Ostkarpaten 2010 - Teil 2

Muntii Calimani

Fotos: Wilhelm Scherz

Der zweite Abschnitt meiner Ostkarpatentour im Herbst 2010 sollte beginnen. Nun stand das Calimani-Gebirge an der Reihe. An.- und Abmarschwege in die Muntii Calimani gibt es viele, aber für meine diesjährige Tour gab es zwei Prämissen: 1. Stancile Doisprezece Apostoli (Felszacken der 12 Apostel), sowie die verlassene Schwefelmine im Herzen des Gebirges. Zudem ist der Abschnitt von Stancile Doisprezece Apostoli hinüber zum Vf. Pietrosul einer der landschaftlich schönsten. 

Nachdem ich meine Tour durch die Muntii Bargaului beendet hatte, musste ich also erst einmal von Piatra Fantanele aus per Autostop nach Dorna Candrenilor gelangen. Früh um 9:00 Uhr ging ich in Piatra Fantanele zum an der Hauptstrasse gelegenen Magazin Mixt. Kaum war ich dort, kam ein Dacia und hielt, um eine alte Dame abzusetzen. Mit dem netten Fahrer kam ich schnell ins Gespräch und wenig später waren wir schon auf der Überfahrung des Tihuta-Passes. Als ich in Dorna Candrenilor am Abzweig nach Poiana Negrii abgesetzt wurde, ergab sich sogleich eine weitere Mitfahrgelegenheit mit einem älteren Ehepaar, das bis zur Mineralwasserfabrik fuhr. Von hier aus, so versicherten mir die Beiden, würde ich mit LKWs problemlos weiterkommen, welche zum grossen Steinbruch weit hinter Poiana Negrii fahren. So stand ich vor der Mineralwasserfabrik und es kam auch nach einer halben Stunde kein einziger LKW, geschweige ein anderes Fahrzeug. Statt dessen kam ein orthodoxer Mönch mit zwei Plastetüten beladen des Weg´s daher. Ich erkundigte mich bei ihm betreffs der LKWs vom Steinbruch. Ja, die würden ansonsten auch jeden Tag fahren - ausser, wenn im Steinbruch gesprengt wurde. Das war am heutigen Tag der Fall. Es stellte sich heraus, dass der Mönch den gleichen Weg hat und so liefen wir gemeinsam durch das nicht enden wollende Strassendorf Poiana Negrii ...


 

Endlich am Ziel!

... Hinter dem Steinbruch war es immer noch ein Stück des Weg´s bis wir an eine Wegkreuzung kamen. Der Mönch, welcher versteckt im Wald als Einsiedler lebt, zweigte in ein anderes Tal ab und ich setzte den Weg nach einer ausgiebigen Trinkpause allein fort. Lange Anmarschwege durch Strassendörfer und über unendliche Forstwege sind immer sehr erlahmend, aber jetzt, wo der weitere Forstweg verlassener schien und immer steiler anstieg, schöpfte ich wieder Kraft und kam frohen Mutes am Kloster 12 Apostoli an. Hier allerdings wollte ich mein Zelt noch nicht aufschlagen und so stieg ich weitere 100 Höhenmeter bis zum Bergkamm nahe des Vf. Cerbul (1637 m) empor. Hier auf einer schönen Bergweide waren die abendlichen Weitblicke garantiert. Gegen 15:00 Uhr stand mein Zelt und ich konnte wiedereinmal behaupten, "zu Hause" zu sein! Nach einer Kaffeepause und der obligatorischen "Feierabendschokolade" besuchte ich die etwas tiefer gelegene Klosterklause. 

