunderte haben wir tatsächlich verloren. Allerdings sollte man dem Idyll vergangener Tage nicht nachtrauern: "Diese alte Heimat war aus heutiger Sicht nicht nur eine schön bestickte Trachtenjoppe, sondern auch eine Zwangsjacke. Eine Alternative ist es, Heimat nicht in der Vergangenheit, sondern im Hier und Jetzt anzusiedeln."

"Heimat ist da, wo ich jetzt bin, und in dem was ich jetzt tue. Heimat ist, was man sich selbst geschaffen hat und wofür man selbst verantwortlich ist, worauf man also auch stolz sein kann."

Die Gestaltung einer persönlichen Heimat nennen die Forscher "sich beheimaten".

Im Gegensatz zum passiven Schwelgen in einem diffusen "Heimatgefühl" sprechen sie von der aktiven Suche nach "Heimatbewußtsein". Um dieses neue Bewußtsein zu erlangen, muß Heimat aber erst einmal "entdämonisiert und vom Vorwurf und Ruf beschränkter Irrationalität und Provinzialität freigesprochen werden und als rationale und kritische Kategorie in die Forschung und den öffentlichen Diskurs Eingang finden". Das neue Heimatbewußtsein hat nichts mehr mit nostalgischer Träumerei zu tun, es wird stattdessen zur Aufgabe der Gegenwart.

Es gibt viele neue Wege zu dieser "neuen Heimat": Man kann eine Familie gründen; ein Häuschen kaufen, in dem man sich wohl fühlt; einen großen Freundeskreis aufbauen, der einem Rückhalt gibt; einer Partei beitreten und sich so eine geistige Heimat schaffen. Der Vorteil der selbstgewählten "Heimaten": Jeder kann sie nach eigenem Geschmack gestalten. Der Nachteil: Sie sind nicht stabil. Eine Familie kann sich auflösen, Freunde können einen verlassen, ein politisches System kann zusammenbrechen, und die eigenen Ideale können sich im Laufe der Zeit verändern.

Beheimatung ist aber etwas, was einen ein Leben lang immer wieder aufs neue beschäftigt und womit man nie fertig wird, denn die hundertprozentige Heimat gibt es nicht: "Gesucht wird die Utopie einer vollkommenen Übereinstimmung zwischen einer Person und ihrer Umgebung - die Imagination eines Ortes, an dem es stimmt zwischen mir und andern Menschen, mir und meiner Arbeit, mir und meinem natürlichen und gesellschaftlichen Umfeld. Dahinter steht die Vorstellung von Heimat, die geradezu paradiesisch ist, die Sehnsucht nach einem Idealzustand: Dem richtigen Leben. Der besseren Welt. Der wahren, alles möglichen Liebe. ...

Obwohl kaum jemand diesen Idealzustand erreicht, sollte man nicht den Mut verlieren. "Die Utopie ist die Voraussetzung, dass Menschen an ihrem Leben etwas verändern wollen. Beheimatung enthält einen kreativen Impuls, der über die Grenzen hinausführt: das Beeinflussen, Verändern und Erneuern von Menschen sowie die Veränderung meiner eigenen Beziehungen. Die Voraussetzung dafür ist ein individuell, psychische und oftmals krisenhaft erfahrener Prozeß des sich Verbindens mit der Welt."

Interessanterweise schließt diese neue Vorstellung von Heimat nahtlos an die ursprüngliche Bedeutung des Wortes "haima" an. "Haima bezeichnet keine geschlossene Struktur, sondern das Gegenteil: eine offene Struktur, eine Brücke zwischen den Menschen und dem Universum", so Vàclav Havel. In seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag am 24. April 1997 plädierte der tschechische Staatspräsident für eine Neudefinition des Heimatbegriffes: "Wir sollten lernen, die Heimat wieder - so, wie es einst geschah - als unsern Teil der >Welt im Ganzen< zu empfinden."

