Durch den Banater Karst ...

 

Teil 1 ... Von Comarnic nach Anina / Steierdorf

Fotos: Wilhelm Scherz

Das obere Foto stammt aus einem Privatarchiv von Cristian-Liviu Mosoroceanu (Anina). Es zeigt eine Dampflokomotive auf einer Schmalspurstrecke innerhalb eines steil bewaldeten Tales. Es dürfte die alte Bahnstrecke von Comarnic nach Marghitas - Anina sein. Fügen wir an dieser Stelle noch ein Zitat von Herrn Benedikt Roha (Oberverwalter in Steierdorf) aus dem Jahr 1867 hinzu: "... Dem Fachmanne muss es auffallen, dass zu einer Zeit, in welcher der Kohlenbergbau überhaupt noch etwas seltenes war, in Ungarn, wo die Kohle heute noch keinen vollkommenen Regalgegenstand bildet, in einem Landestheile, den im Jahre 1788 noch die Türken bedrohten, mitten im Urwalde, eine Steinkohle das Object der Aufmerksamkeit von Privaten werden konnte. ...". Von all dem bekommen wir noch heute ein gutes Gefühl und imposante Eindrücke vermittelt, wenn wir uns zu einer Wanderung entlang der ehemaligen Bahnstrecke durch die Schluchten Cheile Carasova und Cheile Buhui aufmachen. Es mag wohl kaum eine vergleichbare verwaiste Bahntrasse von solch landschaftlicher Lauschigkeit in den Bergen des heutigen Territoriums von Rumänien geben. Im Kontrast dazu befindet sich unweit dieser Strecke die Semmeringbahn, die wohl landschaftlich vielfältigste, noch in Betrieb befindliche Schmalspurbahn, welche regelmässig zwischen Anina und Oravita verkehrt. Aber dazu kommen wir später noch ... In der Hauptsache ging es um eine "Schluchtenrundwanderung" im Banater Karst, angereichert von imposanter Industriegeschichte, urigen Wäldern und alten Waldbahnstrecken. Kann man etwas noch abwechslungsreicher vorfinden? Der Betrachter mag sich sein eigenes Urteil bilden. Ich für meine Person bin in dieser Sache seit Jahren schwer befallen und so war es einfach mal wieder Zeit - zusammen mit meinem Wanderfreund Hans-Ulrich Schwerendt - die Abdrücke unserer Wanderschuhe hier zu hinterlassen!

An dieser Stelle sei noch ein kleiner Abriss in die historische Entwicklung des Banat nach dem Türkenkrieg 1716-1718 gegeben. Nach dem Friedenvertrag von Passarowitz am 21. Juli 1718 endete die türkische Vorherrschaft über das Banat, welche seit 1552 (mit kurzer Unterbrechung) Bestand hatte. Im Jahr 1719 wurde das Banat vollständig unter die Verwaltung der Wiener Hofkammer gestellt. Unter Karl VI. erfolgte eine völlige Umgestaltung der wirtschaftlich- und politischen Machtverhältnisse von städtisch mittelalterlichen Machtstrukturen hin zu einer staatlich gelenkten Volkswirtschaft. Die Situation war diesbezüglich auch günstig, denn die feudalen Machtstrukturen waren im Banat ohnehin durch die lange Zeit türkischer Besatzung nicht mehr vorhanden, oder zumindest mit jenen im transsilvanischen Gebiet vergleichbar. Diese Form der Volkswirtschaft wurde auch später durch Maria Theresia fortgesetzt. Es bedeutete eine Bündelung der Macht und zugleich des Kapitals, was in Folge auch ausländische Investoren anlockte.  ... Nach Inbesitznahme des Banats durch den Wiener Hof fand man dort ein strukturell völlig verödetes Gebiet vor. Nach dem Abzug der Türken fand man nur noch Rumänen, Serben, einige jüdische Händler und Roma vor. Diese Bevölkerung war vom Besitzstande weitgehend verarmt und führte ein Leben als Selbstversorger in beinahe allen Belangen. Feldbau existierte kaum (einzigst Maisanbau), die Bauern lebten reinweg von der Viehzucht (grossteils nomadisierend). Besitzstände konnten von den hier lebenden Bauern nicht nachgewiesen werden und so war es ein Leichtes, alles Land der Krone zu übereignen. 

Das Banat wurde in 13 Verwaltungsgebiete aufgeteilt. In den grösseren, sich entwickelnden Dörfern und Gemeinden gab es entsprechende regionale Vorstände, so war es der klassische 'Schulze' in den Dörfern deutscher Kolonisten, sowie der Knes in Dörfern mit rumänischer oder serbischer Bevölkerung. Erstes wirtschaftliches Ziel war es, eine Landwirtschaft aufzubauen, welche das im Banat ansässige Heer versorgen konnte. Zu gleicher Zeit aber plante der Wiener Hof bereits die Entwicklung des Montan.- und Hüttenwesens. ...



 

Anreise im September 2016

Ich hatte eine "erleichterte Ankunft" mit dem Flugzeug in Timisoara, denn mein Gepäck war - wie sich später herausstellte - noch immer auf dem Airport in Berlin-Tegel. Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, dass durch das Missmanagement von AirBerlin und der lausigen Gepäckabfertigung in Berlin-Tegel, mein Bergwandergepäck erst nach 17 Tagen in Resita (Rumänien) eintreffen würde. Dennoch, ich war vorbereitet und hatte die Wanderbekleidung am Leibe; Watlatschen und Höhlenkriecherhose, Kopflampe, Fotoasurüstung, Moneten und Papiere im kleinen Handgepäck. Hans war derweil mit dem Zug nach Resita angereist und erwartete mich im Hostel Nord. Bei meiner Anreise mit dem Taxi vom Airport in die Innenstadt staunte ich nicht schlecht, die Taxis sind modern ausgestattet und die Fahrer registrieren jeden in der Nähe stehenden Klienten. Auch am Abend im Restaurant, Speise.- und Getränkekarte auf dem Pad. Ja liebes Deutschland, wir haben da scheinbar schon einiges nachzuholen - insbesondere natürlich zuverlässige Airlines :-) !!!


 

Caransebes 

Da Hans sehr gerne Bahn fährt, so entschieden wir uns für die längere Bahnstrecke über Caransebes nach Resita. In Caransebes hatten wir einen längeren Aufenthalt und nutzten die Zeit für einen Besuch der Innenstadt. In der grossen orthodoxen Kirche fand gerade eine Messe statt und der Kirchenchor war absolute Spitzenklasse! 

Caransebes stand zu Zeiten Stefan´s unter ungarischer Krone. 1552 kam die Stadt unter Verwaltung des siebenbürgischen Fürstentums, 1668 dann unter türkischer Verwaltung. 1718 übernahmen die Habsburger die Stadt.


 

In der Altstadt 

... von Caransebes geht es gemütlich zu. Viele der alten Häuser sind neu herausgeputzt und im Zentrum der Stadt gibt es sogar ein richtig grosses Einkaufszentrum. Ganz in der Nähe befindet sich der kleine Stadtpark, in dem sich die wohl grössten Platanen befinden, die ich je in Rumänien gesehen habe. Das örtliche Museum war leider geschlossen. 


 

Ankunft in Resita

Unser Freund Horst Neff holte uns vom Bahnhof ab. Er staunte nicht schlecht,  mich mit dem kleinen Säckerl daherspazieren zu sehen. Ja lieber Horst, sagte ich, man wird älter und da geht´s halt nicht mehr so mit dem grossen Gepäck. Aber der Schalk flog schnell auf. ... Im Bild zu sehen, die grosse orthodoxe Kathedrale in der Altstadt von Resita.