Schitul Doisprezece Apostoli

Die kleine rumänisch orthodoxe Klosterklause, auf ca. 1550 m gelegen, wird von 5 Mönchsanwärtern und Mönchen bewirtschaftet. Die Kirche wurde im Jahr 2006 erbaut. Die Mönche, welche das kleine Kloster gründeten, stammen aus dem weltbekannten Kloster Putna. Hram (Kirchweihfest): Sf. Acoperamantul Maicii Domnului ... jeweils am 1. Oktober. Die abgeschiedene Lage des Klosters, machte die Mönche von Beginn an erfinderisch. So haben sie oben auf dem Bergkamm ein Windrad errichtet, welches einen Stromgenerator antreibt. Eine nahe Quelle spendet hier nicht nur das Trinkwasser, sondern speist auch ein Fischbecken, in dem Forellen gehalten werden. In einem Anbau neben dem Wohnkomplex haben die Mönche gar ein kleines Gewächshaus integriert, in dem künftig Gurken, Zwiebeln und vielleicht auch einmal Tomaten auf diesen ansonsten ungeeigneten Höhen wachsen sollen. ...

 

Zum Essen geladen!

Nach einem längeren Gespräch mit dem Abt des Klosters, wurde ich noch zum Abendessen geladen. Besonders angetan hatten es mir die mit Essig, Öl und weiteren Gewürzen eingelegten Pilze! ... Nach einer Spende in der kleinen Kirche füllte ich noch meinen Wasserbeutel auf und verabschiedete mich. Der Abt bot mir an im Kloster schlafen zu können, schliesslich habe man in den Sommermonaten häufig Gäste. An Ausländern sind es vorrangig Tschechen. Ich lehnte freundlich ab und ging zum späteren Abend wieder zu meinem Zelt zurück.  

 

Jetzt genoss ich die Stille!

Der Vorteil - so man allein durch die Berge zieht -, man nimmt die Natur in all ihren Reizen viel intensiver wahr und ist weit weniger versucht, sich an den Alltag zu erinnern, der einen ansonsten das ganze Jahr über inne hat.  An solchen Orten bleibt einen nur die Erinnerung an den alten Naturfreund Johann Wolfgang von Goethe ... Als gebürtiger Thüringer kommt mir jene Inschrift in Erinnerung, die Goethe einst im Goethehaus unterhalb des heutigen Kickelhahn-Turms auf Holz geschrieben hat (heute nachzulesen auf einer Tafel neben dem Hütteneingang): 

Über allen Gipfeln ist Ruh, ... In allen Wipfeln spürest du ... Kaum einen Hauch. ... Es schweigen die Vögelein im Walde; ... Warte nur, balde ... Ruhest du auch. (September 1783). 

Ein schöner Hinweis auf unser doch so kurzes Menschenleben, das wir all zu oft verschwenden - ungeachtet unserer schönen Erde auf der wir leben - ihr ein bisschen mehr Aufmerksamkeit zu schenken!

 

Poesie kontra Optik

Ja zu dieser Stimmung gibt es nichts mehr hinzuzusetzen. Der Lohn für den langen Anmarsch; das Futter für den inneren Seelen-Akku; Reichtum im Kopf - der einen nie wieder zu nehmen ist; ... !

 

Und ein Bilck durch´s Tele

... meiner Kamera zeigt den Vf. Heniul Mare des Bargau-Gebirges. Sogar die Wetter.- und Sendestation ist noch deutlich zu erkennen! 

 

Gegenüber 

... vom Sonnenuntergang steigt der Vollmond empor!

 

Herausragendes Engagement

... in dem seit 6 Jahren im Aufbau befindlichen Nationalpark Muntii Calimani. 

http://www.calimani.ro/

Man ist bemüht, dem Besucher von Beginn an die Unzugänglichkeit des Nationalparks zu vermitteln. Im Vergleich zu allen anderen Nationalparks in Europa und sonst wo auf der Welt, hat man sich hier einem anderen Konzept verschrieben. ... Wir werden im weiteren Verlauf sehen, wie es auf den Besucher wirkt und welche Eindrücke es hinterlässt. ...

Gegen 09:30 Uhr hatte ich gepackt und war bereit zum Abmarsch! Vom Vf. Cerbul kommend, verläuft der weitere Weg zunächst durch eine Waldschneise. Nachdem sich das Terrain wieder etwas öffnet, kommt man zu den Stancile Lucaciu. Diese ersten Felsnadeln vermitteln bereits einen Eindruck über den weiteren Verlauf der Strecke. Hier bei den Stancile Lucaciu sollte man sich die Zeit für einen Abstecher hinauf auf den nahen Vf. Lucaciu nehmen ...

