Cheile Vaii Morilor und das Streudorf Plescuta

Oberes Bild: Blick von Coltul Sturului auf das Streudorf Plescuta. Hinter dem bewaldeten Bergrücken (rechts im Bild) beginnt nach ca. 800 m der weglose Abschnitt der Cheile Vaii Morilor. Plescuta liegt in den Muntii Metaliferi nahe der nördlichen Grenzlinie zum Bihor-Gebirge, ca. 14 km von Campeni (siehe Karte: Muntii Apuseni) entfernt. In der Valea Ariesul Mic, im hinteren Abschnitt des Strassendorfes Ponorel, zweigt linksseits eine Strasse in ein enges Waldtal ab. An der Wegkreuzung befindet sich bereits eine touristische Informationstafel über die Cheile Vaii Morilor. Recherchiert man über Google nach der Schlucht, so findet man nicht wenige Verweise darauf, wobei all diese weitgehend nichts-sagend sind, oder sich im besten Falle auf die einstige Beschreibung aus dem Buch "Chei si defilee din Muntii Apuseni" von Pompei Cocean aus dem Jahr 1988 beziehen (Editura Academiei Republicii Socialiste Romania / Bucuresti). Lange ist das her und seit dem scheint dennoch kein Besucher den Weg dorthin gefunden, oder diesen gescheut zu haben. Die Bildrecherche unter Google beweist das zumindest vorab! Bereits im Jahr 2007 war ich mit einer Gruppe von Freunden in dieser Gegend unterwegs, doch ein überaus mangelndes "Expeditionsbewusstsein" innerhalb der Gruppe hatte zur Folge, dass eine Begehung der Schlucht noch bis zum April des Jahres 2016 warten musste. Diesmal machte ich mich zusammen mit Hans-Ulrich Schwerendt auf den Weg in diese geheimnisvolle Gegend.


 


Als Ausgangspunkt 

... für eine Wanderung in die Cheile Vaii Morilor - Vf. Sturul - Coltul Sturului dient uns die einladende Pensiunea Valea Morii, von welcher man einen herrlichen Blick über das gleichnamige Tal hat und in der man nach den Mühen einer durchaus anstrengenden Tagestour im heissen Pool (37-40 C°) die müden Glieder entspannen kann!!!

https://www.facebook.com/valeamorii

Pensiunea Valea Morii
Sat Plescuta, Nr. 557
Tel. 0040758545412
Mail: valea_morii@yahoo.com

Frühstück

... in unserer Pensiunea Valea Morii - so wie wir es uns wünschen: zu 100% einheimische Produkte! Die Pension befindet sich auf einer Höhe von ca. 725 m inmitten eines bergbäuerlichen Siedlungsgebietes. Wanderer, oder Tagesausflügler - das wollen wir an dieser Stelle erwähnen - sind den netten Inhabern der Pension sehr willkommen, da sie die Pension nicht hauptberuflich betreiben, sondern anderen Berufen nachgehen. Auf Wunsch und Voranfrage wird natürlich auch Vollpension gewährleistet. Wir haben die liebevolle Bewirtung morgens und abends nebst des erstklassigen Selbstgebrannten sehr genossen!

Valea Morii

Nach dem Abzweig in der Valea Ariesul Mic (Tal des Kleinen Ariesch) bei Ponorel, führt eine befestigte Strasse durch ein enges bewaldetes Tal. Nach ca. 1 km weitet sich die Valea Morii und man gelangt zur Steusiedlung Plescuta.  Ein erster Abzweig linksseits verläuft hinauf zu weiteren höher gelegenen Höfen des Streudorfes Valea Morii. Der zweite Abzweig linksseits führt in die Valea Zugau. Folgt man weiter dem Haupttal, so lohnt sich ein Stopp am nächsten Gehöft linksseits der Strasse. Hier befindet sich die letzte noch in Betrieb befindliche Mühle, welcher einst das Tal seinen Namen verdankt: Valea Morii = Mühlental!

Unsere Neugierde fällt auf

... und wir werden hereingebeten- Eigens für uns wird das grosse Wasserrad in Betrieb gesetzt, ein Eimer Maiskörner herbeigeholt und die Mühle in Gang gesetzt. Eine tolle Vorführung! 

