Cheile Posegii und die Reservation Scarita-Belioara

Schuld waren die Vorrecherchen für meine Apuseni-Tour im Frühjahr 2006. Es ging durch beinahe alle Regionen, um hier und da weitere Sehenswürdigkeiten dieses wunderbaren Berglandes zu erkunden. Natürlich war ich dementsprechend auch mit der Recherche über das Gilau-Gebirge beschäftigt. Man kommt schnell darauf, dass der südöstliche Abschnitt des Gebirges um Sacrita-Belioara bis hin zu den Schluchten um Runc der sagen wir mal dramatischte ist. Schliesslich sah ich bei "Alpinet" Fotos aus der Region Scarita-Belioara und dann kam das was einen der Berge wie Höhlen liebt, zum Wahnsinn treibt: die "Scarita" (1382 m) mit dem gigantischen, darunter befindlichen Höhlenportal. Wer kann da noch "Nein" sagen??? Scheinbar viele, denn tiefergehende Infos fehlen im Web. Nun, Web ist Web und Fuss ist Fuss. Man folgt zunächst dem Ursprung, um diesen später im Hirn zu bewahren. So war es dann so weit, als ich nach einer Schnuppertour durch die Schluchten um Runc zu meinem nächsten Ziel aufbrach: Dem riesigen Portal unterhalb der Scarita! ...

... Die Anreise im April 2006 erfolgte mit dem Auto über das Aries-Tal. Abzweig dann über eine Nebenstrasse nach Posaga de Jos (40 km westlich von Turda) -> siehe Karte! Wer zuvor die Schluchten um Runc besucht hat, kann direkt hinter der Cheile Pociovalistei zur Reservation Scarita-Belioara hinüberwandern. Mein Kurzausflug - soviel sie vorab nochmals betont-, hatte "Schnuppertour-Charakter" und dient im Ergebnis weiteren "Erlebnistouren" der kommenden Jahre. Dummerweise sollte man so etwas aber unterlassen, denn nun quälen einen so manche Nacht die Bilder die im Kopf umgehen! Der Rumänien-Virus lässt grüssen! ... Das obere Foto dieser Seite zeigt eines der typischen Motzenhäuser auf einem nördlich der Scarita vorgelagerten Bergkamm. Im Hintergrund erhebt sich die Scarita mit ihren steilen Wänden und dem unübersehbaren Portal der "Groapa Mare".

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Posaga de Jos

Verlässt man das Aries-Tal in Richtung Posaga de Jos, so tut sich eine geheimnisvolle Welt auf. Wie all so oft weiss man zwar etwas über das Ziel der Reise, aber der Weg dorthin birgt weitere interessante Eindrücke.

Alte Stroh-gedeckte Stallungen ...

in Posaga de Jos. Man muss vom Tal her schon genau schaun, um diese alten Gebäude auszumachen. Die kleine Kirche, nur über einen Nebenweg zu erreichen, ist jüngst saniert worden.

Im Innern der Kirche ...

finden sich am Sonntag noch zumeist die Alten zum Gebet ein.

Praktisch ...

ist das Bauernleben!

Die neue orthodoxe Kirche ...

von Posaga de Jos. Bis zur Auflösung der griechisch-katholischen Kirche, gab es hier im Ort ein unkompliziertes Zusammenleben der zwei Konfessionen. Der damalige Pfarrer der griechisch-katholischen Gemeinde war im aktiven Widerstand gegen die kommunistische Regierung tätig. 1952 kam es zu Festnahmen und einigen Hinrichtungen. Die gr.-kath. Gemeinde wurde aufgelöst und 1952 wurden 70 Familien in die Baragan-Steppe deportiert. 1962 durften die Bauern wieder zurückkehren, erhielten ihre Häuser und ein Teil des Landes zurück. Die Bauern hier in Posaga de Jos und Posaga de Sus wurden übrigens nie kollektivert.

Manstirea Izvorul Posaga

Hram (Kirchweihe): Adormirea Maicii Domnului. An diesem Tag, jeden 15. August des Jahres, kommen hier tausende Menschen zusammen. Die Klosterkirche wurde zwischen 1933-1936 erbaut. Die Innenbemalung stammt aus der Zeit zwischen 1986-1987.

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Wenige Meter ...

hinter dem Kloster befindet sich an einer steilen Felswand, zur anderen Seite des Flusses, eine zum Kloster gehörige heilige Quelle, zu der man über eine kleine Hängebrücke gelangt. Diese Quelle Namens "Izbucul Bujorul" ist eine intermittierende Karstquelle, dessen Wasser vom Plateau bei Padurea Bujoru stammt. Eine ähnliche Karstquelle findet man auch auf dem Gelände des Klosters Izbuc vor.

Blick auf Posaga de Sus

Im Hintergrund endet das Tal unmittelbar vor den steilen Felsabbrüchen der Reservation "Scarita-Belioara". Statt der Bezeichnung "Scarita" wird fälschlicher Weise auch oft die Bezeichnung "Scarisoara" verwendet.

Das Kirchlein ...

von Posaga de Sus befindet sich auf einer kleinen Anhöhe unmittelbar am Zugang zum Endtal.