 

Vf. Lucaciu (1770 m)

Der Wanderweg - sofern man ihn wahrnimmt - führt eigentlich unterhalb des Lucaciu-Gipfels vorbei. Vom Gipfel aus hat man erste Ausblicke auf das gesamte umliegende Bergland. Auch das kleine Kloster kann man von dort aus noch sehen. 

 

Blick gen Süd

... von Vf. Lucaciu. Die Felsformationen der 12 Apostel sind schon deutlich auszumachen. Noch eine knappe Stunde Laufzeit bis dorthin. ... Links im Bild: der noch ferne Vf. Pietrosul.

 

Doisprezece Apostoli

Die Felsen der 12 Apostel unterteilen sich in mehrere Gruppen. Hier sehen wir links im Bild den Mucenicul (Märtyrer), sowie den Mosul (alter Mann). Um alle diese Felsfiguren ranken sich zahlreiche Mythen und Geschichten, die ihren Ursprung zu dakischer Zeit haben und später mit dem Einzug des orthodoxen Glaubens einen stetigen Wandel erlebten.   

 

Figuren der zentralen Gruppe 

... von Doisprezece Apostoli. Auch sie sind mit Namen versehen, wie z.B. Ramses, Godzila, Nofretete, ... usw. 

 

Erst die richtige Position

... verleiht den Figuren ihr wahres Antlitz. Die Felsfiguren variieren in ihrer Grösse zwischen 3-12 Meter. 

 

Die westliche Figurengruppe

... der 12 Apostel. 

 

Rückblick auf den Vf. Munceilor (1775 m)

... und die 12 Apostel. Die Felsformationen sind Überbleibsel pyroclastischer Ströme. Der Besucher sollte bereits an dieser Stelle wissen, dass er sich hier auf dem westlichen Abschnitt einer riesigen vulkanischen Caldera bewegt. Das Schutzgebiet um die Stancile Doisprezece Apostoli erstreckt sich über 200 ha. ...

 

Traditionspflege

Ein Schwerpunkt der Nationalparkbehörde ist es, wandertechnische Zeugnisse aus sozialistischen Zeiten zu bewahren und der Nachwelt zu erhalten. Hier bekommt der Besucher einen Eindruck über die einstigen Wandermarkierungen, die ihrer Zeit - wie wir noch sehen werden - um einiges weit voraus waren! Diese alten Wandermarkierungen zeichneten sich dadurch aus, dass sie abseits von Waldrändern, zumeist mitten auf dem Wanderweg positioniert waren und sich durch Material und Farbgebung von ihrer Umwelt deutlich absonderten. Hier geht die Nationalparkbehörde einen grossen Kompromiss ein, verfolgt sie mit ihrem Konzept der Desorientierung doch einen ganz anderen Weg ...

:-)  

 

Blick auf Piatra Rosii (1705 m)

... Hier ab diesem Abschnitt lassen die Markierungen deutlich nach und bereits ab den zu durchdringenden Waldabschnitten über Piatra Rosii lernt der Calimani Nationalpark-Besucher den Kampf aufzunehmen mit ersten  verwachsenen Waldabschnitten. Hier wird einem erstmals das Gefühl von echter Wildnis vermittelt! 

 

Rückblick 

... auf Piatra Rosii. Wieder ein Stück Weg durch freies Gelände! Im weiteren Verlauf gilt es aber erneut, verwachsene Wegabschnitte durch junge Fichtenwälder zu bewältigen. 

 

Poiana Tamaului

Von hier aus hat man schon einen schönen Blick auf den Vf. Pietrosul (2100 m), welcher der höchste Gipfel der Muntii Calimani ist. Im weiteren Verlauf Richtung Vf. Maieris kommen zwei Quellen! Der Besucher kommt hier nach einem langen Weg erstmals in den Genuss von Trinkwasser. Eine Stärkung ist an dieser Stelle angeraten, denn der weitere Weg über den Vf. Maieris (1885 m) führt hindurch - hinüber geht leider nicht - durch dichte Krippelkiefer-Bestände.  Mit grossem Gepäck bekommt hier der Nationalparkbesucher endlich das Gefühl, alles geben zu müssen, um den Tücken der Natur zu trotzen (Stand anul 2010). Erlebnis.- und Emotionsfaktor: sehr hoch!

