Comuna Bulzestii de Sus


Im Jahr 2011 suchte ich den Bürgermeister der Comuna Bulzestii de Sus im Gemeindehaus auf und bat ihn um einige Informationen zur Ortsgeschichte und zu den Sehenswürdigkeiten der Gemeinde. Das Gespräch war nach kaum einer Minute erschöpft. Zur Antwort bekam ich, dass man keine Infos zur Ortsgeschichte habe und überdies wären für Besucher lediglich die zwei Holzkirchen in Bulzestii de Jos und Bulzestii de Sus, sowie als Naturmonument das Podul natural de la Grohot interessant. Da ich mich im Vorfeld bereits mit der hiesigen Karstlandschaft vertraut gemacht hatte und die benachbarten Regionen östlich des Vf. Strambu sehr gut kannte, war ich mehr als nur verwundert darüber, dass der Bürgermeister nicht auf die Idee kam, mir die landschaftliche Schönheit dieser Gemeinde zu offerieren. Und immer, wenn es in Rumänien über Etwas scheinbar nichts zu erwähnen gibt, lohnt es erfahrungsgemäß, sich tiefer mit der Materie zu befassen!  Der weitere "Einstieg" war dann recht einfach und so nahm ich Kontakt mit der Landbevölkerung im Magazin Mixt auf und erhielt den Hinweis auf die Cabana Buruia im nahen Dorf Giurgesti. In den weiteren Jahren fand ich hier MEIN romantisches "Basislager" für weitere Erkundungen innerhalb der Comuna Bulzestii de Sus ...





Die Landschaft, über die sich die Comuna Bulzestii de Sus erstreckt, ist schon reinweg von der Topografie her eine wahre Herausforderung. Mitunter muss man zwei verschiedene Anfahrtswege von Süden her benutzen, um die westlichen und östlichen Abschnitte zu erreichen. Wenn man die Hauptorte westlich und nördlich von dem Karstplateau Grohot besuchen möchte, dann steht man vor einem Kuriosum, denn die Dörfer und Weiler sind immer "hinter dem Berg"! Man muss, von Risculita kommend über einen Bergpass fahren, um Bulzestii de Jos zu erreichen, denn das Uibaresti-Tal wird südlich von Bulzestii de Jos durch eine quer-verlaufende Erhebung blockiert. Hier hat sich das Wasser im Tal durch den Kalkstein gegraben und so entstand die "Naturbrücke von Grohot" (Podul natural de la Grohot). Bulzestii de Sus kann man auch auf schlechten Bergwegen von Avram Iancu aus erreichen (ca. 20 km). Hier muss man die östlichen Ausläufer der Muntele Gaina überwinden. Bis heute (2026) ist die Forststraße nicht befestigt.

Nach ersten Internetrecherchen erhält man über die Comuna Bulzestii de Sus folgende Daten: ... Die Gemeinde ist ein Verband der Dörfer und Weiler Bulzestii de Jos, Bulzestii de Sus, Giurgesti, Grohot, Paulesti, Rusesti, Stanculesti, Tomnatec (de Sus + de Jos) und Ticera. Im Jahr 2021 gab es hier 271 Einwohner, wobei in den letzten Jahren einige Neuzuzügler hinzukamen. Die meisten Einwohner sind der rumänischen Ethnie angehörig und bis auf einige Neuzuzügler sind die Bewohner der orthodoxen Kirche zugehörig.  Die Gemeinde erstreckt sich über eine Fläche von 11004 ha. Die Ackerflächen betragen 333 ha und weisen den minderen Fruchtbarkeitsgrad 5 auf. Die Weideflächen betragen 2964 ha, dazu kommen 1717 ha Heuwiesen und 5470 ha Wald. ...

Die Anfahrt zur Comuna Bulzestii de Sus erfolgt über die Nationalstraße -E79- (76) zwischen Brad und Varfurile
(siehe Karte: Muntii Apuseni). Bei Baia de Cris befindet sich der Abzweig. Über die Dörfer Baldovin und Risculita gelangt man dann nach einem kleinen Bergpass hinunter nach Bulzestii de Jos (ca. 13 km).  Von Bulzestii de Jos bis hinauf nach Bulzestii de Sus, sind ca. 6,5 km auf einer schmalen Asphaltstraße zurückzulegen. Weiterhin ist die Sraße nach Giurgesti, sowie hinauf nach Paulesti gut ausgebaut. Die Anfahrt von Bulzestii de Jos, hinauf nach Grohot ist ebenfalls seit einigen Jahren befestigt worden. Im Jahr 2024 wurde zudem der einstige Forstweg auf dem Bergkamm zwischen Grohot und Tomnatec de Sus asphaltiert. Es hat sich also viel getan in der Comuna Bulzestii de Sus!

Noch einige Anmerkungen zur oberen Katenübersicht: ... Die mit einem roten Punkt gekennzeichneten Ortschaften zeigen lediglich den Kern des Standortes auf, denn bis auf Bulzestii de Jos und Bulzestii de Sus bestehen alle anderen Ortschaften aus Streudörfern. Zudem gibt es zahlreiche kleine Weiler, die nicht in der Karte verzeichnet werden konnten. Egal, wo man hier in den Bergen unterwegs ist, man wird immer auf einzelne, mitunter sehr isoliert gelegene Anwesen stoßen, von denen viele heute verlassen wurden, saisonaler Nutzung unterliegen, oder als Wochenendgrundstücke wieder neu hergerichtet werden. Eine der kleinen Holzkirchen lag so versteckt in einem verlassenen Streudorfabschnitt, dass ich über Jahre bei meinen Kurzaufenthalten danach gesucht habe. ...






Bulzestii de Jos

Das tiefst gelegene Dorf der westlichen und nördlichen Abschnitte der Comuna Bulzestii de Sus, befindet sich auf einer Höhe zwischen 380-420 Höhenmeter und besteht vom Charakter her aus einem kleinen Straßendorf. 

Die wunderschöne Holzkirche "Biserica Sf. Arhangheli" befindet sich direkt an der Straße. Ein Informationsblatt neben dem Eingang zur Kirche gibt folgenden Aufschluss:

"... Die orthodoxe Kirche in Bulzestii de Jos ist den Erzengeln Michael und Gabriel geweiht. Sie wurde 1852 im transsilvanischen Stil erbaut. Der hohe, spitzbogige Turm und der Kirchenbau besteht aus Eichenholz und befindet sich auf einem Trockenmauerfundament. Die Kirche verfügt über eine Apsis, ein Kirchenschiff, einem Pronaos und zwei Vorhallen, von denen sich eine an der Vorderseite und die andere an der Südseite befindet. Der Turm ist mit einem Zinkblechdach eingekleidet. Die Innen- und Außenwände sind mit Kalkmörtel verputzt und mit Kalkmilch überstrichen. Die Kirche war und ist nicht bemalt. Als Wandschmuck dienen einige Ikonen. ..."

Der Grabstein

... von Paul Petru (1894 - 1976) befindet sich auf dem kleinen Friedhof neben der Holzkirche von Bulzestii de Sus. Der alt-gediente Offizier hat hier in den Bergen einen Traumplatz für seine Ruhestätte gefunden. Dass er mit den Bergen, seinem Beruf und seiner Verehrung des einstigen revolutionären Anführers Avram Iancu, ein sinnerfülltes und stolzes Leben hatte, bringt der Grabstein mit einem kurzen Text zum Ausdruck:

Hinauf, hinauf, hinauf auf den Berg ... Wie Iancu, er ist dorthin gegangen ... 

"Sus, sus, sus la munte sus ..." ist übrigens ein uraltes rumänisches Volkslied, welches im gesamten Raum der rumänischen Karpaten bekannt ist. Der Name "Paul" ist der Familienname. Nahe Bulzestii de Sus, direkt unter den felsigen Abhängen der Piatra Bulzului befindet sich das Streudorf "Paulesti", in dem es weitere Bewohner mit dem Familiennamen "Paul" gibt. Auch ein früherer Bürgermeister der Gemeinde hieß "Paul" und in den digitalen Dokumenten des Gemeindehauses, welche man über das Internet einsehen kann, taucht der Name "Paul" ebenfalls häufiger auf. ... Wir kommen darauf noch zurück ... 

Biserica "Sf. Ioan Gura de Aur"

Auf einer Karte der Habsburger Monarchie der Josephinischen Landesaufnahme (1763-1787) sind bereits Kirchen im heutigen Bulzesti de Sus (Bulzest gehörig), in Bulzestii de Jos (Bulzest), in Tomnatec (Tomnatjek) sowie in Grohot vermerkt. Weiterhin existierten zu jener Zeit in Bulzestii de Jos drei Mühlen. Die heutige historische Holzkirche "Sf. Ioan Gura de Aur" in Bulzestii de Sus wurde im Jahr 1853 erbaut. 

Im Innern

... der Biserica "Sf. Ioan Gura de Aur". Die Kirche hat keine Wandbemalung aufzuweisen. Das Tonnengewölbe des Naos ist mit einem weißen Kalkputz überzogen. 

Beim Aufstieg

... im Innern des Kirchturms finden sich ein paar alte Töpferwaren, welche daran erinnern, dass ganz in der Nähe in Halmagel und Obarsia einst viele Familien dem Töpferhandwerk nachgingen. Jetzt hat diese Tradition allerdings ihr Ende gefunden. Die Alten sind weitgehend verstorben, oder haben das Handwerk aufgegeben und die Jugend zeigt daran kein Interesse mehr. Jetzt sind solche Fundstücke wie diese im Kirchturm der Biserica "Sf. Ioan Gura de Aur" eine wahre Rarität!

Cabana Buruia

Die Pension befindet sich in dem schönen Tal des Streudorfes Giurgesti ca. 2 km von Bulzestii de Sus entfernt. Man erreicht die Pensiunea Buruia über eine schmale Asphaltstraße. 

https://www.facebook.com/cabanaburuia/ 

Seit Jahren verbringe ich hier ab und an die letzten Urlaubstage und das aus mehreren Gründen ...

1. Die Gastfreundschaft

Tabita und ihr Mann Aurel sind wirklich herzliche Gastgeber. Auch wenn die Beiden vom frühen Morgen bis zum späten Abend mit unglaublich viel Arbeit eingedeckt sind, begegnet man ihnen immer mit Freundlichkeit und Gelassenheit. Zudem haben Tabita und Aurel gute Kontakte zu den Einheimischen der Umgebung. Mir hat Aurel schon zu Kontakten örtlicher Höhlenforscher verholfen und als ich mit meinem Auto ein technisches Problem hatte, stellte Aurel ebenfalls den Kontakt zu einem Werkstattmeister in Brad her. ...