Diese universelle Heimat bietet Platz für unzählige unterschiedliche Heimaten. Es gibt zurzeit rund sechs Milliarden Menschen auf der Erde, und jeder hat andere Erinnerungen an seine Kindheit, eine andere Lebensgeschichte, andere Sehnsüchte und Ziele. All diese unterschiedlichen Heimaten sollten gleichberechtigt nebeneinanderstehen dürfen, meint Havel: "Die Landschaft, die wir als unverkennbares Merkmal unserer Heimat empfinden und lieben, sollten wir immer deutlicher als einen unverkennbaren Bestandteil des gesamten Wunders der Natur wahrnehmen. Unsere Volkssagen und Volkslieder, unsere nationale Kultur oder Muttersprache sollten wir vor allem als einen individuellen Bestandteil des Besitztums der Menschheit betrachten."

Der alte Heimatbegriff bekommt damit eine neue Bedeutung, er wird zu einer Zukunftsvision: Wenn es der Menschheit gelingt, ein universelles Heimatbewußtsein zu schaffen, wird Toleranz an Stelle von Fremdenfeindlichkeit treten und die Gestaltung eines friedlichen Miteinanders im Hier und Jetzt wird die verquaste, deutschtümelnde Nostalgie verdrängen.

Anhang: Diese Seiten wurden im Mai 1998 geschrieben. Es ist dieses eine Art von Vergangenheitsbewältigung. Der Verfasser dieser Zeilen, Klaus Danielis, geboren am 08.11.36 in Hermannstadt, wurde durch Heirat Marienburger. Nachdem er seine Kindheit in Draas, Radeln, Bulkesch, Hermannstadt, Malmkrog und Stolzenburg verbrachte, nachher im Burzenland berufstätig war, durch seine Arbeit aber ständig in ganz Siebenbürgen herumkam, bezeichnet sich als "Siebenbürger".

Er dankt all jenen die ihm beim Zustandekommen dieses Skriptes geholfen haben; vor allem Frau Melitta Reich für die prompte und detaillierte Lektorenarbeit und Herrn Michael Konnerth für die Vervielfältigung.

Fassung von Mai 1999 gedruckt am 5.7.04

 

Analyse nach acht Jahren

Wie kam es zu diesem Skript? In Göppingen wurden und werden monatlich offene Vorstandssitzungen abgehalten - jeder kann daran teilnehmen. Bei einer dieser Besprechungen im Jahre 98 kam die für 99 geplante 50-jahresfeier der Landesgruppe Baden-Württemberg zur Sprache. Es war die Erstellung einer Publikation, eines Buches mit Beiträgen der Kreisgliederungen vorgesehen und Konnerth wünschte, dass auch aus Göppingen so ein Beitrag vorgelegt würde. Dazu stellte ich mich zur Verfügung und versprach zeitgerecht einen Bericht zu schreiben; es kam zustande was in den vorhergegangen acht Kapiteln zu lesen ist. Die Feierlichkeiten fanden statt und pünktlich dazu erschien, auf Betreiben von Johann Lauer das Buch: "Siebenbürger Sachsen in Baden-Württemberg" - mit CD und Internetpräsenz. Darin abgedruckt, an verschiedenen Stellen ganze Passagen aus meinem Skript. Im Impressum des Buches gibt es auch eine Autorenliste mit bekannten und weniger bekannten Namen, meiner ist nicht dabei, es prangt aber jener von Michael Konnerth darin - er hat ohne Absprache und ohne Quellenhinweis die von mir formulierten Texte reingesetzt. In einer späteren Göppinger Vorstandsbesprechung sprach ich dieses Thema an, regte eine Vervielfältigung dieses Skriptes an und die Verteilung an die Kreisgliederungen und Mitglieder des Landesvorstandes - ca. 40 Exemplare. Konnerth versprach dieses bei seinem Arbeitgeber zu machen und auch für die Verteilung zu sorgen - eine Leistung für die ich ihm im Voraus, im Nachwort auch gedankt habe obwohl er die Leistung bis auf den heutigen Tag (12.6.2007) nicht erbracht hat und ich ihn zwischendurch noch darauf angesprochen hatte.