 

Unterhalb Coada Pietrosului

... befindet sich eine "Weggabelung". Hier zweigt linksseits der Maria Theresia-Weg (Drumul Mariei Tereza) mit der Markierung "roter Punkt" + "blaues Band" ab. Diese Umgehung des Vf. Pietrosul in Richtung Vf. Retitis ist bei schlechten Sicht.- und Wetterverhältnissen unbedingt dem Kammweg über dem Vf. Pietrosul vorzuziehen! Für mich war hier an diesem Punkt Feierabend! Gegen 17:00 Uhr setzte ich den Rucksack von den Schultern. Noch nie auf all meinen Touren durch die rumänischen Karpaten war ich so sehr von Fichten.- und Kiefernnadeln überzogen, wie nach dieser Strecke ... :-) ... Kleiner Tipp: Wer hier das Zelt aufschlägt, findet, ca. 100 m tiefer eine Quelle. Als ich am Abend hinunterstieg um Wasser zu holen, stiess ich direkt an der Quelle auf eine Bärenspur und musste herzhaft lachen - hatte ich doch aus Schilderungen von Falk Kienas http://www.eastern-images.de/ - der hier vor Jahren vorbeikam -  schon ähnliches vernommen :-) ... Am Abend bereits zogen dunkle Wolken auf. In der Nacht dann heftiger Wind und Regen!

 

S. Negoiul (1705 m)

Hier stösst der  Drumul Mariei Tereza wieder auf den Kammweg zwischen dem Vf. Pietrosul und dem Vf. Pietricel (1993 m). Auch bei Nebel findet man hier den Weg bis hinüber zum Vf. Retitis problemlos. Aber zur Vorgeschichte: Am Morgen herrschte starker Wind, Nebel und ein stetiger Nieselregen vor. So entschloss ich mich über den Drumul Mariei Tereza weiter in Richtung Vf. Retitis zu gehen. Man durchschreitet hier zunächst eine Senke und im Anschluss daran steigt der Weg wieder zu einem Bergrücken empor. Hier folgen Hirtenpfade dem weiteren Verlauf des Bergrückens in nordöstlicher Richtung. Bei Nebel heisst es hier aufgepasst. Man muss auf dem Bergrücken zunächst über eine Wiese wieder ein Stück Richtung Südost talwärts gehen, bis man an ein Quellgebiet kommt. Hier verläuft rechtsseits der Drumul Mariei Tereza-Weg fortan am steilen Berghang immer durch dichte Krippelkieferbestände. An einer Stelle wird der Weg durch eine tiefe Erosionsrinne unterbrochen, die zu überwinden einige Zeit kostet. 

 

Vf. Retitis (2021 m)

... Gegen 16:30 Uhr hatte ich endlich bei Regen, Wind und dichten Nebel die Wetterstation und die daneben befindliche kleine Cabana (rechts im Bild) erreicht. Durchnässt und ordentlich durchgefroren wurde ich von Crucianu Alexandru empfangen. Alexandru, selbst Meteorologe, baute vor einigen Jahren diese kleine Cabana direkt neben der Wetterstation. Er ist so sehr mit dieser Gegend verwachsen, dass man - so man ihn kennen gelernt hat - sich wirklich keinen anderen Hüttenwirt hier vorstellen kann! 

 

Cabana Roza Vanturilor

Kontaktdaten der kleinen Cabana auf dem Ratitis-Gipfel: 

Cabana Roza Vanturilor / Cabanier: Crucianu Alexandru / Tel.: 0745-791322 / eMail: cabanarozavanturilor@yahoo.com

Laut der offiziellen Webseite des Calimani-Nationalparks findet man noch heute im Jahr 2013 folgenden Hinweis: "... care este numai de tip camping, pe teritoriul parcului neexistand cabane sau refugii ...". Das beudeutet soviel wie der Hinweis, dass die einzige Art der Unterbringung das Campieren sei und weiterhin keine Cabana´s oder sonstige Schutzhütten existieren !?!?!? :-)

Weitere Unterkünfte: Privatunterkunft bei Familie Pata Vasile in Gura Haitii; http://www.cabana-calimani.ro ; http://www.lomas.ro ; Pensiunea Perla Calimanilor ; ...