Auf Veranlassung Maria Theresias kam es in den Jahren 1769 bis 1771 zur Errichtung eines Hütten.- und Eisenwerkes. Das einst kleine Dorf entwickelte sich rasant zu einer Industriestadt. Wasser, Holz und Eisenerze, alles war im nahen Umland reichlich verfügbar. Nach einem Jahrhundert gingen die Produktionsanlagen und ganze Teil der Stadt in den Besitz der k.k. österreichischen Staatseisenbahngesellschaft (StEG) über. In Folge kam es zur Modernisierung der Melallurgie, sowie zur Neuerrichtung einer Maschinenbauindustrie. Nun stammte regional beinahe alles aus einem "Guss": Erzbergbau, Erzaufbereitung, Metallverarbeitung, Maschinenbau. Im Jahr 1872 wurde in Resita die erste Dampflokomotive im damaligen Ungarn (heutigen Rumänien) gebaut. Im Dampflokomotiv-Museum von Resita kann man sich noch heute von den grossen technischen Leistungen seiner Zeit ein gutes Bild machen. Nach 1920 gingen die Betriebe in rumänischen Besitz über und waren fortan bekannt unter der Bezeichnung "UDR" (Uzinele si Domeniile Resita). Einen vorläufigen Höchststand der technischen Entwicklung erreichte das Industriegebiet in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Nach dem 2 Weltkrieg kam es zur weiteren Modernisierung der Betriebe und zu einer Erweiterung der hier hergestellten Maschinenaggregate (z.B. Schiffsdieselmotoren ...). Nach dem politischen Umbruch in Rumänien brach der gesamte Wirtschaftszweig zu Grossteilen ein und es kam zu massiver Abwanderung der Bevölkerung.


 

Im Innern

... der orthodoxen Kathedrale (Catedrala ortodoxa "Adormirea Maicii Domnului"). Der rieisge Kirchenbau wurde in den Jahren 1938-1941 erbaut. Projektant war der Architekt Victor Vlad aus Timisoara. Die Innenbemalung (Fresko) erfolgte in den Jahren 1968-1971 durch den Maler Gheorghe Vanatoru aus Bukarest. Die Innenbemalung erstreckt sich über eine Gesamtfläche von 2800 m². 


 

Das Wahrzeichen der Stadt 

... ist zweifelsohne die gigantische Förderbrücke (funicular), welche über das gesamte Tal von Resita hinwegführt. Die Förderbrücke, welche über eine Länge von ca. 700 m das gesamte Tal überquert, wurde in den Jahren 1963-1964 erbaut. Zu beiden Seiten des Kasterahmens wurden die Loren an einen Seilzug entlanggeführt. Die Anlage diente dem Transport von Kalkstein, welcher im Doman-Steinbruch abgebaut wurde. Die Anlage war noch bis nach der politischen Wende in Rumänien in Betrieb. Der Kalkstein wurde für die resitaer Stahlproduktion benötigt. 1300 Tonnen Kalkstein pro Tag waren erforderlich um die Stahlproduktion am Laufen zu halten. Weitere Infos zum Einsatz von Kalk in der Stahlproduktion, siehe hier:

... https://www.kalk.de/rohstoff/einsatzgebiete/eisen-und-stahl/ ...


 

Wir wollen es wissen! 

Der rumänischen Sprache nicht mächtig, halten wir die rote Schrift zur rechten Seite für ein Indiz der Sprayerszene von Resita. Die Förderbrücke besteht aus einem Kastenrahmen, welcher an den grossen Stahlstützen aufgehangen ist. An diesem Kastenrahmen führten aussen einst die an einem Stahlseil gezogenen Loren entlang. Darunter befindet sich ein Auffangnetz, in dem aus den Loren herausfallendes Gestein aufgefangen wurde. Innerhalb des Kastenrahmens kann man die gesamte Förderbrücke "durchschreiten".


 

Insgesamt


... besteht der Kastenrahmen der Förderbrücke aus 176 Elementen. Auf dem weiten Weg kommen wir sogar an einigen Bettmatratzen vorbei. 


Innerhalb


... des Kastenrahmens der Förderbrücke ist es stockdunkel. Eine "Brücke" die man also zu allen Tageszeiten mit einer Lampe begehen muss. In beinahe jedem Segment befinden sich kleine, ca. 3 cm breite Löcher, durch welche man von oben auf die Stadt schauen kann. Eine Brücke auf der man nicht schwindelfrei sein muss :-) !!!


Wolfsberg / Garana


Da ich / wir zu diesem Zeitpunkt immer noch auf das Eintreffen meines grossen Wanderrucksacks hofften, verbrachten Hans und ich, zusammen mit Horst Neff einen Tag in Wolfsberg und Weidenthal. Wie es das Glück wollte, trafen wir hier auch unseren alten Freund Gerd Ballas ... https://www.brebu-nou.de/ ... Als er von der Misere meines noch nicht eingetroffenen Wandergepäcks erfuhr, schauten wir bei ihm daheim in Brebu Nou mal im Internet nach, was es in dieser Hinsicht so alles über Air Berlin zu berichten gab - und es war einiges! Hätte ich das vorab gelesen, so wäre ich nie und nimmer mit dieser Airline geflogen. Heute im Jahr 2018 ist das alles wie wir wissen nur noch Geschichte.  


Ziua "Sfantului Gerdulescu Ballas"


... "Tag des Heiligen Gerd Ballas" ... so wird der 13.09.2016 künftig als orthodoxer Feiertag für alle weltweit agierenden Bergwanderer in die Analen der Weltgeschichte eingehen! Die ersten orthodoxen Klöster fertigen gar schon Ikonen von unserem neuen Heiligen! ... Mit großem Herzen und unfassbarer Nächstenliebe lud uns Gerd auf den Dachboden seines Hauses in Weidenthal ein und sagte: "So Willi, schau mal was du alles gebrauchen kannst". Da war die Auswahl zwischen drei Schlafsäcken, einer Isomatte, einem Zelt und einem nagelneuen Wanderrucksack. Es war wie im Paradies!

Danke lieber Gerd, du hast uns (Hans und mir) einen uneingeschränkten Urlaub möglich gemacht! So hiess es also am kommenden Tag: "Auf in den Banater Karst!"

Nächsten Tag´s fuhr uns unser Freund Horst Neff mit Sack und Pack von Resita nach Iabalcea, wo wir endlich "den Ranzen schnürten" :-) und Richtung Comarnic wanderten.


Linia Valea Carasului -  Mediureca - Anina


Die Eisenbahnlinie wurde  im Jahr 1911 errichtet und hat eine Gesamtlänge von 18 km.  Die Bahnstrecke diente wahrscheinlich vorrangig dem Holztransport. Das Holz wurde für den Schutzverbau in den Steinkohlegruben benötigt. Die Wanderung bei der Pestera Comarnic beginnend, folgt man zunächst dem absteigenden Comarnic-Tal auf einem Forstweg. An einem Punkt zweigen die Markierungen "rotes und blaues Band" nach rechts zur Böschung hin ab. Ab hier befindet man sich auf der Trasse der ehemaligen Bahnstrecke und gelangt nach kurzer Zeit an den ersten Bahntunnel. ... Von Comarnic aus führte diese Bahntrasse (C.F.I [T.M.B / CFF 700 mm) zudem weiter in nördlicher Richtung bis Secu, wo drei veschiedene Streckenabschnitte zusammentrafen (Secu - Breazova / Secu - Resita / Secu - Anina). 


Tunel Cheia


Der verlassene Bahntunnel Cheia hat eine Gesamtlänge von 210 m und ist problemlos trockenen Fusses begehbar. Hier hindurch führt auch der weitere Wanderweg. Gleich hinter dem Tunnelausgang Richtung Mediureca steigt nach rechts ein schmaler Fusspfad hinab zum Caras-Bach. Man gelangt am Ende des mitunter schwer begehbaren Pfades direkt an die Einmüdung des Comarnic-Baches in den Caras. Wer hier weiter dem Caras talwärts folgen möchte, der  ist gut beraten, das mit kleinem Gepäck zu tun. Auf weite Strecken kann man zur warmen Jahreszeit den Caras problemlos durchwaten. An den Berghängen, insbesondere zur rechten Seite befinden sich zahlreiche wunderschöne Höhlen. Lediglich das grosse Portal der Pestera Racovita zur rechten Seite ist nicht zu übersehen. Die höher gelegenen Höhlen sind aber nur schwer aufzufinden und man ist gut beraten, einen Führer vom Höhlenforscherclub Exploratorii Resita zur Seite zu haben. In den Sommermonaten ist bei der Pestera Comarnic meist ein Höhlenforscher zugegen. Eine Begehung der Comarnic-Höhle ist in jedem Falle empfehlenswert!