2.  Schnaps und Liköre

... aus eigenem Hause. Eigentlich ist das Schnapsbrennen die Aufgabe von Aurel. Aber so er andere wichtige Dinge zu erledigen hat, steht Tabita professionell zur Aushilfe bereit. Tabita´s Part ist es nämlich, den doppelt gebrannten Obstler mit ganz unterschiedlichen Früchten aus der Natur und dem Garten zu veredeln. Die verschiedenen Sorten der Liköre aufzulisten, ist ein lückenhaftes Unterfangen, aber sei´s drum: ... da gibt es Tanne, Kiefer, Schwarze Wildkirsche, Süß- und Sauerkirsche, Stachelbeere, Schlehe, Blaubeere, Preiselbeere, Wilderdbeere, und weitere Waldfrüchte ... Die Früchte werden mit viel Zucker und dem Obstler angesetzt und am Ende kommt ein hochprozentiger und sehr öliger Likör dabei heraus. Eine Verkostung der Sorten kann man getrost als großartiges Ereignis bezeichnen. Ich weiß nicht, wieviel Liter an Likören ich in den Jahren hier schon erworben habe, es ist in jedem Falle auch ein schönes Mitbringsel für gute Freunde und Bekannte! 

3.  Das wunderschöne Anwesen und der Laubengang

Die kleinen Zimmer mit 2 Einzelbetten sind mit einem ebenso kleinen WC mit Dusche und Waschbecken ausgestattet. Die Zimmer befinden sich in der oberen Etage beim Laubengang. Aurel hat hier auf dem Grundstück auch zwei alte Bauernhäuser neu aufgebaut. Im Innern ist der Ausbau aber noch nicht abgeschlossen. So stehen vielleicht im nächsten Jahr dann auch zwei historische Bauernhäuser zur Vermietung bereit. 

4.  Die sieben Zwerge!

Es ist schwierig, die gesamte Meute der kleinen Balge von Tabita und Aurel zu zählen, aber ich glaube es sind 7 an der Zahl. So hat jedes Gästezimmer quasi einen eigenen Wachhund. Die Hunde sind sehr lieb und quirlig zugleich. Rechts im Bild befindet sich Linda, eine Hündin mit Bergführer-Qualitäten ... aber dazu kommen wir noch! Da ich ein ausgesprochener ein Hundenarr bin, so bedeuten die sieben Zwerge für mich eine wahre Bereicherung für diese Pension. 

5.  Selbstversorger

Der gemütliche Speisesaal im Erdgeschoss des Hauses lädt zum Verweilen ein. Im hinteren Teil des Raumes gelangt man in die Küche und zu einem Abstellraum, in dem die mitgebrachten Lebensmittel gelagert werden können. Ansonsten wird hier mit Gas gekocht, Teller, Tassen, Töpfe und Besteck ... sind vorhanden. An warmen Schönwettertagen kann man seine Mahlzeiten natürlich auch bei den Sitzgruppen vor dem Haus einnehmen. 

Und dann gibt es noch die Kombination von 2., 3., 4. ...

... nämlich wenn man nach einer schönen Tagestour zum Abend im Laubengang sitzt, vom Likör schon etwas geschwängert ist, mit einer Hand den eigenen Wachhund streichelnd, die Abendstimmung genießt. Der rauschende Bach vor dem Haus bereichert die Atmosphäre, welche hin und wieder unterbrochen wird, wenn die sieben Zwerge auf der Straße etwas "Verdächtiges" wahrnehmen. Dann stürmen sie alle gemeinsam bellend hervor, um sich ebenso schnell wieder zur Ruhe zu begeben. Aber genug der Schwärmerei liebe Leser, bleibt bitte alle zuhause, damit ich hier auch in Zukunft die schöne Stimmung zur Vor- oder Nachsaison in aller Ruhe allein oder auch mit meiner Liebsten genießen kann! ... :-) ...

Kurzwanderung

Gegenüber im Tal der Cabana Buruia, führt ein kaum sichtbarer Fußpfad den Berg hinauf. Zunächst führt der Pfad durch den Wald, bis zu einer Wiesenfläche, auf der sich auch einige vereinzelte kleine Gehöfte befinden. Hier folgt man auf den Höhen dem nach links aufsteigenden Bergkamm. Hat man diese Stallung erreicht, dann finden sich danach kleine Fußpfade, welche wieder hinunter ins Tal führen. Hat man einen Pfad übersehen, dann folgt als bald ein nächster. 

Rusesti

Wer bisher noch nie eine Höhle besucht hat, für den bietet sich eine Wanderung nach Rusesti an. Man kann auch mit dem Auto bis hinauf auf das Plateau von Rusesti gelangen. Bei den letzten Häusern vom oberen Abschnitt des Ortes Bulzestii de Sus führt eine Fahrstraße in ein nach links abzweigendes Tal. Nach 1,5 km zweigt erneut ein breiter befestigter Fahrweg in Serpentinen nach rechts ab. Man bleibt dabei immer auf dem Hauptweg und gelangt schließlich nach 1,5 km an einen letzten Bauernhof auf dem Plateau. Man kann im Grunde mit einem normalen Auto bis hier hinauffahren. Ab hier aber geht es dann in eine rechtsseitige,  teils bewaldete Senke hinein. Man wird hier immer einen Einheimischen finden, der notfalls den Weg zur nahen Höhle erklärt. 

Schöne Stallungen

... in traditioneller Bauweise, welche sich nahe dem Zugang zur Höhle befinden. 

Pestera Danilesti

Die Höhle befindet sich auf 650 Höhenmeter. Die Gesamtlänge der Höhle beträgt 343 m. Die Begehung der Höhle ist unkompliziert und bis auf die erforderliche Beleuchtung benötigt man keine weiteren Hilfsmittel. 

Ein fachkundlicher Führer gesucht?

Fragen Sie in der Cabana Buruia den Cabanier Aurel. Er hat gute Kontakte zu den für dieses Gebiet zuständigen Höhlenforscher-Club in Brad. Mit etwas Glück (so ein Höhlenführer Zeit hat) einigt man sich über einen Preis und die Tour kann am folgenden Tag starten. 

Das Höhlenportal

... der Pestera Danilesti hat eine geschätzte Höhe von ca. 8-10 m. 

Sus, sus, sus la Munte sus ...

Die Melodie des altes Volksliedes im Ohr, mache ich mich auf eine kleine Tageswanderung hinauf nach Muntele Gaina. Das Wetter ist traumhaft und unmittelbar auf dem Grundstück der Cabana Buruia  kann man auf einem schmalen Fußpfad zum ersten Bergkamm hinaufsteigen. Oberhalb der Cabana Buruia passiert man dabei einige schöne Anwesen, von denen eines zumindest noch bewohnt ist. 

Auf dem ersten Bergkamm angekommen, 

... folgt man dem weiter ansteigenden Höhen, vorbei an einer letzten alten Stallung. Vorerst, so schien es, bin ich nicht allein, denn meine kleine persönliche Wachhündin Linda hing mir an den Fersen. Sie wird schon bald den Heimweg antreten, dachte ich mir, denn woher soll Linda wissen, dass ich nicht gänzlich diesen Ort verlasse und nicht mehr zurückkomme?!  Aber natürlich wusste Linda es ganz genau. Denn Touristen die mit dem Auto anreisen, tauchen immer wieder auf, solange das Auto noch an seinem Platz steht. Daran sind die sieben Zwerge der Cabana Buruia schließlich gewohnt. So viel vorab: Linda blieb am "Ball" und folgte meinem Bierbauch!

:-)

Muntele Gaina und der Mädchenmarkt

In der oberen Bildmitte ist Muntele Gaina deutlich zu erkennen. Ich habe Zeit, mir Gedanken darüber zu machen, was es denn nun wirklich mit dem berühmten Mädchenmarkt "Targul de Fete" auf sich hat. Wenn man sich auf Youtube Reportagen darüber anschaut, gar TV-Beiträge der großen Sender, dann wird hier ein sehr verklärtes, teils romantisiertes Bild wiedergegeben. Gehen wir an dieser Stelle einmal auf Recherche, was darüber in alten Schriften geschrieben steht ... Auch wenn es meine armen rumänischen Freunde zur Verzweiflung bringen wird, weil Google-Übersetzer nur schlecht mit den altdeutschen Schreibweisen zurechtkommen, möchte ich den Charakter der Berichterstattungen erhalten. Beginnen wir mit einem Bericht aus dem Jahr 1890 [1]

"... II. Der Mädchenmarkt auf dem Berge der Henne. ... Zur Zeit als noch die Berge Bihariens reich an Goldminen waren, erzählen die Vidranen, flog aus demselben eine Goldhenne heraus und auf den Gipfel des Berges, wo ihr Nest mit den Goldeiern lag. Von der wunderbaren Schönheit der Henne angezogen, versuchten es die Vidranen, sie einzufangen. Allein die Henne verschwand spurlos, mit ihr alles Gold. Die verfolgte Goldhenne war die Nymphe der Berge und hatte alles Gold in die Gegend gezaubert, wohin sie ihre Zukunft genommen. Vom Gipfel der Gaina gewahrt man zu beiden Seiten einige Lichtungen, die das obere Vidra vom Städtchen Bulzesti trennen. ..."

Von der Geschichte mit der Henne gibt es zahlreiche Varianten. So gehört die Henne einer Fee. Diese gute Seele schenkte jedem frisch verheirateten jungen Paar ein goldenes Ei ... Im Fortschreiten der Geschichte kippt der Korb mit den Goldeiern um, welche dann den Berg hinunterrollen und im Wasser des Ariesch verschwinden. Und so gibt es noch weitere Varianten ...