2006 ist das Buch "Hitlers Vasallen der Deutschen Volksgruppe in Rumänien vor und nach 1945", unseres Landsmannes Johann Böhm erschienen. Empfehlenswert für jeden SbS und müsste Pflichtlektüre für alle Mitglieder der Landsmannschaft sein. Mir hat es geholfen, nach gut 25 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit in und für diese Gemeinschaft, zu verstehen was ich schon immer geahnt, gespürt, empfunden hatte.

Auf Seite 28 beginnt das Kapitel "Zum Verständnis der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen", daraus zitiere ich auszugsweise, unterstreiche (Fettschrift) wo ich es für nötig halte und setze in Klammer kurze Kommentare:

Die Gründungsmitglieder der Landsmannschaft beschlossen in ihrer konstituierenden Sitzung (1949), im Rückblick auf die NS-Verstrickungen der SbS, in ihren eigenen Reihen künftig niemals ein politisches Säuberungsverfahren vorzunehmen. D.h. Ungeachtet der z.T. ehemals prominenten NS-Führer und NS-Amtsinhaber im eigenen Kreise stimmte man seinerzeit einem von dem nationalsozialistischen und faschistischen Schriftsteller Dr. Heinrich Zillich (1898 - 1988) eingebrachten Vorschlag zu, unter die Vergangenheit ohne jeden Versuch ihrer Aufarbeitung oder Bewältigung einen Stich zu ziehen und keinen ehemaligen NS-Amtsträger von künftigen Landsmannschaftsämtern auszuschließen. Einer der vehementesten Verfechter der Richtigkeit dieses Beschlusses war Dr. Wilhelm Bruckner (Bundesvorsitzender der Landsmannschaft von 1977 bis 1983). Begründet wurde Dr. Zillichs Vorschlag zu dem - wie es in diesen Kreisen genannt wurde - "Gentlemen`s Agreement" mit der durch den Eisernen Vorhang geteilten Volksgruppe der SbS und ihrer geringen Zahl - insgesamt 250.000 -, die jeden einzelnen in den eigenen Reihen unverzichtbar mache. Die Folgen dieses "GA" waren in mehrfacher Weise fatal:

Es wurde auf diese Weise NS-Gedankengut in den neugegründeten angeblich demokratischen Landsmannschaftsverband zwangsläufig mit all den NS-belasteten Personen übernommen, die nun zu Verbandsämtern kamen.

Die Landsmannschaft der SbS ließ sich durch das "GA" auf einen permanenten moralischen Betrug an der Bundesrepublik Deutschland ein, indem sie sich aus dem schwierigen Prozess der von den Deutschen vorgenommenen Selbstreinigung - sprich Vergangenheitsbewältigung - ausklammerte. Dessen ungeachtet wurde sie - noch immer - als ständiger Bittsteller bei den Regierungen in Bonn und jetzt in Berlin vorstellig, um materielle, kulturelle und politische Hilfe und Unterstützung zu erhalten. D.h. die Landsmannschaft der SbS machte sich zum Nutznießer der Deutschen, die sie aber insgeheim wegen ihrer Anstrengungen in der Frage der Vergangenheitsbewältigung belächelte und auch jetzt noch belächelt.

Durch das "Agrement" wurde die Masse der SbS, die darüber uninformiert blieb, hintergangen, und es wurden besonders die jüngeren Generationen bereits in der Gründungszeit der Landsmannschaft getäuscht. (kann ich voll und ganz zustimmen, da ich auch so ein getäuschter bin).

Die Landsmannschaft der SbS setzte sich durch das "Agrement" der andauernden Gefahr aus, durch die Amtseinsetzung NS-Belasteter Personen sich öffentlich zu kompromittieren - sowohl der Masse der eigenen Landsleute als auch der Bundesdeutschen gegenüber. Sie verschlossen sich aber den Weg zur Erarbeitung demokratischer Verhaltensweisen in ihrem Verband. (habe ohne mir dieses Hintergrundes bewusst zu sein, in diesem Bericht, auf solche Vorgehensweisen hingewiesen). Sie waren von Anfang an die einflussreichste Sammelbewegung der überlebenden Nazi- und Funktionselite der NSDAP der DViR.