Weiter


... geht es auf dem alten Bahndamm der Eisenbahnstrecke. Der Pfad führt direkt am Portal der Pestera Popovat vorbei, welches aber seit einigen Jahren wieder verschlossen ist. Nur wenige Meter dahinter kann man einige Höhenmeter hinaufsteigen um die Pestera Cerbului zu besuchen. Das grosse Höhlenportal ist ansich gut aufzufinden.  


Die malerische Bahnstrecke


... führt durch viele kleine Schluchten hindurch, was diesem Wanderweg einen besonderen Charme verleiht.


Was hatten wir eigentlich vor?

An dieser Stelle ein paar Anmerkungen zu unserer Tourenplanung. Das grundlegende Ziel war die Bewanderung der Schluchten Cheile Carasului, Cheile Buhui, Cheile Nerei und Cheile Garliste. Einen Grossteil der Strecke kann man komplett im Verbund bewandern. Die Cheile Garliste integrierten wir in den Abschnitt der Semmeringbahn. Natürlich wollten wir noch zahlreiche Höhlen besuchen und am Ende wollten wir uns auch noch einen Tag für Timisoara reservieren ... also wieder einmal viel zu viel für unsere drei Urlaubswochen. Nun hatten wir durch mein fehlendes Wandergepäck 2 Tage verloren, zudem war alles so geplant, dass kein einziger Schlechtwettertag uns hätte bei den Ausflügen und Wanderungen behindern dürfen. Um den Verlust von 2 Tagen wieder aufzuholen, stiegen wir also erst im oberen Abschnitt der Cheile Carasului ein. Würde alles nach Plan laufen und kein Schlechtwetter uns behindern, so könnten wir am Ende der Tour von Carasova aus noch einmal die Cheile Carasului im unteren und mittleren Abschnitt begehen. Dies würde dann auch bei Schlechtwetter möglich sein, da wir in diesem Falle eine Pension in Carasova bezogen hätten. Schaun wir mal wie´s wird ...


Unter der Brücke


... bei Mediureca belegten wir unser erstes Zeltlager. Ein schöner Flecken Erde. Hier mündet auch der Buhui-Bach in den Caras. 

In Höhe der Baumwipfel


... übespannt die alte Eisenbahnbrücke die Valea Carasului über eine Distanz von 40 Meter. Der weitere Wanderweg mit der Markierung "rotes" und "blaues Band" führt direkt über die Brücke. Wer aber nicht schwindelfrei ist, sollte in jedem Falle im Tal den Caras furten, was völlig problemlos ist. 

Kurzausflug


Während sich Hans schon gemütlich einrichtete und als verantwortlicher "Feuermacher" das Holz für´s abendliche Lagerfeuer zusammensuchte, unternahm ich am späten Nachmittag noch einen Kurzausflug nahe der Brücke hinauf zum Vf. Navesu Mare (662 m). Es ging querfeldein entlang einiger auffälliger Felsbarrieren, vorbei an einigen kleinen Höhlen. Im Bild zu sehen, das schöne Portal der "ER 2237". Auf dem bewaldeten Karstplateau entdeckte ich eine grosse Suhle ... vielleicht ein paar interessante Wildspuren? Bis auf Wildschwein, Reh und Hirsch, gab es aber keinerlei Spuren von Wolf und Bär. 

Durch die Valea Buhui


In der Nacht hatten wir im Mondschein noch lange am Lagerfeuer gesessen. Nun aber hiess es: Neuer Tag = neue Tour! Wir überquerten rein obligatorisch die alte Eisenbahnbrücke und folgten der malerischen Valea Buhui (Cheile Buhui). 

2 Tunnel


... befinden sich in der Cheile Buhui. Der erste Bahntunnel hat eine Länge von 80 m. In dem Tunnel steht das Wasser kniehoch und eine Umgehung führt am Caras drumherum. Dabei führt die Markierung "rotes Band" zweimal über den Caras-Bach. 

Der erste Tunnel


... vom hinteren Zugang. Hier kann man trockenen Fusses ein Stück hineingehen. Für ein Foto lohnt es in jedem Falle. 

Die Furt


... bei der Umgehung des ersten Tunnels. In niederschlagsärmerer Zeit ein Kinderspiel ... man hüpft von Stein zu Stein ...


Der zweite Tunnel

 ... hat eine Länge von 35 m und ist frei begehbar. Der Wanderweg führt unmittelbar hindurch. 

Nur wenige Meter

 ... hinter dem zweiten Tunnel in der Cheile Buhui gelangt man an die Reste einer ehemaligen kleinen Brücke.  Hier muss man durch den Buhui-Bach waten um von der linken zur rechten Talseite zu gelangen, wo sich der ehemalige Bahndamm fortsetzt. 

Pestera de la Haldina

 Nahe des Weg´s befinden sich zur rechten Seite zwei Höhlenportale. 

Nach dem grösseren Portal 


... gelangt man nach der ersten Galerie in die zweite Galerie mit dem kleineren Portal. In diesem Höhlensaal fliesst temporär ein  kleiner Bach. Eine unterspülte Betonmauer staute hier das Wasser, welches man einst zum Befüllen der Dampflokomotiven nutzte.  


ER 2237

 Diese Höhle befindet sich nur einige Meter hinter der Pestera de la Haldina. Die Gesamtlänge beträgt ca. 70 m, wobei sich der hohe Höhlengang im hinteren Bereich zunehmend verengt. Eine Begehung ist problemlos möglich. Am Ende gelangt man an einen ganz kleinen Durchschlupf in eine weitere ca. 5 m breite Galerie. Dort befindet sich ein mit Lehm versotteter schmaler Gang, aus dem das Wasser bei grösseren Niederschlägen hervorquillt. Um diesen Saal betreten zu können, muss man aber wirklich schlank sein und darf nicht "Klaus Trophob" heissen :-) ...

Im Innern

 ... der ER 2237. Von innen her sieht man das eigentliche Höhlenportal, welches zu einem Grossteil vom dort vorbeiführenden Bahndamm verschüttet wurde. 

Und fast 


... hätten wir diesen schönen Höhlenzugang Richtung Motel Marghitas zur rechten Seite übersehen. 


Die Höhle

 ... hat keine Registernummer. Gleich hinter dem Portal steigt die Höhle ca. 8 m in die Tiefe und endet dort. Von dieser Höhle aus sind es nur noch ca. 1 km bis zum Hotel Marghitas. Das schmale Tal weitet sich plötzlich zu einer Hochweidefläche und man erreicht das eigenwillige Hotelgebäude, welches einst eine Cabana war. 
Dieses historische Foto

 ... aus dem Privatarchiv von Cristian-Liviu Mosoroceanu zeigt Sonntagsausflügler auf der alten Bahnstrecke (womöglich auf dem Plateau kurz vor dem heutigen Motel Marghitas). 
Lacul Marghitas

 Ein schönes und friedliches Anwesen, bis nach der politischen Wende in Rumänien sich die ersten Privatinvestoren einfanden, welche das nahe landwirtschaftliche Anwesen kauften. Die ersten Käufer gaben das Grundstück wieder ab und eine italienische Firma mit Sitz in Timisoara erwarb das Anwesen erneut. Die Umzäunung des Anwesens brachte ein grosses Ärgernis mit sich, weil dadurch der Zugang zum See versperrt war. So kam es in der Folge zu Unstimmigkeiten zwischen der Gemeinde Anina und dem italienischen Privatinvestor. Heute kann man ungehindert über dessen Anwesen gehen,  um an den See zu gelangen. Rechtsseits des Ufers gelangt man an die alte Umzäunung, welche hier aber heruntergetreten ist. Ein schmaler Pfad führt in die Valea Marghitas. Wir nutzen die Zeit des späteren Nachmittags noch für einen Kurzausflug mit kleinem Gepäck in dieses schöne Tal ...
Pestera Marghitas