Rückblick

... über den bisherigen Anstieg. Es eröffnet sich ein erstes Panorama, wobei man die ersten "Bulze" erkennt. Ganz rechts im Bild erhebt sich die Piatra Bulzului (967 m) an derer Basis sich das Streudorf Paulesti befindet; rechts der Bildmitte erkennt man den Bulzisor (1032 m); der unmittelbare Buckel links daneben ist mir namentlich nicht bekannt; links im Bild befindet sich ein scheinbar langgezogener Doppelgipfel, wovon der rechte Gipfel der Vf. Strambu (1164 m) und der Gipfel ganz links der Vf. Plutonu (1183 m) ist. Die letztgenannten drei Gipfel markieren in etwa die östliche Grenze der Comuna Bulzestii de Sus. Zitieren wir weiter aus [1]:

"... Am ersten Sonntage nach dem heiligen Peter geht es auf dem Berge der Henne lebhaft und lustig zu. Es ist der Tag des phantastischen Mädchenmarktes. In aller Frühe schon strömen von den benachbarten Hügeln die Motzen und Motzinnen, Crisanen und Crisaninnen herbei. Festlich geschmückt, unter Spiel und Sang kommen sie. Zwei Delegierte, der eine seitens der Motzen, der andere seitens der Crisanen, ziehen eine Demarkationslinie auf die weite Wiese, wo zunächst der Markt abgehalten soll. ... Bis gegen die zehnte Morgenstunde ist Alles mit dem Ein- und Verkauf von verschiedenen Gegenständen beschäftigt, dann wird beim Spiele der "Lautari" (Fiedler), die um kleine Weintonnen stehen, auf dem grünen Rasen gespeist. Nach dem Essen wird die Demarkationslinie überschritten und der Tanz beginnt ... zwischen Motzen und Crischanen, die in Gruppen von je acht bis zehn Pärchen die Nationaltänze aufführen. Während des Tanzes werden allerlei Scherze und Späße getrieben, und Motzen und Crischanen machen die durchsichtigsten Anspielungen und zärtlichsten Anträge. Oder sie werfen sich gegenseitig boshafte Bemerkungen zu, die fast immer harmlos sind, aber auch zuweilen einen ernsten Charakter annehmen. ... Bis zum Abend geht es so fort. Dann macht sich Alles scherzend und lachend auf den Weg. ..."

Geht man allein

... durch die Berge, so wird einem immer mal wieder das Wild über den Weg laufen. Meine liebe Linda ging zum Glück gerade einer andere Fährte nach, sonst wäre mir nicht die Zeit geblieben, die Kamera flott zu machen. 

[1]  "... Eine andere, einen historischen Charakter tragende Deutung des Mädchenmarktes zu Gaina rührt von einem alten siebenbürgischen Rumänen Gavrila Badescu her, dem sie sein hundertdreißig Jahre alt gewordener Vater mitgetheilt haben soll. Sie lautet: Als eines Tages die Vidranen auf dem Berge der Henne vergnügt zubrachten, wurden sie plötzlich von Mongolen überfallen. ... Die in Ungarn einfallenden Mongolen, sagte er, wurden von den Rumänen, die am Fuße der westlichen Gebirge Bihariens wohnen, in die Berge getrieben, wo sie von den siebenbürgischen Rumänen aufgerieben wurden. Zum Andenken an den davongetragenen Sieg über die Mongolen ergehen sich die Rumänen in Festlichkeiten am Berge der Henne, wo am Tage des heiligen Peter viele Ehen geschlossen werden. ..."

Kurz unterhalb von Muntele Gaina

... erblickt man den Vf. Bihor (1848 m / links im Bild), auch Vf. Cucurbata Mare genannt. ... Kommen wir zu den Schriften eines anderen Schriftstellers / Ethnografen aus dem Jahr 1884 ... [2]:

"Die Gaina ist ein nicht nur in Siebenbürgen, sondern in ganz Europa oft genannter Berg. Groß ist die Zahl der Ethnographen, welche im Lauf der Zeit den Mädchenmarkt beschrieben haben, der hier abgehalten wurde, und noch im vorigen Jahre waren in verschiedenen deutschen Zeitungen Berichte über denselben zu lesen. Lassen wir uns über diesen Mädchenmarkt durch Ioan Slavici, einen neueren rumänischen Ethnographen, aufklären. Er sagt: ... Jährlich einmal, am Fest der Apostel Petrus und Paulus, wird auf dem Kamm der Gaina ... ein Markt abgehalten, auf dem die heiratsfähigen Mädchen, fetele mari oder schlechthin fetele, der ganzen Gegend sich versammeln, um von den Burschen, feciori, gefreit zu werden. ... Und was finden wir in Wirklichkeit von dem Mädchenmarkt (tergul de fete), von dem außer Slavici die meisten anderen Schriftsteller erzählen? ... Alle haben Feiertagstracht angelegt, ... Wie stramm sie doch zu Pferde sitzen, welch blühende Geschöpfe die jungen Mädchen sind! Die Männer tragen Harken und Rechen, welche sie verkaufen wollen, oder führen Fässer mit Wein. ... "

Vf. Gaina (1486 m)

Der Gipfel befindet sich südwestlich der Muntele Gaina, welche im Hintergrund gut zu erkennen sind. Bis hinüber nach Muntele Gaina sind es 1,4 km. 

[2]:   "... Jetzt hallt ein Schuß herüber, ein zweiter fällt auf der Gaina, und zugleich bläst man das Alphorn! ... Die Gebirgsbevölkerung dünkt sich in hellem Aufruhr begriffen. ... Unterhalb der Spitze, wird Markt abgehalten. 500-800 Leute sind bereits versammelt, und beständig kommen neue Zuzügler heran. Hier steht ein Slovake, der mit bunten Tüchern handelt; als weitere Artikel bemerken wir Stiefel, Harken, Töpfe, Teller - Schweinebraten, Wurst, Brot, Schnaps, Wein, wieder Schnaps, wieder Wein. ... nachdem der Wein in den Adern circuliert ... tanzt alles, tanzen die Männer, die Weiber, die Kinder. ... Etwa 10-12 Herren in städtischen Kleidern haben sich unter den Volkshaufen gemischt. Es sind Vertreter der Intelligenz: Richter, Notare, Beamte und Lehrer der umliegenden Ortschaften ... Von den Mädchen blasen einige die riesigen, zwei Meter langen Alphörner ... In der Regel reiben sich die Rumänen aus Siebenbürgen mit denen aus Ungarn, und daß die Schlacht sodann ziemlich sehenswerth sein muß, ist bei einer Volksmenge von etwa 1000 Menschen einleuchtend. ... Der Jahrmarkt, den beispielsweise auch Bielz als Bedürfnis vermittelnd hinstellt, hat sich nur neben dem eigentlichen Mädchenmarkt herausgebildet und verdient kaum Erwähnung. Ueber den Mädchenmarkt selbst wissen nur noch wenige alte Leute zu berichten. Einst kamen die Motzen zu Pferd und zu Fuß mit ihren Kindern und deren Mitgift zusammen. ... Die Burschen spazierten in Staatskleidern umher, und gefiel ihnen ein Mädchen oder die Mitgift, so suchten sie mit den Alten handelseinig zu werden; ein Trunk besiegelte den Vertrag. ..."
Blick vom Vf. Gaina gen Südost

[2]:   "... Das Jahr 1848, so erzählte man mir, soll dieser originellen Sitte ein Grab bereitet haben, wie es in der That in ethnographischer Hinsicht in Ungarn gewaltige Veränderungen hervorgerufen hat. ... In Wirklichkeit muß der Untergang des Mädchenmarktes viel früher vor sich gegangen sein, da ich niemand getroffen, der Augenzeuge desselben gewesen, ... 

Auf direkten Weg

... nach Muntele Gaina. Zitieren wir an dieser Stelle noch eine weitere Literaturquelle aus dem Jahr 1888 [3]

"... Bis etwa 10 Uhr morgens herrscht reges Treiben beim Kauf und Verkauf von Haushalts- und Landwirtschaftsgeräten, wie z.B. Sensen, Sicheln, Rechen, Hacken und verschiedene Obst- und Gemüsesorten, die von den Criseni auf den Markt gebracht werden. Nachdem die nötigen Dinge eingekauft sind, beginnen die Leute auf der grünen Wiese zu essen. ... Die Musikanten spielen, neben einem Fass Wein, Kirschwein oder Rosolie, einer Art Rotwein, der mit Zucker oder Bienenhonig gesüßt ist. Dann entbrennt auf dem Platz ein ausgelassenes Spiel, die Hora, in acht bis zehn Gruppen, die von Moti und Criseni gebildet werden. Begleitet von Zithern, Klarinetten, Dudelsäcken und Flöten unterhalten sie sich mit Witzen und allerlei Satire ... Aus diesen Scherzen entstehen oft Streitigkeiten, die sofort von den für die Aufrechterhaltung der Ordnung zuständigen Delegierten beigelegt werden und erst dann in Schlägereien und Unruhen ausarten, wenn ausländische Polizei eingreift. Ein solcher Vorfall ereignete sich im Sommer 1852, als 11 deutsche Gendarmen die Frauen beleidigten, schrecklich verprügelt und entwaffnet wurden ... Eine Dragonerkompanie wurde nach Vidra de Sus (heute Avram Iancu) geschickt, und als sie drei von ihnen gefangen nahmen, von denen nur noch Gavrila Badescu lebte, wurde jeder mit 100 Peitschenhieben geschlagen; ... Was den Jahrmarkt der Mädchen betrifft, so hat er in Gaina nie existiert, ..."

Auf Muntele Gaina (1466 m)

Mitten auf dem Gipfel wurde ein Denkmal zu Ehren von Avram Iancu errichtet. Mehr über Avram iancu und die Aufstände von 1848 erfahren sie HIER!

3]"... Es war auch Brauch, dass die Vidreni in San-Petru dem Feudalherrn Holaky von Halmagel die Pacht für die Weide ihres Viehs auf Gaina entrichteten. Daher feierten an diesem Tag die Moti mit ihren Frauen und Kindern freudig, dass sie ihren Pachtgroschen an den Satan bezahlt hatten. Als die Crisener (Criseni) erfuhren, dass die Vidreni sich zu Markt und Trunk einfinden, gesellten sie sich mit der Zeit dazu. So entstand der Jahrmarkt von Gaina, der von Fremden fälschlicherweise als Mädchenmarkt bezeichnet wird. ..."

Meine Bergführerin Linda

Ja die Linda muss nicht zum ersten Mal Fremde auf den Berg geführt haben. Häufig lief sie weit voraus und an Kreuzungen nahm sie stets den richtigen Abzweig. Multumesc Linda!