Der ungarische Historiker Istvan Bibo nennt dieses Verhalten "deutsche Hysterie", er führt dazu aus:

Die hysterische Gemeinschaft ist unfähig, die Ursache für ihre Probleme und Misserfolge in der normalen Verkettung von Ursache und Wirkung aufzuspüren. Sie sucht für all ihre Probleme Erklärungen, die, gemessen am nüchternen Verstand und an den nüchternen Fakten, offensichtlich falsch sind. Dennoch wird es durch diese Erklärung möglich, dass die in einer Fehllage lebende Gemeinschaft dieses aufrechterhalten kann. Das hysterische Weltbild ist geschlossen und vollkommen. Es erklärt und rechtfertigt alles. Es hat nur einen einzigen Fehler: Es sagt genau das, was der in dieser Situation Lebende hören will und was der Selbstverherrlichung der Gemeinschaft dient.

(Johann Böhm beleuchtet die "Schlussstrich-Theorie" und schließt dieses Kapitel so ab):

Etwas anderes aber, etwas völlig anderes ist es, wenn man aus diesem Aspekt eine Forderung macht, die Forderung: Zieht endlich einen Schlussstrich unter die Vergangenheit. Denn eine solche Forderung kann ja sinngemäß nur heißen: Hört auf Fragen zu stellen; hört auf über die NS-Vergangenheit zu diskutieren; hört auf, die Deutschen Südosteuropas zu belasten; hört auf die Deutschen an ihre jüngste Vergangenheit zu erinnern. Das aber widerspricht allem, worauf das heutige Deutschland aufgebaut ist. Denn an wen soll sich eine solche Forderung richten? Sollen die Lehrer nicht mehr darüber lehren; die Forscher nicht mehr darüber forschen, die Journalisten nicht mehr darüber schreiben, die Pfarrer nicht mehr darüber predigen? Da dies im Ernst niemand will, kann die Forderung nur lauten: Solange das Grundgesetz gilt, gibt es keinen Schlussstrich. Jede Generation in Deutschland wird neu an dieses Thema herangehen, wird Fragen stellen, Antworten suchen und sich dem Grauen stellen, das mit dem Nationalsozialismus verbunden ist, und das sollten sich die Landsamnnschaftsfunktionäre der Siebenbürger Sachsen endlich merken. Zitatende!

Michael Konnerth - Jahrgang 1955, in Neidhausen, im Harbachtal geboren, heiratet hier in Deutschland die Brigitte, geborene Gassner (ihr Vater blieb nach dem Krieg in Deutschland und heiratete eine Baden-Württembergische Schwäbin, er stammte auch aus Neidhausen). Noch während unserer ersten Amtszeit hier in Göppingen, zu Beginn der 80ger, wurde mir gemeldet, dass sich ein junges Ehepaar bereit erklärt hätte in der Kreisgruppe mitzuwirken und Verantwortung zu übernehmen. Schon bei der darauf folgenden Wahl wurde Konnerth stellvertretender Vorsitzender und seine Frau Schriftführerin. Sie legten sich beide mit viel Elan ins Zeug, waren der KrG. sehr nützlich, übernahmen Aufgaben die nicht unbedingt von ihnen zu erwarten waren und steigerten sich stets. 1993 wurde er, als ich nicht mehr kandidierte, Vorsitzender der KrG. und ist es auch heute noch. Das ist aber bei Weitem nicht alles, im Landesvorstand wurde er Kassenwart, stellvertretender Landesvorsitzender, wirkte im Bund der Vertriebenen mit; etwas später wurde er Bundesvorsitzender des Verbandes der Heimatortsgemeinschaften (HOG) und dadurch Mitglied von Amtswegen im Bundesvorstand der Landsmannschaft; in Gundelsheim bekleidet er auch noch Ämter - im Verein für Genealogische Forschungen und wer weis wo er noch überall mitwirkt.