 ... in der gleichnamigen Valea Marghitas, linksseits des Tales. 
Die Höhle

 ... hat eine Gesamtlänge von 115 m. Nach dem ersten Höhlensaal fällt der Höhlengang steil ab. Man könnte denken, dass hier von Zeit zu Zeit das Wasser herabströmt. Das Gegenteil ist der Fall, denn aus dem 16 m tiefer gelegenen Siphon drücken bei starken Niederschlägen die Wässer nach oben und ergiessen sich beim Höhlenausgang dann wieder bergab. 
Es wird Abend

 ... und wir treten den Rückweg zum Motel Marghitas an, wo wir bereits Quartier bezogen haben. Eigentlich wollten wir es noch bis zum unteren wunderschönen Portal der Pestera Buhui schaffen, aber dafür reichte uns die Zeit am späteren Nachmittag nicht mehr. Dafür aber beobachtete uns eine grosse Eule, ob wir denn  die Valea Marghitas auch wirklich wieder verlassen :-) !
Motel Marghitas

 ... Während der Zeit des florierenden Bergbaus wurde die einstige Cabana Marghitas im Jahr 1970 erbaut. Finanziert wurde das Projekt einst von der Gemeindeverwaltung Anina. Ziel war die touristische Aufwertung der Region. Nach 1991 wurde der Komplex von einer Baufimra gekauft. 12 Milliarden Lei wurden zu jener Zeit investiert, aber die Touristen blieben weitgehend aus. Geplant war auch eine Skipiste. Zu dieser Fehlinvestition kam es zum Glück nicht mehr. Heute ist die Gemeinde Anina wieder Besitzer dieses touristischen Anwesens. Kontaktanfrage für eine Unuterkunft im Motel Marghitas über Herrn Cristian-Liviu Mosorocenu:
... svsu.anina@yahoo.com oder Tel. 0040 784 293659 ... Anfrage in deutscher Sprache möglich!
Aufstieg

 ... über Poiana Ravnistea Mare. Die höchste Anhöhe (Bildmitte) beträgt 754 m und biete schöne Ausblicke mitunter auch auf das Semenic-Gebirge. Wer sich das Gebiet von Poiana Ravnistea Mare einmal über Google Earth anschaut, dem werden die zahlreichen runden Bauminseln auffallen. Es sind allsamt bewaldete Dolinen. Ein liebliches Areal, auf dem sich auch eine Stana (Hirtenhütte) befindet. Ob es in der einen oder anderen Doline einen Höhlenschacht oder -zugang gibt, war bei unserer "Durchwanderung" nicht zu ergründen. Dafür fehlte uns leider die Zeit. 
LKleine offene Wabe

 ... der Feldwespe (Polistinae), früher auch als Papierwespe bezeichnet. Wer sich Zeit nimmt, findet hier eine grosse Vielfalt ab Fauna und Flora vor. ider

 ...
Nördlich

 ... von Poiana Ravnistea Mare schliesst sich ein wunderschöner und wilder Karstwald an. 
Auch die Wälder

 ... bei Ravnistea Mare sind durchsetzt von vielen Dolinen. Wir durchschreiten zahlreiche riesige Dolinen bei unserer weiteren Wanderung hinunter zur Cheile Buhui. 
Und endlich

 ... eine vielversprechende Suhle. Wir finden wenigstens eine Wolfsspur! Nach dem Abstieg in die Cheile Buhui, steigen wir gegenüber erneut querfeldein bergauf zur Poiana Ravnistea Mica. Auch hier ist das Areal von Dolinen durchsetzt. Die Wanderung über Ravnistea Mare - Valea Buhui - Poiana Ravnistea Mica ist tagesfüllend und durchaus sehr abwechslungsreich. 
Anina

 Zitieren wir kurz etwas zur Historie von Anina - Steierdorf: "Am 24. Juni 1773 gründete man die Holzhacker- und Köhlerkolonie Steirer-Dorf, später Steyerdorf oder Steierdorf. Im Jahre 1850 bekam man hier die Erlaubnis, Wochenmärkte zu organisieren. Am 1. November 1859 wurde die Gemeinde Steierdorf aus der Taufe gehoben, dadurch, dass man der Kolonie eine eigene Verwaltung gewährte. Im Jahre 1898, infolge eines Gesetztes der ungarischen Verwaltung, durch das man bestimmte, dass eine Ortschaft einen ungarischen Namen tragen muss, bekam Steierdorf den Namen Stajerlakanina. Im Jahre 1920, nachdem der Großteil des Banats zu Rumänien fiel, wurde die Gemeinde Steierdorf - Anina benannt, und am 27. September 1952 wurde aus der Gemeinde eine Stadt, genannt Anina. ..." (Auszug aus dem Buch "Anina - Steierdorf ... Gheorghe Jurma, Erwin Josef Tigla, ISBN 978-973-1929-48-4).
Wir beginnen beim Zentralschacht

 ... Gemeinsam mit Cristian Stoica, Cristian-Liviu Mosoroceanu und Florin Lataretu begaben wir uns auf historische Spurensuche durch Anina - Steierdorf. Allein um die noch verbliebenen Anlagen des Zentralschachtes besuchen zu können, bedurfte es der Genehmigung der Gemeinde Anina. Unser erstes Ziel war der Zentralschacht von Anina. Die Schachtanlage befindet sich auf 570 Höhenmeter. Mit dem Bau des Schachtes begann man im März 1874 und dieser ist zunächst unter der Bezeichnung "Hungaria-Schacht" bekannt. Im September 1879 hatte man den Schacht bereits auf eine Tiefe von 455 m vorangetrieben und im Jahr 1920 war eine Tiefe von 614 m erreicht. Die erste Fördermaschine, angetrieben von Dampfzylindern, wurde im Jahr 1875 von einer Maschinenfabrik in Resita geliedert. Die Gesamtleistung der Fördermaschine betrug 380 PS. Im Jahr 1909 wurde ein neuer Förderturm errichtet. Die stählerne Konstruktion stammte ebenfalls aus Resita. Zudem wurde 1910 eine neue und stärkere dampfbetriebene Förderanlage mit zwei Dampfzylindern in Betrieb genommen. Diese zwei Dampfzylinder kann man noch heute besichtigen. Die Leistung der Anlage betrug 1.200 PS. Bis 1954 arbeitete die Anlage beinahe durchweg wartungsfrei. Danach mit verminderter Leistung. Am 15.06.1890 wurde der Schacht umgetauft auf den namen "Ronna" (Ronnabrunnen). Nach dem Besuch von König Ferdinand I. und Königin Maria wurde der Schacht erneut umbenannt auf den Namen "König Ferdinand I.". Es folgten weitere Neubenennungen des Schachtes: "Central-Schacht" (putul Central), Anina-Brunnen (putul Anina), und auch "Gheorghe Gheorghiu-Dej". Heute aber zumeist weiter als "Putul Central" (Zentralschacht) bekannt. Der Schacht erreichte im Jahr 1942 eine Tiefe von 944 m. Unmittelbar neben dem Schacht befindet sich in der Tiefe eine weitere Förderanlage, über welche ein Parallelschacht bis auf eine Gesamttiefe von 1453 m vorangetrieben wurde. Heute ist die Schachtanlage verschüttet und nicht mehr zugänglich.
Der Ursprung

... des Steinkohlebergbaus war ansich ein ganz banaler und wir zitieren aus dem bereits erwähnten Buch "Anina - Steierdorf" einen Artikel von Alexander Tietz, welcher eine Sprachnotiz von Josef Skala, gewesener Steiger, 90 (1957), zu Buche führte: 