 Vielleicht gebe ich noch ein paar ergänzende Worte zum Thema Mädchenmarkt hinzu: ... Die Grenze zwischen den Motzen (Moti) und den Crischenen (criseni) ist auch eine Grenze ganz unterschiedlicher "Wirtschaftszentren". Das Land der tara motului liegt topografisch höher. Während die breite Ebene des Crisul Alb (Weiße Kreisch) auf 250 Höhenmeter und Bulzestii de Sus auf ca. 400 m liegt, so beträgt das Niveau zwischen den Orten Vidra und Avram Iancu ca. 700 m. Schon mindestens dreimal habe ich in den Jahren meines Aufenthaltes in dieser Region erlebt, dass im Frühjahr die gesamte Obstbaumblüte bei den Motzen zu Grunde gegangen war, während in der tara Crisului die besten Obsternten an Äpfeln und Pflaumen zu erwarten waren. Natürlich fallen einem da die riesigen Holzfässer auf fast allen noch so kleinen Höfen auf, in denen die reiche Ernte für die künftige Palinca vergoren wird. Die Fässer wiederum werden zum Großteil von den Motzen hergestellt, denn sie sind die Meister des Holzes. Heute lösen die leichten Plastikfässer das alte Kulturgut nach und nach ab. Die Criseni hingegen haben zu früherer Zeit ganze Regionen der Motzen mit ihren Töpferwaren versorgt, hingegen die Motzen (moti) die Crischeni (criseni)  mit Wolle und Fellen versorgten. Einen Markt dort abzuhalten, wo Alle die gleichen Waren herstellen und anbieten, kann natürlich niemals erträglich sein. Allein schon deswegen erklärt sich die anhaltende Existenz des "Mädchenmarktes" auf Muntele Gaina über lange Zeit hinweg. Der Markt auf Muntele Gaina hatte auch eine sehr große Bedeutung im Sinne der Kommunikation (sicher auch sozio-ökonomischer und politischer Inhalte) und Kontaktpflege zwischen den zwei Regionen. Größere Bestellungen in Bezug auf Holz- und Töpferwaren erforderten ehedem ausgiebige Vorabsprachen.


Skizze aus dem "Casa Muzeu Avram Iancu" in Baia de Cris

Die Skizze zeigt eine "Aufstellung der revolutionären Kräfte in Avram Iancus Armee und der feindlichen Truppen zu Beginn des Jahres 1849".  Die roten Markierungen kennzeichnen die revolutionären Aufständischen; die blauen Markierungen zeigen die Position der feindlichen Streitkräfte der Ungarn. Die Revolution unter Avram Iancu war nicht die erste, welche in den Muntii Apuseni ausbrach. Bereits im Jahr 1784 kam es zu großen Bauernaufständen unter den Anführern Horea, Closca und Crisan, welche in Curechiu (Comuna Bucuresci) ihren Anfang nahm. Der Priester Daniela aus Criscior schloß sich den ersten Aufständischen mit seinen Gläubigen an und alles nahm dann seinen entfesselten Lauf.  Dabei spielte Gheorghe Crisan eine auslösende Rolle. Nur wenige Kilometer südöstlich der Gemeinde Bulzestii de Sus liegt der Ort Crisan, in dem sich auch das Geburtshaus von Gheorghe Crisan befindet, welches heute ein Museum beherbergt. Die einstigen Anführer fanden zum Ende der Revolution einen qualvollen Tod und die Feudalzeit hatte noch lange nicht ihr Ende gefunden. Mit dem Ausbruch der Ungarischen Revolution 1848 sah sich die Landbevölkerung in den Muntii Apuseni erneut gezwungen, gegen die zumeist ungarischen Magnaten aufzustehen. Auf beiden Seiten gab es entsetzlich viele Opfer. Aber nach dem Ende dieser Revolution endete wenigstens die Feudalzeit in Siebenbürgen, wobei sich die Situation für die Landbevölkerung nur nach und nach verbesserte und die ungarischen Gutsherren nur zögernd den alten Machtpositionen nachgaben. Die Situation blieb angespannt und nicht ohne Grund schreiben Ethnografen jener Zeit über "ausländische" oder "deutschen Gendarmen" welche als "Aufseher" auf dem "Mädchenmarkt" anwesend waren. Man kann auch davon ausgehen, dass nach den Bauernaufständen 1848 / 1849 unter den Machthabern von Österreich-Ungarn äußerste Nervosität herrschte und man durchaus versucht war, den "Mädchenmarkt" zu verhindern, oder ihn zumindest zu "provinzionalisieren". Und die Nervosität der Machthaber war nicht unbegründet, so gab es in Jahr 1858 auf dem Weg zwischen Bulzestii de Jos und Risculita einen Mordfall, der anschließend mit einer "kollektiven Todesstrafe" der Täter endete. Aber dazu kommen wir noch ...  

Abstieg

Ein letzter Blick und auch Linda weiß, es geht wieder nach Hause! Der Rückweg ist angenehm zu laufen, da es stets bergab geht. Für die durchaus leichte Wanderung sollte man 6-8 Stunden (je nach Pausenzeiten) einplanen. 

Und kommen wir zu abschließenden Anmerkungen zum Mädchenmarkt: ...

Wir sind ja schon darauf aufmerksam gemacht worden, daß bei dem Fest die tulnic (das Waldhorn) geblasen wurde, was ausschließlich für Unterhaltungszwecke den Frauen vorbehalten war. Auf beiden Seiten von Muntele Gaina wird dieses Brauchtum noch heute gepflegt und bewahrt. Man kann sich gut vorstellen, welchen Eindruck es gemacht  hat, wenn die in der Literatur als äußerst hübsch beschriebenen Damen im Nationalkostüm mit ihren Waldhörnern in einem größeren Ensemble auftraten. Musikalische Darbietungen und Tänze waren und sind an sich kein Bestandteil herkömmlicher Bauernmärkte, auf denen übrigens der Viehhandel nicht unbedeutend war. Auf Muntele Gaina trat der Viehhandel nicht in Erscheinung, so dass man davon ausgehen kann, dass dieses jährliche Treffen auf Muntele Gaina ein eher wichtiges Nationalgepräge vermittelte. Wir hatten diesen Aspekt bereits aufgegriffen. ... Heute tritt der Handelsmarkt weit in den Hintergrund, denn der Tourismus ist nun die neue Triebfeder des Mädchenmarktes! Die Regionen besinnen sich zunehmend ihrer alten Traditionen, welche auf die urbane Bevölkerung einen großen Reiz ausübt. 
Bei den ersten Häusern

... von Giurgesti bedienen wir uns noch einmal einer Literaturquelle aus dem Jahr 1902 ... [4]:

"Oft ist reichlich vorhanden, Pflaumen namentlich auf den Vorhügeln der Maros- und Körösgegend, wo viel Pflaumenbranntwein gebrannt wird. Äpfel und Birnen gibt s in Menge. Die Kirschen und Weichseln der Körösgegend, die Äpfel von Bulzesd werden von den Móczen karawanenweise nach Alföld (ungarische Tiefebene) geschafft. ..."

Piatra Bulzului   (967 m)

Dieser Blick eröffnet sich auf dem Weg zwischen Bulzestii de Sus und Paulesti. Womöglich erklärt der Berg, welcher aus allen anderen Sichtachsen wie ein halbrunder Kloß erscheint, den Namen von Bulzestii de Sus. Bereits auf dem Wanderweg hinauf nach Muntele Gaina hat man einen schönen Ausblick auf die verschiedenen felsigen Erhebungen, welche die eher sanften Bergkämme überragen. Auch der südöstlich gelegene Vf. Bulzisor ist mit ähnlicher Ortsbezeichnung versehen. "Bulz" ist ein kloßartiges Gericht aus Mamaliga (Maismehl, Wasser, Salz) und Schafskäse. Bei den Hirten kam ich in verschiedenen Gebirgen in Rumänien in den Genuss dieses rumänischen Nationalrezeptes. Der Hirte formt aus der Mamaliga einen Kloß und legt diesen zunächst für einige Zeit in die Glut des offenen Feuers in der Hirtenhütte. Kurze Zeit später wird der Kloß herausgeholt, aufgebrochen und mit Schafskäse gefüllt. Danach kommt der Kloß noch einmal ins Feuer. In den rumänischen Haushalten gibt es zahlreiche Variationen der Herstellung. Es ist zwar eine Hypothese, aber möglichweise benannten die Menschen diesen Ort Bulzestii ... nach den örtlichen Besonderheiten dieser Landschaft. Schließlich schlug zu früherer Zeit im Grunde in jedem männlichen Einwohner das Herz eines Hirten. Und da diese Hirten täglich eine Sicht von oben her auf ihre nahe Umgebung hatten, lag der Vergleich der merkwürdigen Erhebungen mit einem "bulz ciobanesc" nahe. In östlicher Richtung setzen sich diese "Bulze" fort, über die Muntele Valcan hinweg bis zum Vf. Bradisorul. Aber eben nur hier um Bulzestii ... hatte man die Idee, eine Ortsbezeichnung nach den landschaftlichen Besonderheiten festzulegen.  

Links der ansteigenden Straße

... nach Paulesti gibt es einige verlassene und eingefallene kleine Höfe. Bei den "Inspektionen" fand sich in einer morschen Schublade noch ein altes Foto von den einstigen Bewohnern. Ich möchte es als "Kleinstpartikel" der Ortsgeschichte auf dieser Seite erhalten und bewahren. 

Paulesti

Viele der Bauernhäuser hier sind noch bewohnt und bewirtschaftet. 

Veronica Paul

Eine sehr nette Bewohnerin des Dorfes Paulesti lädt die fremden Neugierigen ins Haus. Frau "Paul" in Paulesti? Und zur Antwort erhalte ich, dass es hier mehrere Familien mit dem Familienname Paul gibt. Erklärt das vielleicht den Ortsname "Paulesti"? Die Geschichte begann vielleicht mit einer Großfamilie in einem Weiler, welche zahlreiche Jungen zeugte. All diese männlichen Nachkommen gründeten weitere Familien, welche sich hier ansiedelten. So wurde der Weiler schließlich als der Ort populär, in dem viele Paul-Familien leben. Immerhin eine sehr naheliegende Hypothese. 

Hinterglasikone

... an der Außenwand des Hauses von Veronica Paul. Diese Hinterglasikonen findet man im gesamten transsilvanischen Raum in den Häusern der rumänischen Bevölkerung. In der Marginimea Sibiului kann man zwei Museen besuchen, welche sich speziell den Hinterglasikonen und ihrer Historie widmen. 