Im Innern ...

der Kirche von Posaga de Sus. Selbst am Sonntagnachmittag wurde hier in der fast überfüllten Kirche noch Gottesdienst abgehalten.

Nicht alle gehen am Sonnag ...

in die Kirche. Hier wird fleissig gebrannt!

Traditioneller Backofen ...

in Posga de Sus. Während meiner Ankunft in Posaga de Sus taten sich zwei Probleme auf: Es begann zu Regnen und der Akku meiner Kamera war alle. An einem der letzten Häuser des Ortes sassen zwei jüngere Leute, Sorina und Bogdan. Sie kommen aus Cluj und verbringen jedes Wochenende hier im Ort. Bei ihnen durfte ich meinen Akku aufladen und zu bereits später Stunde, als der Regen etwas nachliess, erklärte sich Bogdan Belei bereit, mich zur Groapa Mare zu begleiten. Bogdan ist begeisterter Alpinist und zugleich ein Kenner der Region. Für mich ein grosses Glück!

Das Objekt der Begierde, ...

die Scarita (1382 m) mit dem gigantischen Portal der Groapa Mare. Das oberste Foto dieser Seite wurde von einem gegenüber liegenden Plateau auf ca. 800 m gemacht. Von dort muss man aber zunächst erneut in den oberen Abschnitt des Valea Belioarei absteigen. Hier verdecken aber im Sommer die Laubbäume die Sicht auf das Portal. Nicht wenige Wanderer haben so schon ihr Ziel verfehlt! Den Aufstieg sollte man rechtsseits der breiten und sehr abschüssigen Schotterrinne beginnen.

Und ich staune nicht schlecht!

Als wir uns dem Portal nähern, erklärt mir Bogdan, dass sich in der Decke der Grotte ein riesiges Höhlenfenster befindet.

Das Höhlenfenster ...

ist ebenfalls von beträchtlichen Ausmassen. Würde man das Foto mit dem folgenden verbinden, so ergibt sich ein etwahiges Gesamtbild dieses Naturmonumentes. Der Durchmesser des Höhlenfensters beträgt ca. 30 Meter. Von oben her - so erzählt mir Bogdan - kann man die Felsbrücke auf einem scharfen Grat übergehen.

Das Portal ...

der Groapa Mare von Innen her mit einem 17er Weitwinkel fotografiert. Die Höhe des Portals ist schwer abzuschätzen. Die Leute der Gegend geben ca. 50-60 Meter an. An einem Foto, auf dem Bogdan im Portal steht, konnte ich bei maximaler Auflösung des Bildes eine Mindesthöhe von 50 Meter ausmachen.

Im hinteren Abschnitt ...

der riesigen Galerie gehen noch zwei kleine Höhlengänge ab, die aber nicht weiter als 30 Meter in den Fels hineinführen. Im Bild zu sehen: Bogdan Belei.

Zu später Stunde ...

und im Dauerregen gehen wir über das obere Valea Belioarei zurück nach Posaga de Sus, vorbei an den senkrechten Wänden des Vf. Steanul, vorbei am "Coltul drept", ein riesiger steinerner "Obelisk".

Bogdan bringt mir´s Träumen bei!

Wie wir so an den steilen Wänden von Scarita-Belioara entlangwandern, schwärmt Bogdan von der Zeit der Frühlingsblumen. Zwischen Ende Mai bis Anfang Juli sei hier alles eine einzige Blütenpracht. Auf dem Plateau "Sesu Craiului", oberhalb der Felswände von Scarita-Belioara, befindet sich die gleichnamige Reservation, mit einer ausgewiesenen Fläche von 225,7 ha. Ja und dann die Tage, an denen die Sonne die steilen Kalkwände in einem strahlenden Weiss erscheinen lässt! Super sei das. Ja super, wirklich super und ich sitze nun Tag für Tag daheim und warte bis zum kommenden Frühjahr, um das alles auch erleben zu dürfen!!! Immerhin, zum späten Abend sassen wir dann im Haus von Sorina und Bogdan beisammen und ich durfte mir schon einmal Fotos verschiedener Jahreszeiten anschaun, die hier gemacht wurden ...

In der letzten Dämmerung ...

besuchen wir noch die Zugänge zu zwei Höhlen. Zuerst der Schachthöhle "Pestera Huda fara Fund", sowie der "Pestera Calugarului" (siehe Foto), die wir auch begehen konnten. Vor dem Eingang befinden sich einige in den Fels geschlagene Stufen. Laut Überlieferung hat hier vor langer Zeit wirklich ein Mönch einige Zeit gelebt. Beide Höhlen sind beinahe unauffindbar - wenn nicht einer weiss wo sie sind.

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Wanderkartentipp zur Region:

Gilau Berge, Muntii Gilaului - neu im Programm - / 1:50.000 / 8,90 Euro / Freizeit- und Wanderkarte mit Höhenlinien, Wanderrouten, Gebietsbeschreibung, rückseitige Beschreibung mit vielen Wanderrouten in Rumänisch, Ungarisch, Englisch. DIMAP, ISBN 963 8637 919 CM

Zu kaufen sind die Karten direkt beim Hersteller unter: http://www.dimap.hu/

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Fotos: Wilhelm Scherz

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