"So ist die Aniniaer Kohle aufgefunden worden

Wissen sie, wer die Aninaer Steinkohle entdeckt hat? Ein Schwein. Die Steinkohle war ganz nah an der Oberfläche gelegen, nur mit einer dünnen Grasschicht bedeckt, und das Schwein hat mit seinem Rüssel die Scholle von der Kohle fortgewühlt. Zufällig machten die Schweinshalterbuben von Steierdorf gerade an der Stelle, wo das Schwein die Steinkohle bloßgelegt hatte, ihr Lagerfeuer. Auf einmal merkten sie, dass der Stein unter ihrem Feuer brennt! Ein Bub nahm ein Stück von dem "Schwarzen Stein", der brennen kann, mit ins Dorf und zeigte es seinem Vater. Der Vater, ein Holzschläger namens Nikolaus Hammer, zog sein Sonntagskleid an, wickelte den Stein in ein Schnupftuch und trug ihn zu der Königlichen Bergdirektion nach Orawitz. Als die Herren den Stein sahen, wurden sie auf einmal sehr freundlich. Sie klopften dem Mann auf die Schulter und ließen ihm bei der Kasse eine Belohnung von fünfzig Gulden auszahlen. So ist die Kohle von Anina aufgefunden worden. Das war im Andreasgraben im Aninaer Tal. Dort wurde der erste Schacht Purkaru-Schacht getauft. Purkar bedeutet auf Rumänisch Schweinshalter." 

Die riesige Seilzugtrommel

 ... des Zentralschachtes. Diese wurde von zwei Dampfturbinen angetrieben. (Linke im Bild, rechte Turbine nachfolgendes Bild). Die Anlage wurde im Jahr 1907 erbaut. Die Maschinenteile stammen aus österreichischer und englischer Fabrikation. Die zwei Dampfzylinder funktionierten 24 Stunden am Tag bis zum Jahr 1985 tadellos. Da es der Tradition entsprach, die Aggregate auf einen Namen zu taufen, so waren die Dampfzylinder unter dem Namen "MARISCA" bekannt. Im Jahr 1985 wurde diese Förderanlage durch eine elektrische Förderanlage namens "NATASCHA" aus sowjetischer Produktion ersetzt. Diese befand sich in einem neueren Nachbargebäude und ist heute vollständig demontiert. 
Eine

 ... der zwei mächtigen Dampfturbinen. Im benachbarten Kesselhaus sind leider keine Aggregate verblieben. Das noch vorhandene Technikgut zu bewahren, bedeutet einen grossen Schatz für die Gemeinde Anina in touristischer Hinsicht. Wir dürfen gespannt sein, wie die Gemeinde ihre historischen Schätze künftig präsentieren wird.
Der Niedergang der Bergbaugeschichte in Anina - Steierdorf vollzog sich über eine längere Periode in den Jahren 1990-2005. Im Jahr 2006 ereignete sich am 14. Januar um 05:30 Uhr im Querabbau des I. Schachtes eine schwere Gasexplosion. Dani Vlad schreibt dazu in dem Buch 
"Anina - Steierdorf" ... Gheorghe Jurma, Erwin Josef Tigla, ISBN 978-973-1929-48-4 "... 7 Bergmänner getötet und andere 5 wurden verletzt. ... Am Abend desselben Tages kamen der rumänische Präsident, der Ministerpräsident und der Wirtschaftsminister nach Anina. ... Am Dienstag, dem 17. Januar 2006, war Trauertag in Anina. ... Nach den Begräbnisgebeten wurden alle gemeinsam zum Sigismunder Friedhof begleitet, um beerdigt zu werden. ... in diesem Falle begannen die Beerdigungsgebete um 14 Uhr, ... gelesen von 12 rumänisch-orthodoxen Priestern. Zur gleichen Zeit, ... wurden die 7 Särge in die Trauerwagen geladen nud die Sirene des Schachtes begann 7 mal jämmerlich und sehr lange zu heulen. ... Am Mittwoch, dem 18. januar 2006, verweigerten die Bergleute die Einfuhr in die Grube. Sie verlangten die Entlassung mit Bezahlung der gesetzlichen Abfindung  im Wert von 200 Millionen Lei. ... Der im Jahre 1790 von Mathias Hammer entdeckte schwarze Stein scheint von jetzt an für immer in der Erde zu bleiben ..."
Blick ins Innere
 
... des großen Zentralschacht-Gebäudes.
Zitieren wir an dieser Stelle noch etwas zur Ortsgeschichte aus dem Buch "Geschichte von Steierdorf - Anina vom Jahre 1773-1873 von Josef Kracher / Temesvar, 1873": "... Der Abbau von Kohlen hat hauptsächlich im Brennerschachte, und im Sigismund, Hermann, Dulnig, und Gabrielstollen stattgefinden und zwar im Sohlenbau. Die Förderung in den Schächten geschah mit Dampfmaschinen und in den Stollen auf Eisenbahnen verschiedener Systeme. ... Zur Durchführung der oben erwähnten großartigen Projecte bedurfte man bedeutender Menschenkräfte. Zu diesem Zwecke warb man im Jahre 1846 in Böhmen, Mähren, Steiermark, größtentheils aber in Oberungarn Bergleute an, und es kamen in diesem Jahre bereits 58 Schachthäuer mit 30 Weibern und 87 Kindern nach Steierdorf, von denen aber während der politischen Wirren des Jahres 1848 mehrere Familien in ihre Heimat wieder zurückkehrten, andere wanderten zu dieser Zeit nach Serbien aus, viele wurden in den Jahren 1850 und 1851 von Fieber, Thyphus, und der Cholera dahingerafft, welchen Krankheiten in dieser Zeit von je 57 Personen unterlag.
Im Dezember 1850 kam abermals ein großer Transport von 101 Bergleuten mit 39 Weibern und 56 Kindern aus der Schmöllnitzer Gegend, und von 50 Männern mit 17 Weibern, und 22 Kindern aus Aranyidka hier an. Im Jahre 1851 wanderten 32 Männer mit 28 Weibern und 63 Kindern aus Zbirow in Böhmen ein.
Zur Unterbringung dieser Einwanderer erbaute das Montanärar verschiedene Colonien. Im Jahre 1846 wurden im sogenannten Karrenschlag 41 Häuser erbaut. ... Im Jahre 1851 wurde der Bau der böhmischen Colonie begonnen, aber unter dem Aerar nur eine Arbeiterkaserne und 7 Coloniehäuser vollendet. ...
Mit dem schwungvolleren Betriebe der Kohlegruben mehrte sich Handel und Wandel, wurden Verkehrswege und Straßen gebaut, so daß im Jahr 1850 bereits der erste Wochenmarkt in Steierdorf abgehalten werden konnte. ...
Das Montanärar hat wie das Vorstehende zeigte in einem kurzen Zeitraume Steierdorf bedeutend gehoben und vorgearbeitet zu dem stattlichen Aufbau eines großartigen Industrieortes durch die Staats-Eisenbahn-Gesellschaft, die mit 1. Jänner 1855 durch eine Verkaufsurkunde sämtliche Banater-Werke, und somit auch Steierdorf ins Eigenthum brachte. Mit Schluß des Jahres 1854 hatte Steierdorf 325 Hausnummern und 2045 Seelen, ...
Die Arbeiten für den Bau des Eisenwerkes ... begannen im Mai 1858 ... Ueber 3000 Arbeiter aus aller Herrn Länder des In- und Auslandes waren zu diesem Baue herangezogen, deren schnelle Unterbringung der Bauleitung, die sich selbst provisorische Wohnungen erbauen mußte, nicht wenig Schwierigkeiten machte. Gebäude aus Ziegelwänden, oder aus Bruchsteinmauerwerk mit Brettern verschallt, Baracken aller Art, die häufig nur Erdhöhlen glichen, und die sich die Arbeiter selbst machten, waren die Behausungen, aus denen die Arbeiter morgens Früh wie ein Bienenschwarm zu ihrer Arbeit zogen, ..."
Historisches Foto
 