Wenn man schon

... nach Paulesti hinaufgekommen ist, dann bietet es sich an, auch die letzten Höfe und Stallungen südwestlich der Piatra Bulzului zu besuchen, welche sich auf einer Höhe von etwa 770 m befinden. Hier sind nur noch wenige kleine Anwesen bewohnt und bewirtschaftet. 

Auf einem malerischen Kammweg

... südöstlich der Piatra Bulzului kann man über Dealul Stroguri direkt bis hinunter nach Bulzestii de Jos wandern. Der Kammweg bietet schöne Aussichten in östlicher Richtung bis hinüber zum Bulzisor ... und dem Vf. Plutonu, sowie in Richtung West / Südwest auf die Valea Uibaresti und die sich dahinter erhebenden Berge der Muntele Gaina.

...

Im tiefen Tal

... der Valea Iubaresti blickt man auf den Ortskern von Bulzestii de Sus. Die dortige Holzkirche ist deutlich zu erkennen. Dahinter zweigt jenes Tal ab, welches hinauf zum Streudorf Giurgesti führt. In etwa unterhalb dieses Aussichtspunktes befindet sich der Höhlenkomplex der Pestera Ionilesti ...

Pestera Ionilesti de Jos

Der Name der Höhle ist so nicht belegt, aber da sich das Portal etwas unterhalb der Pestera Ionilesti befindet, liegt diese Bezeichnung nahe. Im rumänischen Höhlenverzeichnis findet sich dieser Name aber nicht. Womöglich steht dieses Höhlensystem mit der Pestera Ionilesti in direkter Verbindung und ist somit Teil eines einzigen Höhlenkomplexes. 

Die Höhle

... befindet sich am Ende eines kleinen Waldtales, welches von der Straße zwischen Bulzestii de Sus und Bulzestii de Jos nach links abzweigt. Der Anmarsch ist weitgehend weglos.
Die Gesamtlänge

... der in der Höhle begehbaren Abschnitte beträgt geschätzt 130 m. 
Pestera Ionilesti   (Pestera Bulzului)

Die Höhle hat eine Gesamtlänge von 386 m mit einem Höhenunterschied von 59 m. In der ersten Galerie befindet sich ein großes Höhlenfenster. 

Das riesige Höhlenportal

... der Pestera Ionilesti befindet sich auf 690 m. Um das Portal von außen her zu erreichen, muss man an einer steilen und glitschigen Felswand mit mäßigem Bewuchs ca. 8 m emporklettern. Dem Innern der Höhle entspringt ein kleines Rinnsal. 

Aber gehen wir noch einmal zurück

... zum Ausgangspunkt Paulesti. Wer nicht bis hinunter nach Bulzestii de Jos über Dealul Stroguri wandern möchte, der kann es zumindest in Betracht ziehen, die Piatra Bulzului zu besteigen. Von Bulzestii de Sus kommend, bleibt man auf der breiten Straße bis ganz hinauf auf einen Bergpass. Hier zweigt rechtsseits ein Wanderpfad mit der Markierung "rotes Dreieck" ab. 

Der Wanderpfad 

... "rotes Dreieck" führt vorbei an einer letzten schönen Stallung und wenig später geht es dann steil bergan durch einen teils dicht bewachsenen Wald, durchsetzt von Büschen und Sträuchern ...

Geschafft!

Auf einer felsigen Klippe der Piatra Bulzului (967 m) eröffnen sich dann schöne Ausblicke. Hier im Bild reicht die Sicht gen S/SW bis hinunter nach Bulzestii de Jos.

Spätestens jetzt wollen wir uns noch einmal den ersten schriftlichen Zeugnissen des Ortes widmen. Die älteste urkundliche Erwähnung des Jahres 1441 stammt - so einigen zeitgenössischen Quellen des Internets entnehmend - aus einem von Coriolan Suciu erstellten Ortslexikon Siebenbürgens. In jedem Falle muss man sich hier der ungarischen Literatur bedienen, um nachweislich ans Ziel zu gelangen. So zitieren wir aus der Quelle [5]:

"... Bulcsfalva. (Bulzestfalva.)  Bolchfalwa. Bwlchfalwa. (1441 ... 1445.)  1464-ben: Bulyzesthefalwa.  1525-ben: Bwlchesth. (I.h.)  Világos várhoz tartozott. - Ma Felsö-Bulzesd. Körösbányatól é., Hunyadmegyében. ..."  

 

Blick von den Felsklippen

... der Piatra Bulzului auf die fernen Muntele Gaina. Tief unten im Tal befindet sich Bulzestii de Sus. ... Und hier noch weitere Auszüge aus historischen Quellen:

[6]: "Bulzest, Bulsdorf, Bultsches, Siebenbürg. Zarand. Gespannsch.. Ribitz. Ein zwischen hohen Gebirgen liegendes wallach. Dorf mit einer griech. nicht uniert. Pfarr., ..." (1804)

[7]: "Bulcsesd od. Bulsesti, auch Bulzesti rom. L. - Bulzesd B.  Bulcesci rom. ... 1864 Einwohner ..." (1863)

[8]: "Bulzest (Bulzestii) ... Klein-Gemeinde, Gerichtshof Arad, Bezirksgericht Körösbánya, Steueramt und Post Körösbánya. 2236 Einw. ..."  (1891-1894)

Die Schluchten bei Grohot ...

Erstmals aufmerksam auf diese wunderschöne Karstregion wurde ich durch das Buch "Chei si Defilee in Muntii Apuseni" von Pompei Cocean. Die Kalksteinbrücke "Podul natural de la Grohot" war somit mein erster Anlaufpunkt in dieser Gemeinde vor vielen Jahren.
 Zitieren wir einführend aus dem erwähnten Buch [9]:

"...  Und im Nordwesten, im Gebiet von Bulzesti, ... stoßen wir auf die unverkennbaren Merkmale eines anderen Karsttypus: des Plateau-Typus ... Die Breite des Kalkstreifens, welche die Linie Grohot, Tomnatic - Piatra Heleneasca bildet, überschreitet selbst in seinen breitesten Bereichen 4-5 km nicht. ... Aus einer Wechselwirkung entstanden zwei großflächige Reliefformen, die zu wahren Wahrzeichen des Karstes in der Region wurden: die Uibaresti- und die Ribicioarei-Schlucht. ..."
Podul natural de la Grohot in der Cheile Uibarestilor

Der Felsentunnel befindet sich auf 400 Höhenmeter. Die Länge des kleinen Höhlensystems beträgt 45 m. Das hier hindurchfließende Wasser führt über ein Gefälle von 2 m. 

[9]: "...  Die Uibaresti-Schlucht. Sie liegt im mittleren Becken des gleichnamigen Tals, flussabwärts von Bulzestii de Jos. Der verengte Abschnitt ist über 2 km lang, verläuft relativ geradlinig in Nord-Süd-Richtung. Das Hauptziel der Uibaresti-Schlucht  ist die natürliche Brücke bei Grohot, die sich im oberen Drittel der Verengung befindet. Der gewaltige Kalksteinbogen ist 45 m lang und stellt nur einen Teil der ehemaligen Höhle dar.  ... im stromabwärts gelegenen Teil beträgt die Breite der Galerie maximal 5 m ... 
Podul natural de la Grohot und eine erste Wanderung über Grohot und Cheile Uibarestilor ...

Podul natural de la Grohot erreicht man, aus Risculita kommend und einen Bergpass überfahrend, bei der vorletzten Serpentine vor Bulzestii de Jos. Dort befindet sich in der Kurve rechtsseits ein kleiner Holztisch mit Bänken. Hier lässt man das Auto zurück und folgt zu Fuß einem schmalen Pfad bergab in die Schlucht. Der Pfad ist teils markiert, aber in Folge umgestürzter Bäume musste der alte Pfad in den letzten Jahren umgangen werden, so dass sich die Markierung teils verliert. Nach ca. 15 min. hat man die Natursteinbrücke erreicht. Nach links führt ein letzter, kurzer, teils rutschiger Pfad hinunter zum oberen Höhlenzugang. Rechtsseits geht es entsprechend zum unteren Höhlenzugang. Wir steigen zunächst nach links hinunter. ...
Über der Kalksteinbrücke

Vom oberen Portal des Podul natural de la Grohot steigen wir wieder bergan bis jenen Sattel, wo man nun zur anderen Seite hinabsteigen könnte. Hier befindet sich ein kleiner Steig hinauf auf die zum Tal quer verlaufene Kalksteinbrücke, wo sich schöne Ausblicke zu beiden Seiten auf die Valea Uibarestilor ergeben. Am anderen Ende der Kalksteinbrücke steigt man, teils durch wildes Gelände einfach weiter bergauf, bis zu jeder Straße, welche von Bulzestii de Jos kommend, nach Grohot hinaufführt. 
Auf dem Karstplateau bei Grohot

... bei den ersten Höfen anagekommen, von denen noch einer bewohnt ist, folgt man den Pfaden nach rechts in westlicher Richtung, bis man dieses verlassene Anwesen erreicht. Auf diesen Weg müsste der Wanderer eigentlich auch schon auf die Markierung "roter Punkt" gestoßen sein. Der offene Anbau des Anwesens beherbergt noch wichtige bäuerliche Gerätschaften ...
Der alte Backofen

... und die davor liegenden Brotschieber vermitteln den Eindruck, als wäre alles noch in Gebrauch. 
Der Blasebalg

... der hauseigenen Schmiede ist nicht mehr funktionstüchtig, wohl aber wäre er ein wunderschönes Exemplar für ein ethnografisches Dorfmuseum, wie es mittlerweile einige in den Muntii Apuseni gibt. Aber natürlich ist es viel aufregender, solche traditionellen Gerätschaften noch selbst bei den zugehörigen Anwesen zu erkunden!
Roter Punkt

Ab dem letzten Anwesen folgt man auf schmalen Pfaden der Markierung "roter Punkt" entlang der oberen östlichen Abhänge der Cheile Iubarestilor in Richtung des Dorfes Iubaresti, welches aber nicht mehr zur Comuna Bulzestii de Sus, sondern zur Comuna Ribita gehört. Wer nicht bis Iubaresti gehen möchte, kann vorher schon über kleine Wildpfade direkt in die Cheile Iubarestilor absteigen. 
Cheile Iubarestilor