Gut bekannt für die SbS, aber nicht nur für diese, war Robert Gassner als Begründer der Sachsensiedlung von Drabenderhöhe. Diesem Herren begegnen wir aber auch in "Hitlers Vasallen ..." von Johann Böhm, auf Seite 184 können wir lesen: Am 6. September 1944 ordnete Gebietsführer Robert Gassner eine Besprechung der Amtswalter an, auf der beschlossen wurde, Nordsiebenbürgen, das nach dem zweiten Wiener Schiedsspruch (30. August 1940) an Ungarn annektiert wurde, mit Beginn vom 7. September zu evakuieren. Von nun an wurde die Evakuierung Nordsiebenbürgens von der Gebietsführung mit Hochdruck betrieben. Nach einer Bestandaufnahme vom 2. bis 10. Oktober 1944 wurden 55.000 Deutsche aus Siebenbürgen, 30.000 Deutsche aus dem rumänischen Banat, 18.000 Deutsche aus dem Karpatenland, 40.000 Deutsche aus Szatmar und aus dem serbischen Banat bis 30.000 Deutsache evakuiert. Zitatende.

Wir sehen also, dass dieser Robert Gassner, bis zum Zusammenbruch, ein hohes Amt in der Nazizeit bekleidete und dem Gentleman-Erlass sei Dank auch nach 1945, hier in Deutschland "großes leisten konnte", durfte oder musste!?

 

Die Rentenproblematik und wie die Amtsträger der Landsmannschaft agierten ...

Beim Verbandstag 1986 in Geretsried warnte uns ein Gastredner, aus dem Sozialministerium unseres Patenlandes, vor einer neuen Situation, die eintreten würde sobald in den Amtsstuben der Generationswechsel vollzogen wird. Diejenigen Amtswalter, die Flucht und Vertreibung am eigenen Leib erfahren mussten, konnten "euere" Situation nachvollziehen und waren euch wohlgesinnt. Für die jungen Leute die nun nachrücken gilt das nicht mehr, die werden sich Fragen: "Vertreibung nach einem halben Jahrhundert, ist das überhaupt noch möglich?"

Solange die alten "Seilschaften" noch Bestand hatten und alte NS-Funktionäre mit alten NS-Funktionären im stillen Kämmerlein ihr Süppchen kochen konnten war noch einiges möglich und da muss auch ich zugestehen, dass "unsere Amtswalter" einiges, bedeutendes, für die Gemeinschaft erreichet haben; es sollte sich aber bald ändern. Schon im letzten Jahrzehnt des vergangenen Jahrtausend blies uns ein kälterer Wind ins Gesicht, es kam 92 zu einer 30 % Rentenkürzung und daraus wurde 1997 durch das "Wachstums und Beschäftigungsförderungsgesetz (WFG)" eine 40prozentige Rentenkürzung für Beitragszeiten aus dem Herkunftsland, im Gesetz wird von einem Faktor 0,6 gesprochen, damit werden die errechneten Entgeltpunkte multipliziert, bedeutet aber im Endeffekt genau 40 % weniger Rente.

Unsere Münchner Vorderen gründeten eine Interessenvertretung, der Betroffene oder Interessierte beitraten, zahlten und somit Geld für diesen Zweck gesammelt wurde. Dafür war das "gemeine Volk" wichtig, ansonsten wurde weiter im stillen Kämmerlein die Strippen gezogen und ein völlig unzureichendes, unbefriedigendes, ungerechtes Resultat erzielt, das all jene die mehrere Jahre in Siebenbürgen gearbeitet hatten in existenzielle Nöte stürzt.