... vom Bau des grossen Förderschachtes (aus dem Privatarchiv von Izvernari Ghita / Anina). Im Jahrbuch der kaiserlich-königlichen geologischen Reichsanstalt / Band 17 / Wien 1867 ... lesen wir in einer Mitteilung von Benedikt Roha (Oberverwalter in Steierdorf) zur Entwicklung des Bergbaus wie folgt:
"... Der der k.k. Staats-Eisenbahngesellschaft gehörige Montan-Complex Anina-Steierdorf ist gewiss ein Betriebsobjekt, das für unsere Fachgenossen ein mehrfaches Inetresse bieten dürfte ... Dieser Berg- und Hüttenwerkscomplex ist in der wissenschaftlichen und bergmännischen Welt noch zu wenig bekannt, trotzdem er der wichtigste Industriepunkt des südöstlichen Theiles der österreichischen Monarchie geworden ist. Nur wenige Aufsätze erwähnten bisher den Namen dieses Werkes, ja selbst der ungarische Kohlenmarkt kennt denselben wenig, ungeachtet die Steierdorfer Kohle nahe die beste der Monarchie ist und in Millionen Centnern bereits Absatz findet; weil man gewohnt ist, sie unter dem Namen 'Oraviczaer Kohle' zu consumieren, obgleich Oravicza noch keinen Centner Steinkohke produciert hat, sondern nur der Steierdorfer Kohle als Depotplatz diente. ...
Steierdorf ... hat 3800 Einwohner, welche alle vom Bergbau leben. 3/4 Gehstunden nordwärts liegt, durch Colonien und Schachtanlagen mit Steierdorf fast geschlossen zusammengebaut, das Hüttenwerk Anina mit 1500 Einwohnern, alle Werksangehörige. ... In und zwischen diesen beiden Ortschaften liegen sämmtliche industrielle Etablissements: der Steinkohlebergbau, Schieferdestillationshütte mit dem Schieferbergbau, Eisensteinbergbau, Kohlenwäsche, Cokesöfen, 3 Hochöfen, Cupolofengiesserei, Puddlingshütte, Maschinenwerkstätte, Brettsäge und Imprägnierungsstätte. Als Zugehör des Werkes erscheinen noch 23.000 Joch Waldungen mit bedeutender Erzeugung von Holzkohlen, Kalk- und Marmor-Arten, feuerfestem Thon und Steinen und starkem Klafterholz-Export. ...
Die der Liasformation angehörigen Steinkohlenflötze Steierdorfs gehören zu den am längsten bekannten und bebauten der österreichischen Monarchie. Sie sind im Jahre 1790 entdeckt und schon 1792 wurden mit Hofkammerdecret vom 15. Mai Privatschürfungen in diesem, damals rein ärarischen Terrain gestattet, in Folge deren im Jahre 1803 die ersten Feldesverleihungen per 12000 Quadratklafter erfolgt sind. ...
Die Qualität der Kohle ein und desselben Flötzes schwankt je nach den veschiedenen Betriebspuncten nicht sehr, was sich nach den Mittel-Ergebnissen der Analysen der k.k. geologischen Reichsanstalt hinlänglich zeigt, welche zur Zeit der Londoner Weltausstellung 1862 gemacht wurden ... Demungeachtethatte der hiesige Kohlenbergbau schwere Mühe, zur Entwicklung zu kommen, und können wir füglich in dem Gange derselben 4 Perioden unterscheiden: ... 1. Zeit der Terrainsoccupation von 1792 bis 1827 mit 1,640.000 Centner Erzeugung. ... 2. Bauperiode der Privaten auf Grobkohle für Schmiede und zur Cokeserzeugung aus Stücken von 1828 bis 1845 mit 3,751.462 Centner Erzeugung. ... 3. Bauperiode des Aerars und der Privaten bei theilweisem Kleinkohlenabssatz für Dampfschiffe von 1846 bis 1854 mit 5,227.970 Centner Erzeugung. ... 4. Bauperiode der k.k. priv. österr. Staats-Eisenbahn-Gesellschaft bei Absatz und Verwerthung aller Kohlesorten von 1855 bis 1865 mit 15,611.026 Centner Erzeugung. ..."
Schacht 4 (Kollowrath)

 Die spätere Bezeichnung "Schacht 4" trügt, denn dies war die erste Schachtanlage in Anina. Zuvor wurde hier nur der reine Grubenbergbau betrieben. Der Förderschaft befindet sich in einer Höhe von 647 m. Der Bau des Schachtes begann im Jahr 1846. Im Jahr 1853 hatte der Schacht eine Tiefe von 283 m erreicht. Der Förderturm hat eine maximale Höhe von 20 Meter. Schacht 4 wurde im Jahr 2007 geschlossen. 
Die Förderanlage

 ... von Schacht 4 ist noch vollständig erhalten und ist heute von grossem musealen und historischen Wert. Auf den verschiedenen Maschinenteilen lesen wir die Inschriften der Hersteller: "WHITEMORE" BRAKE ... H.J.H. KING&CoLTD... ENGINEERS, NAILSWORTH ... oder etwa METROPOLITAN Vickers / 1823 (?) ... Wer die Anlage besichtigen möchte, muss beim örtlichen Tourismusamt voranfragen. Die Fördermaschine (VICKERS Limitid), angetrieben durch einen Elektromotor, wurde in England produziert. Die Anlage ist ausgelegt, um Lasten bis aus einer Tiefe von 850 m zu befördern. Die Kabeltrommel ist mit einer elektropneumatischen Bremsanlage versehen ("Whitemore"-Bremse / H.J.H. König & Co.). 
Minenarbeiter

 Das historische Foto aus dem Privatarchiv von Izvernari Ghita, stammt etwa aus der Zeit nach 1980. Eine Einwohnerstatistik aus dem Jahr 1891 gibt Aufschluss über die Einwohnerschaft von Steierdorf - Anina: Gesamt = 12.144 EW, davon: 7.553 Deutsche, 1.553 Slowaken und Böhmer, 425 Rumänen, 329 Ungarn und 2.234 weitere Etnien. Im 20. Jahrhundert entwickelte sich die Bevölkerungsstatistik stark zu Gunsten der rumänischen Bevölkerung. Dennoch war fortlaufend die Deutsche Sprache in Anina - Steierdorf immer präsent, denn auch zu Zeiten des Sozialismus wurden z.B. die Kinder deutscher Ethnie bis zur 4. Klasse in Deutsch unterrichtet. Wie überall in Rumänien sind auch hier nach der politischen Wende viele deutsch-stämmige Bürger nach Deutschland ausgewandert. Nach einer Statistik aus dem Jahr 2011 leben heute in der Gemeinde Anina ca. 7.480 Einwohner: Rumänen (80,56%), Deutsche (5,65%), Roma (2,73%), Ungarn 1,32%) ...
Der Bahnhof von Anina

 ... Anfang oder Ende einer der landschaftlich abwechslungsreichsten Bahnstrecken Rumäniens, welche noch regelmässig befahren wird. Der erste Zug, auf dieser Strecke zwischen Anina - Oravita fuhr im Jahr 1856. In der Zeit nach der offiziellen Inbetriebnahme im Jahr 1863 diente die Stecke in den ersten 6 Jahren reinweg dem Gütertransport, später  kam die Personenbeförderung hinzu. Weitere historische Fakten folgen an anderer Stelle. Das historische Bahnhofsgebäude wurde etwa gegen 1863 fertiggestellt. Heutige Besucher interessieren sich natürlich für den laufenden Fahrplan: Der Zug startet um 11:15 Uhr in Oravita, Ankunft in Anina um 13:05. Abfahrt von Anina 13:30 Uhr, Ankunft in Oravita 15:20 Uhr. Die Existenz dieser historischen Bahnstrecke zwischen den beiden Gemeinden Anina und Oravita steigert den touristischen Wert der Region ungemein!!! Eine Befahrung ist beinahe schon ein UNBEDINGTES MUSS!
Historisches Foto