Hier tritt man den Rückweg zum Podul natural de la Grohot an und folgt in der weglosen Schlucht der Markierung "rotes Dreieck".
Nahe der Schlucht, ereignete sich im Jahr 1857 ein zunächst mysteriöser Mordfall, über den sogar in der Wiener Vorstadtzeitung Im Jahr 1958 Bericht erstattet wurde [10]:

"... Broos (d) ... 8. Februar. ... Am 30. Jänner 1858 wurde bei dem hiesigen k. k. Kreisgerichte eine Schlußverhandlung abgehalten, ... Die Anklage lautete auf das Verbechen des Meuchelmordes, verübt von 7 Insassen der Gemeinde Riczkulitza, an den gräflich Bethlenischen Waldheger Nikulai Poppovits. Derselbe war am 30. Jänner 1857 von seiner Wohnung weg in das benachbarte Dorf Bulzest geritten, um daselbst einiges Getreide einzukaufen.  - Noch an demselben Abend kehrte das Pferd ohne seinen Reiter, sattel und zaumlos heim. Da bekannt war, daß Poppovits bei Ausführung seines Dienstes als Waldheger sich den Haß eines großen Theiles der Riczkulitzaer Insassen zugezogen, ... da ferner am 26. Jänner 1857 demselben gelegenheithlich einer Pfändung, von Seite der zusammengerotteten Dorfbewohner mit Mord und Todschlag gedroht worden war, so entstand die gegründete Vermuthung, daß an Poppovits ein Verbrechen verübt worden sei.  Zufolge der diesfalls eingeleiteten Nachforschungen wurde am 4. Februar 1857 der Leichnam des Poppovits mit zerschmettertem Kopfe in dem zwischen Riczkulitza und Bulzest gelegenen Walde, Szilba genannt, in einem Graben mit Laub bedeckt aufgefunden. ..."
Entlang der düsteren Schlucht

... widmen wir uns weiter dem Mordfall des Jahres 1857 ... 
[10]:

"... Den rastlosen Bemühungen der k. k. Gerichtsbehörden gelang es, die Mörder zu erforschen. Sieben Insassen aus Riszkulitza gestanden, daß sie am 30. Jänner, nachdem sie erfahren hatten, daß Poppovits Nikolai allein nach Bulzest geritten sein, theils mit Hacken, theils mit Mistgabeln versehen, demselben nachgegangen seien, um ihn in den zwischen Riczkulitza und Bulzest gelegenen Walde aufzulauern und zu tödten. ... Ganz dieser Verabredung gemäß wurde die That auch vollführt. ... Als Motiv der Tötung geben die Mörder daß mit Rache an, welche Poppovats auch durch sein rücksichtsloses und gewaltthätiges Benehmen als Waldheger nicht nur bei ihnen, sondern bei allen Riczkulitzaer Insassen erweckt hatte. ..."
Kleine Grotte in der Cheile Uibarestilor

Gehen wir weiter dem Verlauf des Gerichtsprozesses im Jahr 1858 nach. Die Aussage der Täter in Bezug auf den Hass fast aller Einwohner in Risculita auf den "Aufseher" der Grafenfamilie Bethlen, welche traditionell zahlreiche Landgüter in der weiten Umgebung besaßen (auch südlich der Valea Crisul Alb wie z.B. Vata), lies folglich die stetige Gefahr erneuter Unruhen und Aufstände erahnen. Schließlich lagen die Bauernaufstände unter Avram Iancu nur wenige Jahre zurück. Wir sehen an diesem Fall auch, dass sich nach den Jahren der Revolution nur sehr langsam die Situation für die Bauern verbesserte. So blieb der K & K - Gerichtsbarkeit wohl oder übel nichts anderes übrig, als ein abschreckendes Exempel zu statuieren 
[10]:

"... Nach geschlossenem Beweisverfahren stellte die Staatsbehörde auf Grund des umfassenden Geständnisses der Angeklagten den Antrag auf Verhängung der Todesstrafe gegen die der unmittelbaren Handanlegung der Geständigen, auf Verhängung der Strafe des 20jährigen Kerkers gegen jene, welche der unmittelbaren Handanlegung durch die Aussagen der Mitschuldigen überführt erscheinen und endlich auf Bestrafung des der entfernteren Mitschuld Geständigen zur Strafe des Kerkers der Dauer von 15 Jahren. Der Gerichtshof hingegen verurtheilte sämtliche Angeklagte zur Todesstrafe, in dem er von der Absicht ausging, daß sämmtliche Angeklagte zur Verübung der That ein förmliches Komplott eingegangen seien, daß jeder derselben die ihm zugewiesene Rolle übernommen habe, und demnach Einer für Alle und Alle für Einen verantwortlich seien. ..."
Auf dem weiteren Weg

... durch die Schlucht kommt man an einer Grotte und einer Höhle mit einem etwas höher gelegenen Höhlenportal vorbei. 
Blick aus dem ca. 8 m hohen Portal

Die Höhle hat aber nur eine Länge von ca. 25 m aufzuweisen. 
Das untere Portal

... des Podul natural de la Grohot. Über die Herausbildung dieses Karstgebildes erfahren wir in 
[9]:

"... Die Entstehung der Schluchten lässt sich mit einem morphogenetischen Drama vergleichen, das mit unterirdischen Wasserspeichern, dem Entstehen einer Höhle und dem Einsturz ihrer Decke beginnt. Verfolgt man den Verlauf der Evolution jedoch rückwärts, ... gelangt man zum Ursprungsstadium, als sich das Uibaresti-Tal in die undurchlässigen Formationen der Kreidezeit vertiefte, die in transgressivem Kontakt mit dem geschichteten und stark zerklüfteten Jurakalksteinen stehen. Durch so einen mächtigen Lithoklas dringt das Wasser unterirdisch ein und durchquert die gesamte Kalksteinbarriere, um auf der anderen Seite wieder an die Oberfläche zu treten. So entsteht ein endokarstisches Einzugsgebebiet, ein unterirdisches Entwässerungssystem, das seine Kanäle ständig erweitert und vertieft. Dadurch entwickelt sich eine Höhle, deren Decke sich kontinuierlich vertikal entfernt. Allmählich stürzt sie ein und formt die heutigen Schluchten. Ein Zeugnis dieser Entwicklung hat den Prozessen der Abtragung und Zerstörung bis heute widerstanden: der natürliche Brückenbogen von Grohot."
Grohot

Nach einer ersten Wanderung gehen wir wieder zurück auf das wunderschöne Karstplateau Grohot. Hier oben befindet sich das gleichnamige Streudorf Grohot. Einige Höfe hier sind noch bewohnt und seit dem Ausbau der Straße, welche von Bulzestii de Jos heraufführt, ist das Leben der Bewohner von Grohot etwa leichter geworden. Der im Bild sichtbare Backofen wird nach wie vor saisonal betrieben. Außerhalb der Betriebszeiten wacht eine Henne über den Backofen!
Schöne und auch lustige Fotomotive

... gibt es auf Grohot zuhauf. Die Landwirtschaft ist hier übrigens eine ganz besondere, wie ich selbst noch vor wenigen Jahren hier beobachten konnte. So finden wir in einem Beitrag des Jahres 1884 folgenden Vermerk 
[12]:

"... Die Felstrichter von Alsó- und Felsö-Grohot. Nordöstlich von Körösbánya im Thale von Alsó- und Felsö-Grohot erheben sich zahlreiche malerische Felsberge aus Kreidekalk. Auf dem Wege von Alsó- nach Felsö-Grohot und weiter hinauf nach Tomnatik sehen wir auf dem flachen Bergrücken zahlreiche Felstrichter und Dolinen, welche mitunter so gross sind, dass in der darin sich ansammelnden mächtigen Schichte fetter Dammerde ein lohnender Anbau von Feldfrüchten betrieben wird. ..."
Großes Steinkreuz

... auf dem Plateau von Grohot im südöstlichen Abschnitt. Das Kreuz befindet sich auf knapp 600 Höhenmeter.
In einem Lexikon des Jahres 1839 finden wir folgende Einträge über Grohot
[11]:

"... Alsó-Grohot, w. Grohot-gyin-zsosz, ... ein Dorf im Ribitzaer Bezirk der Zarander Gespanschaft, welches mehreren Adeligen gehört, von Walachen bewohnt, in die griechisch-nicht-unierte Pfarre von Tomnatyek und in die katholische Pfarre in Körösbánya als eine Filiale eingepfarrt ist. ..."

Blick von Grohot auf Vf. Cetataue (ca. 520 m)

Ich weiß nicht, ob der Name dieses spitzen felsigen Berges bei Cheile Ribicioara korrekt ist. Ein Bewohner auf Grohot buchstabierte mir einst diese Ortsbezeichnung "Catataue" (Festung) oder auch "Cetataue Ribita" genannt. In dem tiefen Tal rechts im Bild befindet sich der Ort Ribicioara. Die Cetataua ist von Süden her gut zu besteigen. Aber dazu kommen wir noch an anderer Stelle ...
Biserica "Sf. Arhangheli" de la Grohot

Die Holzkirche in der Streusiedlung Grohot inmitten des schönen Karstplateaus wurde im Jahr 1852 erbaut.
Die zwei offenen Vorhallen der Kirche wurden sicher zu späterer Zeit angebaut. Zuvor befand sich sich hier eine ältere Kirche, wie auf der Karte Josephinischen Landesaufnahme (1722 / 1763-1787) ersichtlich ist. Diese Kirche wurde aber in den Revolutionsjahren 1848-1849 niedergebrannt. 1937 wurden bei der heutigen Kirche die Balken des Daches verstärkt und 1984 erfolgte das Verputzen der Außenwände.
Noch im Jahr 2018

... befand sich die Kirche in einem vernachlässigten Zustand. Zudem war die Kirche beinahe vollkommen von jungen Bäumen und Buschwerk umgeben und die wenigen Grabsteine kaum noch auszumachen. Im Herbst des Jahres 2024 war ich erneut vor Ort und stellte voller Freude fest, dass die äußere Hülle der Kirche liebevoll restauriert wurde. Auch das Areal rund um die Kirche ist wieder von jeglichen Gesträuch befreit. Alle Arbeiten erfolgten in Initiative einheimischer und zugezogener Bewohner der nahen Umgebung. 
Die erste Innenbemalung 

... der Holzkirche stammt aus dem 19. Jahrhundert und wurde von einem unbekannten Maler angefertigt. 1984 erfolgte zudem eine Neubemalung des Innenraumes. 
Neben der Innenbemalung

... besteht die Innenausstattung noch aus einigen Ikonen. Gottesdienste finden nur noch sehr selten in dieser Kirche statt. 
Motive an der Außenwand

... in der offenen Vorhalle vor dem Pronaos. 
Im Jahr 2008

... lebten nur noch 5 Einwohner in Grohot. Im Jahr 2011 waren noch vier Höfe bewirtschaftet.