Einst gab es 

... in der Valea Morii insgesamt 10 Mühlen. Über einen ca. 700 m langen Kanal wird das zum Mühlenbetrieb nötige Wasser von der Karstquelle "Izbucul Sturului" abgezweigt. Die meisten Mühlen befanden sich früher in der Valea Zugau. 

Einstieg in die Valea Zugau 

Vom Abzweig Valea Morii führt ein schmaler Pfad zunächst vorbei an mehreren Höfen, wobei wir einmal sogar von den Bewohnern direkt durch das Privatgrundstück geführt wurden. Der Pfad folgt stetig dem kleinen Bach und man meint, eine Begehung der Schlucht hätte den Charakter eines entspannten "Sonntagsausflugs". Dem jedoch ist so nicht, denn nach 1 km endet der Pfad auf einer kleinen Lichtung. Dahinter verengt sich das Tal und die Cheile Vaii Morilor beginnt. ...

Cheile Vaii Morilor

Nach der letzten Lichtung endet der Pfad. Ab hier heisst es die Watsandalen angezogen! Für die sogenannten "Sonntagsausflügler" endet hier das begehbare Terrain! Nur wenige Besucher werden nun noch versuchen von Stein zu Stein zu hüpfen, um vorwärts zu kommen. Man sieht es schon gleich zu Beginn der Schlucht, kleine Sinterkaskaden prägen den Bachlauf - der am Tag unserer Tour wenig Wasser führt.

Im weiteren unteren Verlauf

... der Cheile Vaii Morilor prägen sich die Mikrokaskaden immer schöner aus. Von den kleinen bis zu 40 cm hohen Fallstufen liegen bis zu 10 Sinterkaskaden hinereinander. Sehr schön anzuschaun. 

Das Sintergestein

... ist verhältnismässig stumpf, so dass man kaum Gefahr läuft auszurutschen ... vorerst zumindest!

Die erste Fallstufe

Hier fällt der kleine Bach in einer Felsenge über 4 m in die Tiefe. Das Gestein ist nass und spiegelglatt. Beim Aufstieg ist also Vorsicht geboten! An dieser Stelle dürften allerdings nur noch sehr wenige Besucher den Weg fortsetzen :-) ...

Die zweite Fallstufe 

... ist ähnlich problematisch. Auch Hans hat die Schlüsselstelle fast geschafft. Hier kann man nicht nach links oder rechts über die Berghänge ausweichen, da diese ebenfalls sehr steil sind. 

Im zweiten Drittel

... der Schlucht ändert diese vollkommen ihren Charakter. Von den Sinterkaskaden ist nichts mehr zu sehen, statt dessen sind die Berghänge steiler und Unmengen umgefallener Bäume prägen fortan die Schlucht und hindern uns am Vorwärtskommen. 

Die steilen Karsthänge

... lassen eine Bildung von Humusböden nicht zu, weil alles Laub vom Regenwasser weggespült wird. Die hier wachsenden Bäume entwickeln sich nur spärlich. Ab einer gewissen Grösse sind sie sehr anfällig gegen starke Winde und Schneebruch. Davon können wir uns über den weiteren Verlauf der Schlucht ein gutes Bild machen.

:-)

Und wieder rein in die Watlatschen! 

Ein kreisrunder, mit Wasser gefüllter Strudeltopf lässt uns keine Wahl. Noch einmal müssen wir ca. 4 m Höhenunterschied überwinden. Alles ist glatt und rutschig, aber auf Grund der geringen Wassermenge kommen wir dennoch gut vorran.

Hans 

... steigt aus den Topf!

Und weiter geht es 

... über ca. 10 Millionen Baumstämme hinweg! 

Erinnern wir uns 

... was der Tourist am Abzweig in die Valea Morii auf der grossen Informationstafel über die Cheile Vaii Morilor an Infos angeboten bekommt: 

"Die komplexe Reservation befindet sich in kristallinen Kalkstein und entwickelte sich etwa in der Zeit des mittleren Paläozoikums. In dem Gebiet gibt es Karstquellen, Höhlen und Schachthöhlen. In der Schlucht selbst gibt es zwei Karstquellen. In deren Umgebung befinden sich weiterhin die Pestera Cila  sowie die Schachthöhlen Hoanca Sturului und Poieni. Nadelwälder sind hier vorherrschend. Das Schutzgebiet umfasst 90 ha." ... O.K. so ist der Besucher gut vorbereitet!