Schon 96, als noch am WFG gebastelt wurde, schrieb ich einen Artikel an die SbZ, in dem ich zu politischem Handeln und Eingreifen aufrief. Ich regte an, eine Tagung einzuberufen mit Vertretern aller 109 Kreisgruppen und 8 Landesgruppen, wo gemeinsames Vorgehen besprochen und beschlossen würde um anschließend mit den Bundestagsabgeordneten und Mitgliedern von Landtagen zu sprechen, auf unsere Situation hinzuweisen, sie von unseren Nöten zu informieren und zu Überzeugen, mit dem Ziel der Verhinderung dieser Rentenkürzung. Wenn wir damals in 117 Wahlkreisen, in öffentlichen Podiumsdiskussionen mit jeweils ebenso vielen CDU- und SPD-Abgeordneten gesprochen - wir somit 468 Politiker (117 x 4) auf unsere Seite gezogen hätten, hätte man dieses nun finalisierte Debakel verhindern können.

Hannes Schuster und Volker Dürr wollten davon nichts wissen, mein Artikel wurde nicht veröffentlicht und nicht nur jene Landsleute die Nazidiktatur, Kriegswirren, kommunistische Diktatur und Heimatverlust erdulden mussten können das nun ausbaden sondern auch deren Nachfahren denen damit Unterhaltsunterstützung für ihre Eltern abverlangt wird.

Bei der Einweihungsfeier unseres Vereinsheimes (habe davon berichtet) war auch der direkt gewählte CDU Bundestagsabgeordnete Klaus Riegert anwesend; in meiner Ansprache wies ich auf die Rentenproblematik hin, bat Riegert etwas dagegen zu unternehmen, weil sonst viele Menschen in die Sozialhilfe gedrängt würden - da es eine Eintagsfliege gewesen ist hat es nichts gebracht.

Kurz vor den Wahlen, im Herbst 1998 - das Kind war schon ins Wasser gefallen, die Interessengemeinschaft gegründet und es wurde an Gutachten gebastelt - die alle letztendlich auch nichts gebracht haben, genau so wenig wie die im stillen Stübchen von unsern Vorderen geführten "hochrangigen Gespräche" - veranstalteten wir eine Grillparty im Garten des Vereinsheimes und hatten auch die Kandidaten von CDU (der einzige mit Chancen gewählt zu werden), SPD und FDP, beide hatten keinen Listenplatz und es glaubte auch niemand, dass diese beiden in den Bundestag einziehen würden) eingeladen. Zuerst kam der FDP-Mann mit Gattin und verabschiedete sich auch sehr bald, darauf kam Klaus Riegert mit großer Begleitung von Kreis- und Kommunalpolitikern der CDU. Mit Riegert hatten wir dann auch intensiv über unsere Renten gesprochen - er verteidigte das WFG ungefähr so: man könne einer Frau von der Schwäbischen Alb die nur wenige Hundertmark Rente bezieht nicht von der Notwendigkeit überzeugen, an Aussiedler höhere Renten zu zahlen obwohl diese keine Beiträge gezahlt hatten.

Nicht gekommen war Herr Weber von der SPD - hätte ja auch nichts genützt dachten wir, es sollte aber noch sehr spannend werden. Nach dem Auszählen der Stimmen hatte Riegert einen nur hauchdünnen Vorsprung, erst sollten es gerade mal 12 Stimmen gewesen sein, dann 16 und zuletzt waren es 32.

Orakeln hilft uns nun auch nicht mehr weiter, aber wenn Weber zu unserer Gartenfeier gekommen wäre und versprochen hätte sich für unsere Sache einzusetzen so hätte er vielleicht das Direktmandat erzielen können - was einer echten Neuheit, ja einer Revolution geglichen hätte.

2006, nach fast 10 Jahren hatte endlich das Bundesverfassungsgericht entschieden, ein enttäuschendes Urteil, aber Hoffnungen gab es trotzdem noch. Dem Gesetzgeber wurde auferlegt, bis Ende 2007 Übergangsregelungen zu schaffen und nun glaubten wir wieder an einen Durchbruch - RA Fabritius, stellvertretender Bundesvorsitzender und Vorsitzender der Landesgruppe Bayern kündete im Siebenbürgerforum, nach Verkündung des Bundesverfassungsurteils an, eine Flasche Champagner köpfen zu wollen, aus purer Freude und voller Überzeugung natürlich.