Der letzte Hof in Grohot auf dem Weg in Richtung Tomnatec wird noch von einem älteren Paar bewohnt. Hier gibt es natürlich auch einen traditionellen Backofen, der ebenfalls noch ab und an betrieben wird. Als ich der Bäuerin erzählte, dass ich bei einem der letzten Anwesen zur anderen Seite von Grohot eine kleine Schmiede mit Blasebalg vorfand, winkte mich die Hausherrin sogleich ein einen Schuppen neben dem Wohnhaus ...
Dieser Blasebalg

.... wäre wohl noch funktionsfähig, wie mir die Bäuerin versicherte. 
Der einstige Forstweg

.... hinter Grohot in Richtung Tomnatec wurde jüngst ausgebaut und asphaltiert. Jetzt gelangt man von Grohot nach Tomnatec auch mit dem normalen Auto zu dem oberen Ortsteil von Tomnatec (Tomnatec de Sus). Das ist wohl dem geschuldet, dass sich in dem beinahe verlassenen Bergdorf neue Familien niedergelassen haben, welche einer Adventistischen Kirchgemeinde angehören. Ich hatte bereits im Jahr 2021 Gelegenheit, mit den netten Neubewohnern ins Gespräch zu kommen. Für die Gemeinde Bulzestii de Sus ist dieser Zuzug der Neubewohner ein wahrer Segen und so bleiben dann auch die Häuser und selbst die alten historischen Stallungen und Scheunen mit ihren Strohdächern in Nutzung und Erhalt. 
Auf dem Höhenweg

.... nach Tomnatec (Tomnatec de Sus). Man hat einen traumhaften Ausblick auf die südöstlichen Flanken der Piatra Bulzului. Hinter Grohot verläuft der Höhenweg fast durchweg auf ca. 700 Höhenmeter und steigt erst kurz vor Tomnatec noch ein wenig an. 
Blick vom Höhenweg

.... kurz vor Tomnatec in Richtung Osten. Die dortige Gipfelkette zwischen dem Vf. Bulzisor (rechts im Bild) und dem Vf. Plutonu (links im Bild) markiert wahrscheinlich die östliche Grenze der Comuna Bulzestii de Sus, da sich an deren Abhängen noch die letzten Höfe von Tomnatec de Sus befinden. 
Wunderschöne historische Stallung

.... in Tomnatec /Tomnatec de Sus). 
Tomnatec

Tomnatec findet erstmals im Jahr 1523 unter "Thomnesth" urkundliche Erwähnung. Später: Tomnateg (1733), Tomnatek (1750), Tomnyattyek (1805), Tomnatik (1854), Tomnatecul de Jos / Tomnatecul de Sus / Tomnatek (1896). Auf der Karte der 
Josephinischen Landesaufnahme (1763-1787) ist eine Holzkirche (Tomnatec de Sus) eingezeichnet. In der Valea Jgheboasa inmitten des oberen Ortsteils sind zudem zu jener Zeit auch drei Mühlen vermerkt, was auf eine intensive Landwirtschaft hinweist. Im Jahr 1897 hat "Tomnatek" 1244 Einwohner. 
Schönes Ensemble

.... alter Scheunen und Stallungen.
Die unterschiedlichen historischen Ortsbezeichnungen von Tomnatec gehen auf die jeweiligen Epochen ungarischer und österreichischer Herrscher zurück und so finden wir in dieser Quelle aus dem Jahr 1839 folgenden Aufschluss
[13]:

"... Tomnatyek, w. Tomnyatik, ein Dorf im Ribitzeer Bezirk der Zarander Gepanschaft, welches der freyherrlichen Familie Nalátzi gehört, von Walachen bewohnt, mit einer griechisch nicht-unierten Pfarre und Kirche, wozu Alsó- und Felsö-Grohot als Filialen gehören, versehen, und in die katholische Pfarre in Körösbánya als Filiale eingepfarrt ist. ..."

Vielleicht an dieser Stelle noch ein Hinweis: Der historische Vermerkt "nicht-unierte Pfarre" bezieht sich auf eine rumänisch-orthodoxe  Kirchgemeinde, welche sich dem Druck ungarischer Machthaber widersetzte, den griechisch-orthodoxen Ritus (greco-catolic) anzunehmen, welcher sich ja unter dem Einflussbereich des Papstes und somit auch der ungarischen Machthaber befand. An dieser Stelle wäre es zu umfassend, den Widerstand der Rumänen gegen die 1697-1700 geschlossene Union der siebenbürgischen Rumänen mit der katholischen Kirche zu beschreiben. Nach anfänglichen Erfolgen formiert sich dann aber ein hartnäckiger Widerstand unter der orthodoxen Landbevölkerung. So war auch dies ein Grund dafür, dass während der Bauernaufstände 1848/49 die ungarischen Truppen die "nicht-unierten Kirchen" als Symbol des Widerstandes auffassten und viele derer brandschatzten.
Die Hunde in Tomnatec

.... sind zumeist allerliebst und bleibende Freundschaften sind schnell geschlossen! Ansonsten, was die heutige Viehwirtschaft anbelangt, werden zumeist Kühe, Schafe und natürlich auch Schweine für den Eigenbedarf gehalten. 
Die berühmten Holzfässer

... von denen schon zu Beginn dieser Seite die Rede war, begegnen einem in allen Streudörfern und Weilern immer wieder. Das findige Auge entdeckt sogleich die alte Schnapsdestille rechts im Bild!
Besuch eines Hofes

... alteingesessener Bürger in Tomnatec. Unweit der Neubürger von Tomnatec gibt es noch ein Anwesen der Altbewohner des Dorfes. Man lebt hier noch weitgehend als Selbstversorger und ist von den Schwankungen der Weltpolitik vollkommen unabhängig. ...
Die Nachzucht der künftigen Speckschwarten

... hat im zeitigen Frühjahr bereits begonnen. 
Und hier bekommen wir

... die Vorfahren derer jungen Ferkel präsentiert. Wohl angemerkt, der geräucherte und gesalzene Speck hier in Comuna Bulzestii de Sus ist von großer Qualität! Die selbstgebrannte Palinca des Hauses ist ebenfalls "Nota zece"! 
Erneut besuchte ich Tomnatec de Sus

... in den Tagen des Novembers 2024. Nach bereits zweimaliger, vergeblicher Suche der Holzkirche von Tomnatec de Sus, sollte nun die eher vom Laube befreite Zeit von Nutzen sein, um das verwaiste, verlassene und von wildem Buschwerk verborgene Bauwerk ausfindig zu machen. Hinter den Anwesen der Neuansiedler auf dem Plateau bei Tomnatec folgt man einem unbefestigten Fahrweg in östlicher Richtung. Dieser Weg führt auf einem Bergkamm entlang verlassener Höfe. 
Verlassenes Nutzgebäude

... mit Backofen und Lager für landwirtschaftliches Gerät. 
Auch hier

... stöbere ich in den verlassenen und eingefallenen Häusern nach biografischen Zeugnissen derer und finde immerhin ein altes Foto. Es zeigt einen der jungen Männer, während des Militärtdienstes. Es liegt nun an den Betrachtern des Bildes, welcher der Herren aus Tomnatec stammt. Aber wer weiß, vielleicht meldet sich ein Nachfahre, welcher den Vater oder Großvater erkennt ... Es wäre nicht ein erstes Mal, dass sich spätere Familienmitglieder bei mir melden!
Kurz hinter den verlassenen Höfen

... führt der alte Fahrweg steil hinab ins Tal der Valea Jgheboasa, welches sich  talwärts wenig später mit dem Tal des Ribita-Baches vereinigt. Nun endlich will es das Glück und durch den vom Laub weitgehend befreiten Waldbestand sehe ich durch das Tele den hellen Kirchturm der "Biserica Tomnatecul de Sus".  Unterhalb der Kirche befindet sich ein steiler Abholzungsweg, derer es hier viele gibt und es nicht garantiert, im Tal den richtigen Aufstieg zu finden. Dank meiner App Maps3D markierte ich meinen Standpunkt und setze oberhalb der Kirche einen weiteren Fixpunkt. Nun konnte ich wenig später im Tal die genaue Schnittstelle ausmachen, wo ich direkt durch den Wald zur Kirche hinaufsteige. Endlich erreichte ich das versteckt gelegene historische Bauwerk!
Biserica de lemn "Buna Vestire"

... din Tomnatecu de Sus. Vor dem Kirchgebäude befindet sich ein eingefallenes Haus. Vielleicht war es das Pfarrhaus, oder es diente in späterer Zeit als Gemeindehaus. 
Die Holzkirche

... von Tomnatecul de Sus befindet sich auf ca. 650 Höhenmeter an einem weiter aufsteigenden Berghang. Die Holzkirche stammt aus dem 19. Jahrhundert und ist unter den historischen Bauwerken unter der Registernummer LMI HD-II-m-B-03467 erfasst. Erbaut wurde die Kirche aller Wahrscheinlichkeit im Jahr 1803. In Volkszählungen des Jahres 1805 ist eine Kirche an diesen Standort benannt. Die Außenwände der Kirche sind mit einem Kalkputz überzogen worden. 
Typische Bemalung

... der Außenwand der westlichen Vorhalle. 
Die zwei Vorhallen

... an der Süd- und Westseite der Kirche stammen aus dem Jahr 1863. In der südlichen Vorhalle ist die Hausnummer 67 angebracht. 
Die erste Innenbemalung

... der Kirche stammt aus dem Jahr 1807. Auf einer Inschrift im Altarraum ist ebenfalls das Jahr 1807 vermerkt. Auf der Inschrift der Ikonostase ist zudem das Jahr 1848 verzeichnet.
Auf Vf. Cetataue (ca. 520 m)

Es ist diese spitze felsige Erhebung, welche wir schon von Grohot aus gesehen haben. Der Aufstieg von Süden her ist einfach zu bewältigen. Die Sicht gen Westen zeigt die westlichen Abschnitte des Grohot-Plateaus bei Dealul Grohot. 
Blick von Vf. Cetataue