 

Mara und der Vagabund!

In der Cabana Roza Vanturilor lernte ich Mara aus Targu Mures kennen, die hier einige freie Tage verbringt. Wir verabredeten uns für den kommenden Tag zu einer Wanderung durch die stillgelegte Schwefelmine. Würde das Wolken-verhangene Wetter die Sicht frei geben? Zusammen mit unserem "Vagabund", dem heimlichen Herrscher rund um den Retitis-Gipfel, starteten wir also zunächst in Richtung des Vf. Negoiu Romanesc. 

Wichtig: Man sollte niemals in Gegendwart unseres vierbeinigen Begleiters "Vagabund" die Pausenbrote auspacken! Mara hat es zu einem späteren Zeitpunkt versucht, mit dem Ergebis eines gesättigten Hundes und zweier Mitwanderer mit halbleeren Mägen ...

:-)

 

Erstes Ziel erreicht!

... Mara auf dem höchsten Punkt des teils abgebaggerten Vf. Negoiu Romanesc. Ob der Gipfelpunkt noch seiner ursprünglichen Höhe von 1889 m entspricht, ist schwer zu beurteilen. Wir befinden uns hier hoch über den steil abfallenden Bergbauklippen der stillgelegten Schwefelmine. Noch herrscht ein leichter Nebel vor, doch wenig später dann ...

 

Freie Sicht!

Es wäre wirklich mit dem Teufel zugegangen, wäre die Sicht auf die Schwefelmine uns weiterhin versperrt gewesen. Jetzt aber rissen die Wolken auf und gaben den Blick frei über die riesige Caldera, bis hinüber auf den gegenüber sich erhebenden Vf. Caliman Izvor. 

 

Blick auf die Schwefelmine

... und die fernen Gipfel des Vf. Calimanul Cerbului (2013 m / links im Bild) und des Vf. Caliman Izvor (2032 m / Bildmitte). 

 

Die vulkanische Caldera

... ist das Ergebnis eines riesigen Stratovulkans, dessen Aktivitäten im Pliozän stattfanden. Nachdem die Magmakammer im späten Pliozän eschöpft war, kam es zu einem Einsturz und somit zur Entstehung dieser 10 km breiten und zwischen 500 - 800 m tiefen Caldera. In Folge postvulkanischer Aktivitäten und andauernder Ausgasungen kam es zu konzentrierten Ablagerungen von Schwefelkristallen in den Rissen der zerklüfteten und instabilen Gesteinsschichten. 

 

Blick auf die Bergbauterrassierung 

... unterhalb des Vf. Negoiu Romanesc. Wir hatten Glück, erste Sonnestrahlen eröffnen uns die typische Farbenpracht des Gebirgsaufschlusses. Auch ein leichter Schwefelgeruch steht in der Luft und zeigt uns, dass es noch heute hier erhebliche Ausgasungen gibt. 

 

Schwefelkristalle

... im Gestein. Was läge hier näher, als diesen riesigen geologischen Aufschluss Touristen zugänglich zu machen. Für Schulklassen z.B. gäbe es kaum besseres Anschauungsmaterial. Eine Dauerausstellung im Zentrum der Mine, z.B. in einem der noch vorhandenen Gebäude des einstigen Wohn.- und Versorgungskomplexes der Minenarbeiter wäre ein guter Ansatz. 

 

Die einstige Schwefelmine 

... wurde im Jahr 1969 eröffnet, dem sicher einige Jahre an Vorerkundungen  vorausgingen. Die Schliessung der Mine erfolgte in der Zeit zwischen 1992-1995. Die Mine erstreckt sich über eine Fläche von ca. 200 ha..

 

In der geschlossenen Basis der Mine

... gehen wir in Richtung eines Tunnels, dessen einzige Funktion es ist/war, in dem Becken sich ansammelnde Gewässer abzuführen. Das Konzept war sicher ganz pfiffig, denn so konnte man sich den ansonsten hohen Aufwand an Pumpwerken sparen. 