:-)

Und noch eine

... kleine Kaskade! 

Kurz noch eine Erwähnung  

... zur Schachthöhle Honca Sturului. Die Schachthöhle zählt zu den grössten innerhalb des hiesigen Naturschutzgebietes mit einer Tiefe von 61 m und einer Länge von 127 m. Mächtiger sit nur der Avenul Poieni mit einer Tiefe von 150 m und einer Länge von 225 m. Die meisten Höhlen im Schutzgebiet sind eher klein. Aber das soll man ein Thema für spätere Ausflüge sein ...

Nach ca. 1 km

... seit Beginn der Schlucht, teilt sich der weitere Verlauf in zwei Täler auf. Wir folgen der jetzt eher sanfteren Schlucht rechtsseits. Wir folgen dem Bachlauf noch weitere 500 m und steigen dann an einem Wildpfad steil nach rechts bergauf in Richtung Vf. Sturul.
Der Rest

... eines Baumriesen. Wie alt muss er bei den kargen Bodenbeschaffenheiten gewesen sein?!

Nahe Vf. Sturul  

... finden wir riesige abgestorbene Nadelbäume. Dann aber beginnt die Suche nach den Felsklippen des Coltul Sturului. ... Nach mehreren Anläufen finden wir nordwestlich des Vf. Sturul (1024 m) den richtigen Bergausläufer und entdecken einen wahren Traumplatz!

...

Blick von Coltul Sturului

... auf das gegenüber liegende Streudorf Plescuta. Wir befinden uns hier auf einer Höhe von etwa 957 m. Ich habe eine grosse Flasche bere Neumarkt dabei und Hans begnügt sich mit Selter. ...

In der Ferne

... über den Bergen des Bihor-Gebirges zieht ein Unwetter hinweg, während wir hier über 2 Stunden im Sonnenschein verharren. Man möchte diesen Ort eigentlich nicht mehr verlassen - so schön ist es hier. Aber wir müssen, denn auf uns wartet das Abendbrot unserer Pensiunea Valea Morii und ein anschliessendes mehrstündiges Bad im heissen Aussenpool mit Panoramablick! Wir gehen auf dem Bergausläufer zurück und stossen dann weiter westlich auf einen steil absteigenden Waldweg über den wir direkt hinunter in die Valea Dolea gelangen. 

Unmittelbar unterhalb 

... des Coltul Sturului befindet sich die ergiebige Karstquelle "Izbucul Sturului".  Wir erinnern uns, hier wird auch das Wasser für die noch einzige in Betrieb befindliche Mühle abgezweigt. Oberhalb der Karstquelle, in der Valea Dolea sind die Bachläufe trocken. Hier fliesst das Wasser nur temporär, etwa nach starken Regenfällen oder der Schneeschmelze. 

Pestera Sturului

Die kurze Höhle mit dem grossen Portal befindet sich unmittelbar über der Karstquelle. Weiter unten nahe des Fahrwegs kann man auch sein Zelt aufschlagen. Besucher, denen eine vollständige Begehung der Cheile Vaii Morilor zu schwierig ist, sollten aber eine Wanderung hinauf zu den Felsklippen bei Coltul Sturului keinesfalls auslassen. Von unten her kommend, die Talenge der Valea Dolea duchschreitend und gleich den ersten Waldweg linksseits steil bergauf ... Oben stösst man auf einen anderen Forstweg. Hier muss man sich wenig später links halten und den richtigen Bergausläufer finden. Vielleicht kommen die Tourismusbehörden der Region einmal auf die Idee, dort hinauf eine Wandermarkierung anzubringen!!!

:-)


zurück / înapoi

-------------------------------------------

zurück zur Rumänien-Startseite

eMail

Fotos: Wilhelm Scherz

Copyright © by Wilhelm Scherz · Alle Rechte vorbehalten · All rights reserved