... in nord-westlicher Richtung über die Cheile Ribicioarei hinweg. Die hohe Erhebung rechts oben im Bild ist die Piatra Bulzului bei Bulzestii de Sus. 
Kommen wir nun zur Cheile Ribicioarei

Die Schlucht erreicht man über die Landstraße Ribita - Ribicioara. Auch der unbefestigte Fahrweg hinter Ribicioara ist gut ausgebaut und befahrbar. 
In der ersten Verengung  der Cheile Ribicioarei

... ist lediglich Platz für das Bachbett und den Forstweg. Widmen wir uns erneut dem Buch von Pompei Cocean und zitieren daraus [9]:

"... Die Ribicioarei-Schlucht liegt im mittleren Abschnitt des gleichnamigen Tals, flussaufwärts der Siedlung Ribicioara de Jos. Sie erstreckt sich über eine Länge von etwa 1,8 km und beschreibt die Form eines umgekehrten "S", ... So entstand ein Kontakttal, das nach langer Entwicklung innerhalb der kretazischen Flyschmasse durch die Trennlinie zwischen dieser  und dem Kalkstein - einer morphogenetisch labilen Linie - geformt wurde, Wasser und Kalkstein waren stets miteinander verbunden, die Entwicklung am Rand des Kalksteingebietes vollzog ich daher schnell. Die Einbettung des gesamten Netzwerks in den Kalkstein manifestierte sich in der Bildung der Schluchten. Epigenese muss als dominierender Prozess ihrer Formung herangezogen werden, während der Einfluss der Tektonik und des Lithoklasnetzwerks die extrem gewundene Entwicklung erklärt. ..."
Mehrere kleine Höhlen und Grotten

... laden zu einer Begehung ein. 
Dieser Höhle

... entspringt nach wenigen Metern im Innern eine Quelle. Es gibt noch weitere mehrheitlich kleinere Höhlen, aber die wohl bedeutendste aller Höhlen dieser Schluchtenregion ist zweifelsohne die Pestera Cizmei.  Weil in dieser Höhle außerordentlich wichtige archäologische Funde zu Tage befördert wurden, gilt diese Höhle als Schutzgebiet und ist verschlossen. 
Linksseits der Schlucht

... hat sich ein kleiner Wasserfall in den Kalkstein gegraben und ist sehr reizvoll anzusehen. 
Blick von den Steilflanken 

... unterhalb von Grohot auf die Ribicioarei-Schlucht. Zitieren wir nochmals aus [9]:

"... Das Ribicioarei-Tal, dessen Quellen in einem deutlich höher gelegenen Gebiet entspringen, ist auf kristallinen Formationen des autochthonen Bihor angelegt und vertieft sich dann in die kretazischen Formationen, die die jurassische Kalksteinbank bedecken. Durch die Vertiefung in die weichen Flyschablagerungen trifft es schließlich im Tal auf Kalksteine, die von einem intensiven Lithoklas beeinflusst sind, was die vertikale Entwicklung und die Modellierung der steilen Hänge begünstigt. Die Ausrichtung der Hauptlithoklase bestimmte den Verlauf des Flusses, ..."
Oberhalb

... der Cheile Ribicioarei weitet sich das Tal. Wiesen, mit alten Obstbäumen besetzt, prägen neben einem Gehöft die Landschaft. Im Jahr 2011 besuchte ich hier im beginnenden Ort Tomnatec (Tomnatec de Jos) die wohl letzten Einwohner. ...
Vasile und Flore Igna 

Vasile Igna (geb. 1928) und Flore Igna (geb. 1932) verbringen hier ihr ganzes Leben und auch ihren Lebensabend. Sie erzählen mir, dass früher vor dem politischen Umbruch in Rumänien noch 300 Familien lebten. Es gab eine Schule, einen Kaufladen und sonstige Infrastruktur.  Jetzt sind die beiden Senioren darauf angewiesen, dass ihnen die Waldarbeiter und LKW-Fahrer nötige Dinge des Lebens aus den nächsten Orten besorgen. Aber wer weiß, es sind nun weitere 15 Jahre vergangen und vielleicht leben die Zwei nicht mehr und sind in ihrer treuen Liebe nun auch im Himmel vereint. 
Die einstige Holzkirche  

... in Tomnatec de Jos hatte keine Gläubigen mehr, nachdem fast alle einstigen Bewohner das Tal verließen. Schließlich gab es Schäden am Dach des Bauwerks und der Zerfall nahm seinen Fortlauf. Irgendwann vor dem Jahr 2011 stürzte die alte Holzkirche, welche einst 1845 erbaut wurde, dann endgültig ein.
Im Altarul 

... sind noch Fragmente der einstigen Kirchenmalerei auszumachen. Man muss darauf hoffen, dass das kostbare Erbe der noch verbliebenen Holzkirchen von den Menschen erhalten wird. Diese Bauwerke sind ein wichtiger Bestandteil der Identität der rumänischen Landbevölkerung, welche hier über Jahrhunderte ein schweres Auskommen hatte. 
Weiter talaufwärts 

... steigt man dann linksseits über uralte und steinige Landwege zu den Hochweideflächen nahe des Vf. Bulzisor hinauf. Über Jahrhunderte haben hier die Dorfbewohner am Morgen ihre Kühe und Schafe hinauf- und zum Abend hinabgetrieben. Diese Szenerie ist zumindest in diesem Tal versiegt. Jetzt bewegt man sich hier in vollständiger Stille und Einsamkeit. 
Blick auf den Vf. Bulzisor (1032 m) 

... aus südwestlicher Richtung. Nach all den vielen Informationen über die Comuna Bulzestii de Sus lassen wir hier den Gedanken freien Lauf und bewegen uns auf die felsigen Höhen des Vf. Bulzului zu ...
Blick von Vf. Bulzului 

... in nordwestlicher Richtung über die gesamte Comuna Bulzestii de Sus hinweg. Erst von hier aus lässt sich die Weite und die wilde Topografie der Gemeinde erahnen. Die auf dieser Seite vermittelten Eindrücke sind nur ein Fragment dessen, was es an sich noch zu entdecken gibt. Ich setze derweil die Wanderung fort und besuche einen letzten Gipfel ...
Der Weg folgt den Hochweideflächen

... nördlich des Vf. Bulzisor, vorbei an den Erhebungen des Vf. Strambu. Hier gibt es noch eine Hirtenhütte und so ziehen über die Sommerzeit die Schafe der nahen Dörfer über die Hochweide und halten das Gras kurz. Zwei Obstbäume scheinen im sanften Wind ein synchrones Tänzchen aufzuführen, so als gäbe es ganz in der Nähe eine kleine Fee, welche dieses liebliche Spektakel für die ankommenden Wanderer veranstaltet. ...
Und womöglich  

... wohnt sie hier, diese kleine Fee ... und wer weiß, vielleicht ist es auch jene Fee, welche einst auf den Muntele Gaina gelebt hat und welcher die Henne mit den goldenen Eiern gehörte. Sie schenkte mir aber keine goldene Eier, statt dessen goldene Eindrücke für die Seele, Frieden, Ruhe, göttliche Ruhe ... wie die Rumänen sagen würden: "liniste".  Das ist keine Legende, kein Traum, hier ist es gelebte Realität. Aber noch immer kann ich mich nicht zufrieden geben ...
Die Wanderung geht weiter ...

... und schon sehe ich in nicht allzu großer Ferne, die Gipfel des Vf. Strambu (1154 m / rechts der Bildmitte) und des Vf. Plutonu (1183 m / links im Bild). 
Geschafft! 

Der Blick vom Vf. Plutonu (1183 m) in westlicher Richtung zeigt die Gipfelkuppe des Vf. Bulzisor (re. i. Bild) und eines weiteren Bulz'es, dessen Name mir nicht bekannt ist. Die Entdeckungen in der Comuna Bulzestii sind noch nicht zu Ende und so wird diese Seite in Zukunft sicher noch die eine und andere Ergänzung erfahren. 

Literaturquelle:

[1] ... Deutsche Lesehalle / Sonntags-Beilage zum Berliner Tagesblatt / 5. Januar 1890 / ... von Oswald Neuchatz de Jassy

[2] ... Siebenbürgen. Eine Darstellung des Landes und der Leute ... von Rudolf Bergner / Leipzig / Verlag von Hermann Bruckner / 1884

[3] ... Romanii din Muntii Apuseni (Moti) de Teofil Francu si George Candrea / Bucuresci / Tipografia Moderna GR, LUIS / 1888

[4] ... Siebenbürgen in Wort und Bild / Vollständiger Nachdruck von "Die österreichisch-ungarische Monarchie in Wort und Bild / Band 23 (Ungarn, Band IV), Wien 1902

[5] ... HUNYADIAK KORA MAGARORSZÁGON. / Dr. Csánki Dezsö / Budapest 1890 / KIADJA A MAGYAR TUDOMÀNYOS AKADÉMIA

[6] ... Topographisches Post-Lexikon aller Ortschaften der k. k. Erbländer / Des vierten Theil, welcher Ungarn, sammt den einverleibten Provinzen und Siebenbürgen in sich enthält / Erster Band / Wien /  gedruckt bei Mathias Andreas Schmidt, k. k. Hofbuchdrucker / 1804

[7] ... Das Bihar-Gebirge ... an der Grenze von Ungarn und Siebenbürgen / Von Dr. Adolf Schmidl / Wien, 1863 / Verlag von Förster & Bartelmus.

[8] ... Adressbuch aller Länder der Erde der Kaufleutem Fabrikante, gewerbetreibenden, Gutsbesitzer etc. ... / Leuchs / Band 18 / 8te Ausgabe für 1891-1894 / Nürnberg

[9] ... Chei si defilee in Muntii Apuseni / Pompei Cocean / Editura Academiei / Bucuresti 1988

[10] ... Wiener Vorstadtzeitung / Nr. 1 ... Freitag, 1. Jänner 1858 / IV Jahrgang

[11] ... Siebenbürgens  geographisch-, topographisch-, statistisch-,  hydrographisch- und orographisches  Lexikon / Wien 1839

[12] ... Jahrbuch des Siebenbürgischen Karpathenvereins / IV. Jahrgang 1884 / Hermannstadt 1884

[13] ... Siebenbürgens  geographisch-, topographisch-, statistisch-,  hydrographisch- und orographisches  Lexikon / von Ignaz Lenk von Treuenfeld ... / Vierter Band. S-Z. / Wien 1839







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