Gleich nach dem Bundesverfassungsurteil wendete ich mich an Michael Konnerth mit dem Vorschlag zu einer Podiumsdiskussion. Ihn bat ich im Vorstand darüber zu sprechen und in der Villa (so wird unser Vereinsheim genannt) einen Termin anzusetzen - also wirklich keine große Sache; ich wollte die Bundes- und Landtagsabgeordneten einladen und die Diskussion moderieren. Dabei dachte ich genau mit den oben geschilderten Ereignissen von den Wahlen 98 zu argumentieren, das hätte sowohl in Richtung Landsleute als auch in Richtung Politiker wirken können. Die Landsleute hätten Vertrauen in die Demokratie schöpfen können und den Politikern hätte vor Augen geführt werden können, dass auch ein so kleines Häufchen Aussiedler, auf der politischen Ebene eines Wahlkreises etwas bewirken kann (siehe knappes Wahlergebnis zwischen Riegert und Weber von 98).

Auf meinem ersten Vorschlag reagierte Konnerth gar nicht - genau nach Art des Bundesvorsitzenden Volker Dürr - nachdem ich einige Male weiter darauf gedrängt hatte kam eine Stellungnahme: er sei dafür, müsse aber noch Entscheidungen aus München abwarten. Zu meinem 70gsten Geburtstag, am 8.11.06 kam Brigitte, die Gattin von Konnerth, die geborene Gassner zum Gratulieren, bei der Gelegenheit bat ich sie ihren Mann an seine Zusage zu erinnern und daraufhin zu wirken, dass wir politisch tätig werden ...

Inzwischen hat der Gesetzgeber gehandelt, in das unter "Rente 67" bekannte Gesetz wurde auch unsere Übergangslösung gepackt - eine völlig unzureichenden Minimallösung, die uns überhaupt nicht zufrieden stellen kann. Gerade mal die Jahrgänge die von Herbst 1997 bis 2001 in Rente gegangen sind, bekommen eine nach unten gestaffelte Abfindung, mehr ein Almosen und alle anderen gehen gänzlich leer aus - sind auf Sozialhilfe oder die Unterstützung durch ihre Kinder angewiesen weil sie sonst ihren Lebensabend nicht über die Runden bringen können.

Professor Azzola hat stets die Meinung vertreten, dass uns nur dann geholfen würde, wenn wir den Bund der Vertriebenen auf unsere Seite zögen und dieser für unsere Sache eintritt - aber auch diese Möglichkeit wurde vergeigt.

In Anbetracht der Verstrickungen unserer Gründerväter in die grauenhaften Machenschaften der nationalsozialistischen Zeit, des damals bei der Gründung getroffenen "Gentlemen´s Agreements", das bis heute noch immer weiter wirkt, muss ich mir wirklich die Frage stellen: In was für einem Verein machst du eigentlich, nun schon über ein viertel Jahrhundert, denn da mit? Und ob man sich eigentlich nicht schämen müsse da aktiv zu sein? Kleiner Trost dabei: es konnte doch einiges durch meine Tätigkeiten zum Wohle unserer Landsleute erreicht werden und auch heute noch wenden sich unsere Leute, hier in Göppingen an mich mit Fragen verschiedenster Art und ich helfe gerne soweit es nur möglich ist.

 

www. Siebenbuerger.de

Im Herbst 99 hatte der Verbandstag u.a. beschlossen mit einer Internetpräsenz, dem modernen Medium beizutreten, daran teilzuhaben und sich auf vielseitige Art und Weise darzustellen um weltweit bekannt und aktiv zu werden.

Mit "Los geht´s" verkündete der Administrator Guenther am 22.02.2001 um 03:12 den Start der Foren. Inzwischen ist daraus ein Mamutwerk geworden das kaum noch überschaubar ist, mit einem unbezifferbaren Volumen von Daten, auf die überall in der Welt zugegriffen werden kann, woran sich sehr viel Mitglieder beteiligen, wo siebenbürgisches behandelt wird.