 ... aus dem Privatarchiv von Izvernari Ghita. Viele dieser wunderschönen Fotos kann man in der liebevoll hergerichteten Tourismus-Information im Bahnhofsgebäude von Anina bewundern. Mit ein bischen Glück ist Izvernari Ghita sogar selbst vor Ort, um an dem kleinen Imbissstand die Bahntouristen persönlich zu versorgen. Am 15.12.1863 wurde die Bahnstrecke Anina - Oravita (normaler Spurweite) eröffnet. Der Betrieb erfolgte mit der Dampflok "Steyerdorf" (Typ Steg 34 mit Tender-System Engerth). Die Bahnstrecke führt über 10 Viadukte und durch 14 Tunnel. Einen Besuch und eine Bafahrung der Strecke hatten wir aber zu späterer Zeit von Oravita aus geplant. ...
Katholische Kirche in Steierdorf

 Die Kirche wurde im Jahr 1873 eingeweiht und galt im Montan Banat als die schönste ihrer Art. Sie ist der Heiligen Dreifaltigkeit gewidmet, was auf dem Hauptaltar ersichtlich ist. Dieser Hauptaltar, der Beichtstuhl, die Kanzel und Sitzbänke sind ein Meisterwerk des Bildhauers A. Sikinger aus München. Die drei Glocken (die größte mit einem Gewicht von über 500 kg) wurden vom K.&K. Hofglockengiesser Ignaz Hillzer aus Wien gefertigt. Zwei der Glocken wurden im Jahr 1916 requiriert und 1926 durch neue aus der Temeswarer Glockengiesserei Anton Novotny ersetzt.
...
Die ursprüngliche Orgel

 ... im Innern der katholischen Kirche von Steierdorf, mit 12 Register ausgestattet, wurde von Alois Hörbinger aus Weisskirchen gebaut. Später wurde die alte Orgel durch eine neue von der Firma 'Wegestein Orgel' (Carl Leopold Wegestein / 1858 Wien - Temeswar) ersetzt, welche noch heute in Betrieb ist. Auch die alte Kirchturmuhr ist noch im Original erhalten, Dank der fundierten Wartungsarbeiten durch Herrn Sirbu. Es gab mehrere Renovierungsperioden, letztere im Jahr 1997, welche ohne die Unterstützung der ausgesiedelten ehemaligen Bewohner von Steierdorf nicht möglich gewesen wäre. Im Jahr 1986 stand der Kirche gar der Abriss bevor, was im Zusammenhang mit einem grossen Projekt während der Ceausescu-Zeit stand. Glückliche Umstände liessen das Projekt scheitern und der Fortbestand der Kirche war gesichert. Während der Zeit des Sozialismus hatten die gläubigen Bewohner von Steierdorf mit allerhand Einschränkungen zu leben und so führte manch ein Schulkind das Dasein in der Religionsstunde in einer Form der Anonymität. So hatte der Hintereingang zur Kirche eine weit bedeutendere Funktion als dies heute der Fall ist :-) !!! Im Jahr 2023 steht ein doppeltes Jubiläum bevor: 150 Jahre seit der Weihe der heutigen Kirche (zuvor befand sich hier eine kleine Holzkirche aus dem Jahr 1787) und 250 Jahre seit Ortsgründung von Steierdorf. Im Jahr 1773 wurde eine erste Messe bei einer frisch geschlagenen Buche abgehalten und im Anschluss daran wurde ein erstes Blockhaus errichtet. Die Pläne dieses Hauses sind der Nachwelt erhalten geblieben und so hegen die heutigen und ehemaligen Einwohner von Steierdorf die Absicht, dieses Haus in alter Handwerkskunst und Bautechnik zu rekonstruieren. Ein wunderbare Idee!
Tourist-Information

 ... in Steierdorf. Das neu erbaute Tourismusbüro geht auf eine Initiative der Gemeinde Anina zurück. Der Tourismus soll für die Zukunft ein weiteres Standbein der regionalen Wirtschaft werden. Ein Anfang ist gemacht, aber weit mehr Arbeit steht bevor! Besonders an der mehrsprachigen Präsentation im Web muss kräftig gearbeitet werden, um die Region bekannter zu machen. Einige Seiten sind bereits im Aufbau:
...  http://cniptanina.ro/  ...
...  http://turism-anina.blogspot.de/  ...
Unterkünfte im Raum Anina ... http://cniptanina.ro/cazare/  ...
... http://primaria-anina.ro/index.htm  ...
Pestera Plopa

 Über das Tourismusbüro hat uns der Tourismusmanager der Gemeinde Anina einen jungen Mann organisisert, mit dem wir zwei in der Nähe befindliche Höhlenkomplexe besuchten. Freilich nur eine Stippvisite, denn für tiefere Vorstösse waren wir ja nicht ausgerüstet. Dennoch, für den durchschnittlichen Touristen ist so ein Kurzbesuch durchaus interessant und beeindruckend! Aus dem dreieckigen, ca. 14 m hohen Höhlenportal strömt ein kleiner Bach hervor. Ein hölzerner Steg führt über einige Meter in den vorderen Bereich der Höhle. Spätestens ab dort muss man durch knietiefes Wasser waten um noch ein Stück weiter vorzudringen. Es folgen einige schöne Sinterbecken, im Anschluss daran verjüngt sich die nach wie vor 5-6 m hohe Galerie. Man gelangt hier in die Galeria sub Fosila, welche sich ca. 200 m fortsetzt, bis zu einer weiteren aktiven Galerie. Im hinteren Drittel der Galeria sub Fosila befindet sich eine Verengung von 0,6 m in der Breite und 1,9 m in der Höhe. Erst dahinter gelangt man zu den schönsten Höhlenformationen dieses Höhlenkomplexes. ...
Pestera Ponor

 ... Die Höhle ist auch bekannt unter der Bezeichnung "Pestera Ponor-Plopa", da diese Höhle hydrografisch mit der Pestera Plopa in Verbindung steht. Die Dimensionen der Höhle im zugänglichen Bereich sind beeindruckend. Der Höhlenzugang befindet sich in einer Höhe von 570 m. Der leicht absteigende mannshohe Zugang von halbmondartigen Profil führt gleich zu Beginn in diese riesige Galerie, welche durch ein Fenster in der Höhlendecke geprägt ist. Die Temperatur in diesem Höhlenkomplex beträgt konstant 9-10 C°. Erste Kartierungen und Beschreibungen des Höhlenkomplexes stammen aus dem Jahr 1964 von V. Sencu, L. Botosaneanu, A. Negrea und St. Negrea. 
Im weiteren Verlauf

 ... innerhalb des zugänglichen Bereiches verjüngt sich der fortlaufende Höhlengang zusehends bis dieser nach ca. 50 m endet. 
Biserica Ortodoxa "Sf. Imparatii Constantin si Elena

 ... in Anina. Der Bau der orthodoxen Kirche der "Heiligen Kaiser und Kaiserin Constantin und Elena" begann im Jahr 1908. Die Mehrzahl der Grubenarbeiter waren vorwiegend rumänisch-orthodox. Um der wachsenden Gemeinde gerecht zu werden, erfolgte der Bau dieser Kirche. Auf diesem Platz wurde einst der Abraum der Kohleförderung als Halde angeleget, weswegen ein 30 m tiefes Fundament, bestehend aus Holzpfählen, angelegt wurde. Es dient der Stabilisierung des Untergrundes. Die Ingenieure, welche die Arbeiten anleiteten, waren Morawetz und Oravicea. Die Kirche wurde im neobyzantinischen Stil angelegt. Architekt war Victor Vlad, Dekan der Fakultät für Architektur in Timisoara (Temeswar). Am 12. November 1939 wurde die Kirche durch den banater Metropoliten Vasile Lazarescu geweiht. 
Die Innenbemalung

 ... der orthodoxen Kirche erfolgte unter Anleitung von Dr. Miloia, Direktor des Museums für Geschichte und des Staatsarchivs. Die ursprüngliche Malerei wurde einst in Tempera-Technik gefertigt. In den Jahren 2004 bis 2008 wurde die neue Malerei in Fresko-Technik erstellt. Die Ikonostase, unter Denkmalschutz stehend,  stammt von Stefan Gajo, welcher auch die Ikonostase der orthodoxen Kathedrale in Timisoara gestaltete. Im Jahr 2009 wurde die orthodoxe Kirche erneut geweiht.