 

Wir fahren ein!

Eine Durchschreitung des Tunnels ist natürlich nur zu Zeiten möglich, in denen wenig Niederschlagsmengen auftreten.

 

Das Höchstmaß 

... abzuführender Schlamm-Massen kann man an der Tunnelwand ablesen. 

 

Der untere Ausgang 

... des ca. 200 Meter langen Tunnels endet auf der oberen Basis der Schotterhalden.

 

Die Schotterhalden

Hier verbirgt sich das eigentliche ökologische Desaster der Mine, denn aus diesem riesigen Volumen von Lockergestein werden grosse Mengen an Schwermetallen und Schwefel ausgewaschen und gelöst, welche über die hier abfliessenden Gewässer weitere Gebiete und Flüsse verschmutzen. Der gelöste Schwefel bewirkt zusätzlich eine Versäuerung der Böden was in Folge ein Auflösen weiteren Gesteins und das Auswaschen weiterer Schwermetalle in angrenzenden Gebieten bewirkt. 

Im Jahr 2008 erfolgten erste Aufräum.- und Renaturierungsarbeiten durch die Firma Wittfeld RO SRL  http://www.wittfeld.de . Die Arbeiten konzentrierten sich zunächst auf einen Anlagenrückbau, wobei sämtlicher Matallschrott auf einen zentralen Punkt zusammengetragen wurde. Weiterhin erfolgten Planierungen, Einebnungen und Abdeckungen mit Mutterböden  auf der oberen Basis der Mine, wobei auch teilweise noch Renaturierungsarbeiten sichtbar sind. Im Jahr 2010 konnten wir aber keinerlei Arbeiten am Rückbau der Mine oder sonstige Renaturierungsarbeiten mehr feststellen. 

 

Die Kolonie

Hier befand sich ein Teil der Verwaltung, sowie weitere Wohn.- und Versorgungskomplexe. Die Zahl der hier einst Beschäftigen schwankt nach Recherchen zwischen 1000 - 8000. Einem Beitrag entnehmend findet man aber Hinweise darauf, dass hier einst bis zu 3000 Menschen in den Kantinen mit Essen versorgt wurden. 

 

Der einstige Kulturraum

Hier finden wir noch ein grosses Wandbild vor, welches die Schwefelmine darstellt. In vielen Räumen und auch hier, finden wir zahlreiche Aktenordner und Dokumente, welche Aufschluss über die Mine geben, angefangen von persönlichen Anträgen für Prämienzahlungen, bis hin zu Konstruktionsplänen für Tunnel und Sondenschächten. So finden wir in einer Aufzeichnung auch folgenden Hinweis: Im Jahr 1994 wurden 872100 m³ Gestein gefördert, mit einem Gesamtertrag von 72100 m³ Schwefel. 

 

Über der Kolonie

... befindet sich die Ruine einer Villa, die in früherer Zeit Ceausescu als Jagdhaus diente. 

 

Nächster Tag

Ich hatte mich erst am späten Vormittag von Cabana Roza Vanturilor verabschiedet. Der Weg führte mich zunächst weiter über den Vf. Voievodeasa (1825 m / im Bild). Schmale Pfade schlängeln sich hier durch ein grosses Feld von Krippelkiefern. Es geht entlang der gelegentlich auftretenden Markierungen -rotes Band- und -roter Punkt-.  

 

Blick über die Caldera

... vom Vf. Caliman Izvor (2032 m). Der Vf. Pietrosul ist bereits von dunklen Wolken verhüllt, welche in meine Richtung hinüberziehen. Gut sichtbar ist der Vf. Pietricelul (1993 m / Bildmitte), sowie der Vf. Retitis (2021 m / links im Bild). Das Schutzgebiet des Nationalparks erstreckt sich über 2400 ha. Die Gesamtfläche der Muntii Calimani erstreckt sich über ca. 7500 km².

 

Ein Blick durch´s Tele

... auf die Schwefelmine und die riesigen Flächen der Abraumhalden.