Am 17.04.2001 eröffnete Klaus Popa (http://freenet-homepage.de/Transsylvania/Blaetter.htm), im Allgemeinen Forum das Thema: "Vergangenheitsbewältigung" (der Begriff stammte aus einem Beitrag von Horst Göbbel - damals stellvertretender Bundesvorsitzender -, der in der SbZ erschienen war). Es ging dabei vor allem um die Verstrickungen unserer Landsleute während und im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus. In keinem andern Thema sollten so viele Beiträge erscheinen welche von einer größeren Anzahl von Lesern angeklickt wurden, obwohl es nun schon seit geraumer Zeit nicht mehr aus der Versenkung geholt wurde, konnte es von keinem andern Thema übertroffen werden.

Klaus Popa brachte historisch fundierte Beiträge mit konkreten Daten, Zahlen und vor allem Namen, die ganz und gar nicht mit dem "Gentlemen´s Agreements" zu vereinbaren waren. Er ist auch Mitarbeiter, in dem von Dr. Johann Böhm geleiteten Arbeitskreis für Geschichte und Kultur in Mittel-, Ost- und Südosteuropa e.V., dessen Veröffentlichungen sich gerade mit der Zwischenkriegszeit, Naziperiode und deren Auswirkungen bis in die Gegenwart beschäftigen. Spätestens nach der Lektüre des Böhm-Buches = Hitlers Vasallen - ist mir klar geworden, dass all dieses den Amtswaltern der Landsmannschaft nicht in den Kram passen konnte. Popa wurde, vor allem, von anonymen Beitragschreibern äußerst brutal angegriffen, diffamiert und beleidigt; die Administratoren, aber auch die hochgestellten Funktionäre unseres Verbandes griffen nicht zu Popas Verteidigung ein, sie setzten eher noch einen drauf um ihn letztendlich aus den Foren zu verbannen, indem sie ihm die Schreibrechte entzogen.

Nach dem Motto: "Mitgegangen, Mitgehangen" sollte es mir ebenso ergehen, weil ich mich getraute Popa zu unterstützen. Außer im Thema "Vergangenheitsbewältigung" setzte ich mich auch für die Reorganisation der Landsmannschaft ein - darüber habe ich in diesem Beitrag viel geschrieben. Natürlich fühlten sich die den Gründungsvätern verpflichteten Amtswalter auf den Schlips getreten, das "Gentlemen´s Agreements" wurde angekratzt und schon damit wird versündigt und solche Nestbeschmutzer müssen ausgemerzt werden. Bis zu meinem Rauswurf - am Ende des Jahres 2002 - hatte ich 700 Beiträge geschrieben. Über die Rokestuf.de ist mir im 2004 noch ein kurzer Einstig möglich gewesen, worauf mir erneut die Schreibrechte entzogen wurden. Mein Widerspruch, Appelle an die Landesgruppe und der Versuch bis zum Schlichtungsausschuss unseres Verbandes zu gelangen hatten nichts gebracht. Erhard Graeff, der Bundesgeschäftsführer forderte so etwas wie eine Ehrenerklärung - sprich ein Schuldbekenntnis, worauf er bereit sei die Sperrung rückgängig zu machen. Der Rechtsanwalt Bernd Fabritius - stellvertretender Bundesvorsitzender hatte für mich so einen Text formuliert, den ließ ich von Johann Lauer ins Netz setzen - Graeff war auch damit nicht zufrieden. In der Zwischenzeit haben sich verschiedene Forumsteilnehmer für meine Wiederzulassung eingesetzt - erwähnen möchte ich in diesem Zusammenhang vor allem Prof. Axel Azzola, vergebens, ...

Bis heute lese ich zwar regelmäßig die wesentlichen Forumsbeiträge und wenn ich auch anfangs über meine Sperrung geschockt war, habe ich mich inzwischen damit abgefunden und bin recht froh darüber nicht weiter gegen unüberwindbare Seilschaften ankämpfen zu müssen - die aktuelle Landsmannschaftsführung befindet sich sowieso auf dem besten Weg hin um als Totengräber unserer Gemeinschaft gefeiert zu werden.

Klaus Danielis klaus.danielis@gmx.de


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