Gegenüber der orthodoxen Kirche von Anina befindet sich ein Supermarkt. Für uns wurde es Zeit, noch nötige Einkäufe für die bevorstehende Wanderung durch die Cheile Nerei zu erledigen. ...
"The Gallery"

  Am Nachmittag kehrten wir in Anina im Pizza-Restaurant "The Gallery" https://www.facebook.com/The-gallery-pizzerie-342722492513112/  ein, dessen Besitzer Izvernari Ghita ist. Ihn hatten wir ja schon zur Mittagszeit auf dem Bahnhof von Anina in der Touristinformation kennen gelernt. Er betreibt dort eine kleine Snak-Bar. Zudem hat Izvernari Ghita dort viele historische Fotos ausgelegt, welche dem hier pausierenden Eisenbahntouristen einige historische Rückblicke gewähren sollen. In seinem Pizza-Restaurant hätte er noch viel mehr historische Fotos, weswegen ein Besuch natürlich unabwendbar wurde! Izvernari Ghita war zunächst nicht zugegen, aber auf Nachfrage bei der Kellnerin, brachte diese uns eine Holzkiste voller laminierter historischer Fotos. Wunderbar! Später lernten wir dann auch Izvernari Ghita pesönlich kennen (siehe Bildmitte). Sein Vater war der erste "hauptberufliche" Fotograf in Anina, während er selbst die Fotografie und das Sammeln historischer Fotos als leidenschaftliches Hobby betreibt. Sie privates Atelier ist beinahe vollgestopft mit historischen Zeugnissen aus Anina und dem Banat. 
Historisches Foto

 ... aus dem Privatarchiv von Izvernari Ghita. Über die komplexe Geschichte der Bewohner und der Industriealisierung dieser Region gibt der untenstehende Artikel Aufschluss ...
Karte des Forsteisenbahnnetzes in der Gegend Anina Nord

 Zitieren wir an dieser Stelle aus der Zeitung des Vereins Deutscher Eisenbahn-Verwaltungen (1863): "... Die seit 1855 bestehende Oesterreichische Staatseisenbahn-Gesellschaft ist nicht blos die Inhaberin eines Bahnnetzes von 174 Meilen Länge, sondern auch zugleich die größte industrielle Körperschaft Oesterreichs ... III. Die Besitzungen im Banate. Sie befinden sich auf dem Gebirgslande, ... Die Besitzungen erstrecken sich über eine Fläche von 39,5 Quadrat-Meilen, welche 109500 Seelen zählen, die sich nach Nationalitäten folgendermassen vertheilen: Rumänen 82000, Deutsche 14000, Bulgaren 8750, Magyaren, Serben, Slowaken, Zigeuner und sonstige Nationalitäten 4750. Auf diesen ausgedehnten Ländereien betreibt die Gesellschaft eine Anzahl höchst wichtiger Industriezweige: I. Bergbau. 1.) Steinkohlebergbau in Steierdorf und Reschitza mit einer jährlichen Erzeugung von 1.600,000 Zollcentner, ... 2.) Eisenbergbau in Reschitza, Dognacska, Moravitza, Steierdorf, man erzeugt jährlich nahezu 1 Million Centner Erz; 3.) Kupfer.- Blei.- und Silberbergbau in Dognacska, Orawitza, Szaszka, Moldowa. ... 4.) Goldbergbau in Orawitza, ... 5.) Bergbau auf Schwefel-Eisenkies in Moldowa ... II. Eisenwerke. 1.) 3 Holzkohlenhochöfen mit 1080 und 2080 Cubikfuss Fassungsraum in Reschitza ... 4.) 3 grosse Coakshochöfen in der Anina von 4900 Cubikfuss Fassungsraum. Mögliche Erzeugung von 300,000 Zoll-Ctr.; ...
Seine Verwendung findet das hier gewonnene Roheisen zunächst zu Gusswaren, welche in Reschitza, Anina und Szaszka angefertigt werden und in Bau.- und Maschinentheilen, Oefen, Kochgeschirren, etc. bis zum feinsten Kunstgusse bestehen. Die Hauptmasse des Roheisens geht in die Puddlingshütten zu Reschitza und Anina, die auf eine Erzeugung von über 350,000 Ctr. Schmiedeeisen und Stahl eingerichtet sind, und Stab-, Flach-, Band- und Kesseleisen, Schienen, Tyres etc. liefern, die theils für die Bahnlinien der Gesellschaft, für die Maschinenfabriken in Wien und Reschitza, theils für den Handel bestimmt sind. ... III. ... Ausserdem befinden sich in Reschitza und Anina Werkstätten für die verschiedenartigsten Holz- und Eisenarbeiten, die Modelle, Bautischlerarbeiten und Schlosserarbeiten etc. fertigen. ... VI. Eine Schieferdestillation und Paraffinfabrik in Steierdorf und Orawitza. Sie liefern jährlich 600,000 Zollpfund Photogen und 26,000 Pfund Paraffin, theils zur Beleuchtung der Waggons, sowie der Bahnhöfe, ... verwendet.
Die Zahl der bei den Berg- und Hüttenwerken und Fabriken im Banate Beschäftigten besteht in 98 Beamten, 168 Dienern und Aufsehern und 4143 Arbeitern, welche letztere Zahl auf 7000 steigen dürfte, wenn der Betrieb die beabsichtigte Ausdehnung in allen Zweigen erreicht hat. ... Die grossartigste Schöpfung Dubocq´s (Generaldirektor der Gesellschaft), wenn auch weniger rentable ist der Bau der Eisenwerke der Anina ... Es wurde unweit Steierdorf dicht bei den Hauptkohlen- und Eisengruben errichtet, um am Orte selbst die Eisenerze und die aus der Grube kommende Kleinkohle zu verwerthen. Die Zweigbahn der Gesellschaft Jassenowa mündet unmittelbar beim Werke und eine Werksbahn mit einem Schienennetz verbindet alle Theile untereinander. Das Werk besteht zunächst aus einer Reihe von Coaksöfen, in denen die Kleinkohle zu Coaks verarbeitet wird, einer Reihe Röstöfen zur Verröstung der Erze, den drei grossen Hochöfen nebst Möllerhaus, Gebläsehaus, Gusshütte, Kesseln, Vorwärmern etc., kurz allem Zubehör in einer grösseren Adjustirungswerkstätte, einer gewaltigen Puddelhütte, in Magazinen und den Administrationsgebäuden etc. ... Der Betrieb ist zwar eingeleitet, indessen zeigt noch Alles den äusserlich-primitiven Zustand einer neuen Schöpfung. Die Plätze für die den Colonisten zugetheilten Gärten sind noch unfruchtbar und nur stellenweise ist ein Baum sichtbar. Nur die Directorwohnung auf der gegenüberliegenden Anhöhe im Angesichte des ganzen Werkes ist bereits von einem freundlichen Park umgeben. Nach einigen Jahren, wenn alles in Ordnung gekommen und freundliches Grün zwischen den Häusern durchblicken wird, wird die Anina einer der blühendsten Orte des Banates und ein sprechender Beweis sein, was ausreichendes Capital vereint mit Energie und Fleiss vermögen."
Am Abend

 ... werden Hans und ich von unseren Freunden wieder in unsere Unterkunft ins Motel Marghitas gefahren. Ein beeindruckender Tag geht zu Ende und wir haben noch immer die historischen Fotos von Izvernari Ghita vor Augen. Am nächsten Tag geht unsere Reise weiter in Richtung Ochiu Beu und Cheile Nerei. Aber dazu in Kürze mehr! An dieser Stelle bedanken wir uns nochmals herzlichst bei unseren aninaer Freunden Cristian Stoica, Cristian-Liviu Mosoroceanu und Florin Lataretu!


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