 

Wie wird´s Wetter?!

... Mittlerweile ziehen nun auch schon südlich vom Vf. Caliman Izvor dunkle Wolkenformationen auf und wenig später ...

 

Starker Wind und Regen ziehen auf.

Und ich muss mich sputen, möchte ich einen Teil des Wegs hinüber zum Vf. Calimanul Cerbului (2013 m) bei freier Sicht zurücklegen.

 

Das umgestossene Schild

... auf dem Vf. Caliman Izvor steht vielleicht schon wieder Pate dafür, was mich auf dem weiteren Weg erwartet. Kurz vor erreichen des Vf. Calimanul Cerbului hatte mich dann zu Sturm und Regen auch noch der Nebel ein und die Sicht reichte keine 10 Meter weit. Mit etwas Glück entdeckte ich an einem Felsen kurz vor dem Gipfel eine erste Farbmarkierung -blauer Punkt- , welche laut meiner Dimap-Karte direkt hinunter ins Tal führt. Bei dem Wetter gab es definitiv keine Alternative, obwohl mein Plan ein anderer war, wollte ich doch von hier aus direkt hinüber in das Bistrita-Gebirge wandern. Wohl wissend, dass aber die Zeit für meine Gesamtstrecke ohnehin knapp bemessen war. So bereitete es mir keinen Frust das Gebirge nun zu umgehen. Hier auf dem Abstieg ins Tal war also der -blaue Punkt- meine Orientierungsmarke. Aber da hatte ich nicht mit der Strategie der Nationalparkbehörde gerechnet. Hatte man noch auf dem westlichen Kamm der Caldera einige alte Wegweiser aus sozialistischer Aera stehen gelassen, so begnügte man sich hier damit, an den Waldrändern an einer beliebigen jungen Fichte ein Stück vom Stamm freizuschneiden und diesen dann farblich zu markieren, ... was bei Nebel eine zusätzliche Aufgabe der Orientierung bedeutet. Der Wanderer muss erahnen, wo man hier die Markierungen versteckt hat. ... An einem weiteren Abschnitt durch dichte Krippelkiefern hatte sich doch tatsächlich jemand daran gemacht, 20 Meter des schmalen Weg´s freizuschneiden, jedoch war der Weg durch die abgeschnittenen Hölzer zusätzlich verstopft :-) ... Schliesslich die nächste Schwierigkeitsstufe: Immer wenn der schmale Pfad über eine kleine Lichtung führte, zweigten mehrere Wildpfade ab. Der Nationalparkbesucher muss hier nun erraten, welcher Pfad für Mensch und welcher für´s Getier gedacht ist! Dieses einmalige Engagement der Wanderweggestaltung ist in jedem Falle sehr bewundernswert! :-) ...

 

Geschafft

... Nun hiess es nur noch einmal die Schuhe ausgezogen und durch den Bach gefurtet. Gegenüber befindet sich die Strasse nach Gura Haitii. Hier erlebte ich wieder eine schöne Geschichte. Kaum an der Strasse stehend, kam ein alter Mercedes angefahren. Ein junger Mann hielt an und beäugte zunächst skeptisch mein Gepäck. Der Grund, der Mercedes war vollgestopft mit einer riesigen Matratze. Der junge Mann war Forstarbeiter und wollte eigentlich heim in die Maramures fahren. Damit ich genügend Platz im Auto habe, fuhr er kurz zurück ins Waldarbeitercamp und lud die Matratze wieder ab. So gelangte ich flux mit sehr netter Unterhaltung bis an die Hauptstrasse im Bistrita-Tal. Noch einmal ging es dann per Autostop bis Pensiunea Zugreni, wo ich abends einkehrte. Die einstige Cabana wurde vor einigen Jahren privatisiert und wird jetzt als Pension geführt: 

https://www.facebook.com/complexturisticzugreni

 

Nach schwerer Tagestour

... nun ein verdienter Abend mit allen Köstlichkeiten. Die Pensiunea Zugreni ist für den morgigen Tag ein guter Ausgangspunkt für meine weitere Tour über Masivul Rarau-Giumalau

 

 

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